In den letzten Wochen sah ich immer wieder Werbung für den Weihnachtsmarkt in Vevey. Bei der SBB gibt es sogar ein Sonderangebot, mit vergünstigter Reise und Glühwein und Bretzel inbegriffen. Darauf habe ich allerdings verzichtet, denn erstens muss ich bis zum 3.1.2026 noch mein restliches Guthaben vom Halbtax Plus verfahren (sonst verfällt der Bonus), und zweitens wollte ich insbesondere in Sachen Rückreise flexibel bleiben.
Das Wetter spielte nur bedingt mit. Blaue Flecken sah ich nur in der Region von Fribourg und zwischendurch in Vevey, ansonsten versteckte dichter Nebel die Umgebung. Je nu: Ich nutzte die Zeit, um nach Innen zu gehen und die kommenden Rauhnächte vorzubereiten: Was möchte ich 2026 wachsen sehen oder verwirklichen? Welche Ziele will ich erreichen? Und da passte der Nebel ganz gut dazu:
Ich muss noch gar nicht im Detail wissen, WIE ich daherkomme. Wichtig ist, dass ich mir über das Ziel klar werde, über das WARUM dahinter – und was ich als ersten Schritt machen kann. Alles weitere wird sich nach und nach zeigen.
In Vevey angekommen stellte ich etwas verdutzt fest, dass ich diese Stadt ja überhaupt nicht kenne, auch wenn ich hier vor Jahren ab und zu umgestiegen bin, wenn ich Termine in Coppet hatte. Immerhin war durch die Anreise klar, auf welcher Seite der See lag, und das Riviera im Namen des Weihnachtsmarktes liess mich darauf schliessen, dass das ein guter Anfang sein könnte.
Die Bausubstanz zeigt auf, dass Vevey früher ein wichtiger Handelsplatz war – mit Betonung auf “war”: Viele Bauten könnten eine Renovation und etwas Liebe ertragen … Und, wie bei uns leider auch, stehen zahlreiche Läden leer. Schade!
Der Weihnachtsmarkt, unten am See, war massiv kleiner, als ich aufgrund der Werbung erwartet hätte, aber sehr charmant. Die Stimmung über dem See dahinter war geheimnisvoll, mit Nebelschwaden, Wolken und einzelnen Sonnenstrahlen, die wie flüchtige Scheinwerfer das eine oder andere Details kurz beleuchteten und gleich wieder zurücktreten liessen.
Meine Absicht war ja eigentlich, einfach zu fotografieren und zu geniessen – aber bei einem Häuschen, gleich am Anfang, stiess ich meine guten Vorsätze über Bord: “Chocolate in a Bottle – Vin pétillant avec du chocolat” klang zu verlockend. Und: Man durfte degustieren!
“Commencez avec le nez!”, meinte der nette Herr, Erfinder des Getränks, und ich musste lachen. “Ich habe zuhause einen Whisky-Adventskalender! Wenn es etwas gibt, was ich kann, ist es degustieren!” Der Duft von Schokolade war intensiv und einladend – und der Geschmack verblüffend fein. Da es keine Piccolinos gan (die gibt es offenbar nur für den Grosshandel), musste ich mir eine grosse Flasche gönnen … Schlimm, oder?
Das Mittagessen genoss ich im Pop-up-Restaurant En Terre Vaudoise. Die Preise schienen mir zwar recht gesalzen, aber die hatten Papet Vaudoise auf der Karte. Das hatte ich schon lange nicht mehr gegessen… Und es hat sich gelohnt!
Anschliessend spazierte ich dem See entlang und erreichte auch den zweiten Teil des Marktes, in der Altstadt. Dieser wird am Nachmittag offenbar vorwiegend als Treffpunkt der Einheimischen genutzt, die hier trinkend und rauchend ums Feuer stehen. Sah aber gemütlich aus.
In der Altstadt entdeckte ich dann eine kleine Perle: La Petite Adresse – eine Epicerie Fine, geführt von zwei Freundinnen mit Flair für Geschmack, Düfte und Geschenke. Kaum hatte ich den liebevoll eingerichteten Laden betreten, wurde ich auch schon mit einem Tässchen Tee begrüsst. Das ist eines dieser Geschäfte, bei dem ich Geschenke besorgen würde, wenn es näher läge. Eines durfte auch heute mit – und für mich eine besondere Packung Fudges. Die letzte, die mir eine Kundin freundlicherweise überliess, als ich sie fragte, wo sie denn die gefunden hätte … Merci beaucoup, Madame!
Für die Rückreise wählte ich einen Zug über Neuchâtel, Biel, Solothurn – an sich auch eine sehr schöne Strecke, aber wie die Hinfahrt grösstenteils im Neben verborgen. Je nu. Ich sass im Warmen, hatte Kaffee und war glücklich.


