Seit 2016 habe ich ein Patenkind in Neuseeland. Deren Mutter kommt aus Bayern, der Vater ist Engländer – trotzdem bin ich, seit ich die Familie besucht habe, immer wieder in Kontakt gekommen mit der Kultur der Maori.
Zwar hatte ich schon früher das eine oder andere gelesen, und eher von aussen gesehen hatte ich Aspekte davon während einer Reise mit meinem damaligen Partner, einige Jahre vorher.
Während meins ersten Aufenthaltes in Whakatane hatte ich das Glück, das “Haus, das heimkam” besuchen zu dürfen (mehr dazu in diesen Blogpost) – später war der Zugang nur noch den Angehörigen des dazugehörenden Stammes möglich, wobei eine Wiedereröffnung für weitere Kreise nicht ausgeschlossen wurde.
Mich faszinierte schon damals die Art und Weise, wie die Maori ihre Geschichte erzählen:
Sie beginnen meist mit der Schöpfungsgeschichte, dann geht es weiter mit der Geschichte der Vorfahren, deren Reisen und die Ankunft in Neuseeland und den Wandergeschichten in Neuseeland. Wie bereits in Whenua und Whānau beschrieben, steht die erweiterte Familie im Mittelpunkt – und die schliesst eben auch die Ahnen mit ein. Weitere Geschichten erklären Naturphänomene oder lehren die Unterscheidung von Tabus oder vermitteln sonst moralische Werte.
Als Textine und Wortakrobatin hat eine derartige Kultur für mich natürlich einen ganz besonderen Reiz!
Was dazu führte, dass ein Wunsch, den ich schon ein paar Jahre vor mich herschob, nämlich als weitere Sprache die Gebärdensprache zu lernen, etwas in der Hintergrund geriet – und dafür der Wunsch, TeReo Maori zu lernen, immer stärker wurde.
Der erste Versuch, mich bei einer Online-Schule anzumelden, scheiterte kläglich: Diese wird vom Staat finanziert und ist Menschen vorbehalten, die in Neuseeland leben.
Also habe ich mit Claude.ai zusammen ein massgeschneidertes Programm erstellt. Er hat mir viele Fragen gestellt, nach Sprachen, die ich bereits gelernt habe, nach meinem Lernverhalten etc. und hat mir jede Menge Ressourcen angegeben: Radio, Podcasts, Lernvideos, Wörterbücher und Apps.
Darauf aufbauend hat er einen Lernplan erstellt, an den ich mich aber nur bedingt hielt (ihr erinnert euch: ich bin die, die auch Rezepte nur als Inspiration versteht …).
Mein Problem: Ich kann absolut nichts ableiten
Der Satzbau ist noch das Einfachste: Verb – Subjekt – Objekt. Aber bevor ich Sätze zusammenbauen kann, müsste ich die Wörter kennen. Die ich stur auswendig lernen muss, weil es keine Chance gibt, die irgendwie herzuleiten. Und dann verändern die sich auch noch, je nachdem, ob ich zu einer, zwei oder mehr als drei Personen spreche. Oder ob die Schwester die Schwester einer Schwester oder die Schwester eines Bruders ist. Help!
Ich lese inzwischen diverse News, die in einer für Neuseeland typischen Mischung aus Englisch und Maori geschrieben sind, höre auch etwas Radio – und “Halleluja!”: Das eine oder andere Wort verstehe ich sogar. Immerhin …
Aber heute las ich mehrere Beiträge, bei denen es um “Ta moko” ging – verbunden mit heftigen Reaktionen, weil sich offenbar ein Politiker öffentlich darüber aufgeregt hatte, dass eine Nachrichtensprecherin DAS gemacht hat. Ich verstand nur Bahnhof, aber das war es natürlich nicht. Also fragte ich Claude – und er lieferte:
Ta moko ist die traditionelle Maori-Tätowierung
Das macht Moko besonders:
- Es ist viel mehr als nur Körperschmuck – Moko erzählt die Lebensgeschichte einer Person
- Jedes Design ist einzigartig und trägt Informationen über Herkunft, Status, Leistungen und Familienlinie
- Traditionell wurde es mit Meisseln (uhi) in die Haut geritzt, nicht gestochen wie moderne Tattoos
Die zwei Hauptformen:
- Ta moko – traditionelle Gesichtstätowierungen, besonders für Männer von hohem Rang
- Kirituhi – Körpertätowierungen, die auch Nicht-Maori tragen dürfen (wobei das kulturell sensibel diskutiert wird)
Kulturelle Bedeutung:
- Moko verbindet die Person mit ihren Ahnen (tipuna) und ihrer spirituellen Identität
- Es ist ein Zeichen von Mana (spiritueller Kraft) und gesellschaftlichem Status
- Die Designs folgen jahrhundertealten Mustern und Symbolen
Und dann fragte er mich:
Soll ich dir ein paar grundlegende Begriffe rund um Ta moko und Maori-Kultur erklären, die wahrscheinlich in den Medien auftauchen?
Das Resultat hat mich verblüfft – und beflügelt:
Claude hat mir ein kleines Dossier zusammengestellt, mit Formulierungen zum Thema, der Bedeutung für die Menschen, die Zusammenhänge – komplett mit Aussprache und Beispielen.
So funktioniere ich – so kann ich lernen!
Ich habe jetzt bereits zwei weitere Dossiers: Eines mir Gruss- und Abschiedsformeln, eines zu den Familienstrukturen. Jeweils mit einem Survival-Kit für Anfänger, und dem motivierenden Hinweis: Maori schätzen jeden Versuch, ihre Sprache zu sprechen – auch wenn die Aussprache nicht perfekt ist. Respekt und Bemühen sind wichtiger als Perfektion.
In diesem Sinne:
Ka mutu tonu au! – Ich bleibe dran!
Und: Ngā mihi.
Danke, Claude!
Das Bild von Claude als Maori-Lehrerin habe ich mit Ideogram.ai erstellt. Eigentlich sollte das Tattoo nur am Kinn sein, aber das hat das Tool nicht kapiert 🙂


Der Blick in die Vergangenheit ist in den verschiedenen Kulturen vertieft nur möglich, wenn eine minimale Sprachkenntnis der Kultursprache vorliegt, dann aber ergeben sich immer wieder gewisse Zusamenhäng zu unserer Kultur.
Daddy