Für den heutigen Tag hatte ich nichts Konkretes geplant – ausser, dass ich nicht an Papa Molls Geburtstagsfest gehen wollte, weil mir das letztes Jahr viel zu überfüllt war. Und bei dem strahlend schönen Wetter heute, vor einer längeren Regenperiode, dürfte es nicht anders sein.
Also nahm ich den ersten Zug nach meinem Frühstück, Richtung Baden, und beschloss, von dort den nächstmöglichen Zug zu nehmen, der NICHT einfach nach Zürich fährt. Angesagt wurde Schaffhausen, das gefiel mir. Allerdings stieg ich dann doch in Winterthur auf, weil eine Familie mit sehr ungebändigten Kinder meine Nerven überbeanspruchten. Ursprünglich hatte ich vor, einfach in die erste Klasse zu wechseln, aber Gegenüber stand ein Zug, angeschrieben mit Stein am Rhein, und das klang irgendwie anziehend.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie in diesem wunderbaren mittelalterlichen Städtchen war. Architektur, Fassadenmalereien, Landschaft und geografische Lage sind bezaubernd!
Das Schild «Museum Lindwurm» liess nicht wirklich erahnen, was da gezeigt würde, machte mich aber neugierig. Und war heute gratis zu besichtigen, weil die Kasse defekt war. Und der Besuch lohnt sich ggf. durchaus auch gegen Bezahlung!
WOHNEN UND ARBEITEN im 19. Jahrhundert
Die Ausstellung zeigt sehr anschaulich, wie Herrschaft und Gesinde gelebt und gearbeitet haben. Und für Kinder gibt es ein eigenes Spielzimmer, in dem sie alles anfassen, anziehe und ausprobieren können. Sehr empfehlenswert – allerdings nicht geeignet für Menschen mit Gehbehinderungen, wegen teils schmaler und steiler Treppen.
Mein Spaziergang führte mich schliesslich runter an den Rhein, zur Schiffslände, wo in ziemlich genau 45 Minuten ein Schiff Richtung Konstanz fahren sollte. Also gönnte ich mir einen Imbiss und landete anschliessend nicht auf dem Munot, wie es sich ursprünglich abgezeichnet hatte, auf dem Munot, sondern auf der Munot.
Schmunzeln musste ich über den älteren Herrn, der in Berlingen am Steg begeistert die Schiffsglocke betätigte – und erfuhr dann, zu meinem Staunen, das der rüstige Herr bereits 99 Jahre alt ist. Ein Artikel zu ihm ist leider hinter Bezahlschranke, aber Bild und Lead sind herrlich!
Beeindruckt war ich auch von der Natur- und Vogelwelt beim Wollmatinger Ried: Die Schiffsrinne ist relativ schmal, links und rechts recht flach – hier sahen wir sicher über 100 Schwäne links, Schwärme von Enten und etliche Kormorane rechts. Ach ja: Wo die Gottlieber Happen herkommen, weiss ich jetzt auch!
Ein Spaziergang brachte mich von Kreuzlingen nach Konstanz, von wo ich wieder heimfuhr. Beim Umsteigen in Eglisau fielen die ersten Tropfen, beim Aussteigen in Bad Zurzach schüttete es aus Kübeln, so dass ich trotz Schirm ziemlich nass wurde. Egal – war ein wunderschöner Tag.
Und jetzt gönne ich mir eine schöne Meditation, zur Sonnenfinsternis.


