Ok, dieser Tag qualifiziert definitiv eher als wunderlich als als wunderbar (und bereits diese Satzkonstruktion beweist es):
Vormittag noch ruhig, ein wenig gearbeitet, nichts Besonderes. Dann Euros hervorgekramt, für einen Abstecher nach Waldshut. Ich brauch wieder Centrum und Calcimagon, und das ist drüben einfach massiv billiger, ohne wirklichen Grund.
Anreise per Ersatzbus ab Koblenz, und diesmal dachte ich sogar daran, Easy Ride auszuschalten und ein Billet zu lösen, denn ohne Datenroaming funktioniert Easy Ride endet dem Rhein nicht.
Bei mir im Abteil zwei junge Frauen, sehr Goth. Die eine davon hat offenbar eben erst eine Lehre angefangen und hatte gestern an der Kasse Probleme. Ich dachte ja zuerst, wegen ihren unendlich langen, scharf zugespitzten und schwarz-weiss lackierten Fingernägel (ich könnte damit keine Kasse bedienen), aber offenbar war das nicht das Problem, sondern das Berechnen des Herausgeldes. «Wieso konnte die nicht mit Karte bezahlen, wie alle anderen auch?»
Ich musste schmunzeln. Vor 40 Jahren, als ich im Kiosk gearbeitet hatte, war Kartenzahlung noch kein Thema – die Sache mit dem Herausgeld aber schon. Ich fragte sie, ob ich mich einmischen dürfe, mit einem Tipp, der ihr das Leben einfacher mache? Ich durfte. Und erklärte ihr, dass sie gar nicht erst ausrechnen soll, wie viel Herausgeld die Kundin kriegt, wenn sie für 4.40 mit einem Fuffziger bezahlt. Sondern einfach aufaddieren beim Herausgeben: 10 plus 50 macht 5, plus 5 macht 10, plus 40 macht 50.
Sie und ihre Kollegin schauten mich erst verblüfft an – und freuten sich dann riesig: «Das ist wirklich viel einfacher!» Ich fragte sie, ob ich ihr noch einen weiteren Tipp geben dürfe? Und auch den wurde ich los:
«Behalte den Schein in der Hand, bis du rausgegeben hast! Sonst sagt plötzlich jemand, er habe dir einen Hunderter gegeben … und du hast ein Problem.»
Sie bedankten sich beide überschwänglich, und ich meinte: «Pay it forward! In 10 Jahren oder so ist vielleicht jemand froh, wenn ihr solche Tipps weitergebt.» Die ältere Dame neben mir nickte bestätigend: «Das war jetzt schön …» meinte sie beim Aussteigen. Fand ich auch!
Weniger schön – und gefühlt siebenmal länger – war die Rückfahrt, nach dem Einkaufen:
Neben mich setzte sich ein Mann, der mir zuerst Sexwitze erzählte, als ich ihn bat, das Thema zu wechseln, die Klimakrise leugnete, dann über 12-jährige Mädchen und deren sexuelle Aktivitäten sprechen wollte, auf meinen empörten Blick zu den Preisen von Bier wechselte um sich dann als echten Eidgenoss zu outen, nicht als «Türkeschwyzer». Sämtliche meine Versuche, ihn zu ignorieren oder abzublocken glitten an ihm ab wie Teflon.
Beim Aussteigen kommentierte erneut eine ältere Dame, die vor uns gesessen hatte:
«Manchmal sollte man seine gute Erziehung auch einfach vergessen dürfen!» Yep!
Und ich war soooooo nah dran …

