Am 1. Juni hatte ich über das Konstrukt «Heimatort» geschrieben, das es in dieser Form in keinem anderen Land gibt. Üblich ist, sonst dass bei Ausweisen etc. der Geburtsort abgefragt wird. Damals wies ich darauf hin, dass die Maori allerdings was Ähnliches kennen:
Sie verweisen, wenn man sie fragt, auf das «Waka» (Kanu), mit denen ihre Vorfahren nach Neuseeland gekommen sind.
Im Zuge meiner Bemühungen, Maori zu lernen, bin ich aber nun auf einen Begriff gestossen, der unserem Heimatort und dessen ursprünglicher Bedeutung erstaunlich nahekommt:
Whenua
Das Wort wird “ffenua” ausgesprochen und bedeutet gleichzeitig Land und Plazenta. Es steht in engem Zusammenhang mit einem Wort, das ich eben erst gelernt habe:
Whānau
“ffaaanau” ausgesprochen, wird oft mit Familie übersetzt, geht aber über unseren Familienbegriff hinaus. Es umfasst alle Mitglieder einer Familie, vom jüngsten Familienmitglied bis zum ältesten Familienmitglied, an das sich das älteste Familienmitglied erinnern kann. Heute wird es oft auch für Gemeinschaft oder «chosen family» verwendet.
Whenua und Whānau stehen aber in enger Verbindung, wie dieser Artikel aufzeigt:
Was ich spannend finde:
Alle Mitglieder eines whānau beteiligen sich gemeinsam an der Erziehung der Kinder, ebenso wie an allen anderen anfallenden Arbeiten. Ob Geschwister, Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten, Grosseltern oder weitere Verwandte ist dabei egal. Wobei die Begriffe für die Familienmitglieder nicht wie bei uns anzeigen, wie nah oder weit entfernt die Verwandtschaft ist.
Hier als Beispiel am Wort Schwester:
Betont wird lso eigentlich weniger der Verwandtschaftsgrad als der Verantwortungsgrad: Wer sorgt am ehesten für wen? Wobei das Ganze durchaus nicht einseitig gesehen wird:
Mentor und Mentee können je nach Situation und Begabung ja abwechseln, das ist nicht nur altersabhängig. Von daher verwundert es mich auch nicht mehr, dass «Tauira» sowohl Schüler als auch Lehrer bedeuten kann.
Wobei das korrekte Wort für mich wohl eher «Timatanga» lautet:
He timatanga ahau
Ich bin Anfängerin.
Und auch das werde ich vermutlich bis morgen wieder vergessen haben … Es braucht sehr viele Anläufe, bis ich mir die Wörter merken kann, da ich absolut nichts herleiten kann. Aber ich habe ja noch etwas Zeit, bis ich wieder nach Neuseeland kann.
Würde mich allerdings wundern, wenn ich da ein echtes Gespräch führen kann, ohne auf Englisch wechseln zu müssen.


Es ist einfach gut, wenn man sich mit der Kultur der Indigenen eines Landes beschäftigt, dass man immer wieder besucht. Es ist sicher nicht immer zufällig, dass sich gewisse Zusammenhänge mit unserem Kulturkreis ergeben. Vieles bleibt einem fremd, solange man sich nicht selber damit auseinandersetzt.
Daddy