10.7.2025 Popcorn im Knie

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Honig im Kopf kennen wohl die meisten von euch, zumindest als Buch- oder Filmtitel. Ich aber habe Popcorn im Knie – oder besser gesagt: Eine Popcornmaschine. Und das bereits seit über 30 Jahren. Nur ist die im Lauf der Zeit immer lauter geworden. Und jetzt, wo das rechte Knie dank neuer Prothese wie neu ist, fällt das noch viel stärker auf.

Mein Physio jedenfalls war der Meinung, dass die Ärzte sich das ansehen sollten. Denn seit ca. Ende März setzt das linke, so genannt gesunde, Knie die Grenze, nicht mehr mein Problemknie. Also hatte ich das der Klinik gemeldet, und die haben mir für den heutigen Kontrolltermin 6 Monate Post-OP einen Röntgentermin für beide Beine gegeben.

Nach einer anschliessenden kurzen Wartezeit durfte ich zur Besprechung mit dem Assistenzarzt. Dieser fragte mich zuerst, wie ich mit dem neuen Knie zurecht komme und freute sich mit mir, dass da alles bestens läuft. Der Winkel beträgt inzwischen 100 Grad, mehr wird es kaum mehr werden. Hinter der Kniescheibe ist noch eine leichte Entzündung mit Flüssigkeit spürbar, aber das sei normal. Ansonsten sehe alles bestens aus.

Dann holte er die Röntgenbilder vom linken Knie auf den Kasten und sagte spontan: «Die Kniescheibe sieht ja grauslich aus!» Ich grinste ihn an: «Die klingt auch so!» Er: «Wie meinen Sie das?» Ich, indem ich von der Liege rutsche und eine Kniebeuge mache: «So!»

Und ja, das klingt eben wie eine durchgeknallte Popcornmaschine. Er: «Oh!»

Schaut noch einmal auf die Röntgenbilder, schüttelt den Kopf. Denn das Kniegelenk selber sieht offenbar noch ganz gut aus. An einer Stelle ist der Gelenkspalt leicht verkleinert, aber das Bein ist gerade, der Muskelaufbau und die Stabilität sind gut.

«Tut das denn weh?», will er wissen.

«Das Popcorn eigentlich nicht … Ich habe Schmerzen, wenn es steil runter geht, dann fühlt es sich an, als ob ihm Knie etwas springt. Ist aber kein Dauerschmerz, eher situativ.»

«Und wie schlimm ist der Schmerz?»

Das ist eine Frage, die ich nie wirklich beantworten kann. Ich hatte im rechten Knie keinen Tag ohne Schmerzen, von der Zeit des Unfalls bis nach dem Einsetzen der ersten Prothese. War das schlimm? Ja. Konnte man dagegen was machen? Nein.

«Verglichen mit damals ist der Schmerz wesentlich einfacher auszuhalten, da nicht ständig», versuche ich zu erklären.

Er versucht es anders:

– «Was ist die grösste Distanz, die Sie am Stück gehen können?»

– Ich:  «So 10 oder 15 Kilometer können es schon mal sein …»

– Er, etwas ungläubig: «Joggend?!»

– Ich: «Nein, walken, spazieren oder wandern …»

– Er: «Und das machen Sie öfters?»

– Ich:«Nicht ganz so extrem. Aber ich bin pro Tag wieder über 10’000 Schritte. Gehe dazwischen aber auch Velofahren, das geht ja jetzt auch wieder …»

– Er: «Und Sie machen immer noch Physio?»

– Ich: «Nein, aber ich habe Übungen, die ich zuhause machen kann. Und ich habe mir von der KI drei Programme mit Kraftübungen erstellen lassen, zwischen denen wechsle ich ab.»

Er: «Kommen Sie wieder, wenn sie nur noch 200 Meter am Stück laufen können …»

Grinsend schüttelt er den Kopf und ging, um das Ganze mit dem operierenden Arzt zu besprechen. Dessen Fazit war aber das Gleiche:

«Sehen Sie, wir können nicht nur die Kniescheibe ersetzen. Aber da  jetzt schon eine Prothese zu machen ist bei Ihrem Bewegungsmuster definitiv nicht angebracht. Melden Sie sich, wenn die Schmerzen zu stark werden, so dass diese Sie im Training einschränken.»

Ein paar Tipps gab’s dann auch noch:

Dass man Kniebeugen auch weniger tief machen könne; dass ich beim Heruntergehen das rechte Bein zum Dominanten machen soll (darauf bin ich auch schon gekommen, aber es läuft noch nicht immer automatisch); dass ich entzündungshemmende Kapseln nehmen könne, das würde auch gegen die Arthrose in den Füssen helfen, aber Ibuprofen oder andere NSAR nur im äussersten Notfall und mit Magenschoner, wegen des Magenbypass.

Sieht also ganz so aus, dass ich meine Popcornmaschine noch eine Weile behalte. «Fahren Sie einfach so weiter, mit Spass und Abwechslung. Noch mehr kaputt machen können Sie da ohnehin nicht», meinte der Arzt. Na dann ist ja gut …

Und ich merkte erst beim Herausgehen, dass ich ihm gar nicht gesagt hatte, dass ich neuerdings auch wieder Schwimmen kann. Und natürlich tanzen.