Über Mittag war ich in der Therme – mit gefühlt 3532 anderen Menschen … Und ja, ich weiss es eigentlich, ich hätte morgens um acht hingehen sollen, da ist es am Sonntag meist noch leer.
Je nu: Sauna war fast leer, und im Floating-Becken fand ich eine gute Stelle, um mich mit den Füssen zu verankern und die Musik zu geniessen. Zumindest bis zwei Tussis kamen, die fanden, ihre angeregte Unterhaltung sei wichtiger als die Stille, die an diesem Ort eigentlich gewünscht und gefordert wäre.
Ich überlegte mir kurz, ob ich sie anschnauzen sollte, entschied mich aber dagegen. Kletterte stattdessen für ein paar Minuten in den «Hörnlitopf» (39.5°), nur um hier die Beziehungskrise eines Pärchens mitzuerleben, die sich in lautem Flüstern (was fast schlimmer ist als Normalsprech) Du-Botschaften um die Ohren hauten. Ich überlegte kurz, ob ich mich als Mediator anbieten sollte, schätzte aber meine Überlebenschance als eher gering ein und kletterte deshalb lieber aus dem Quellwasser.
Nach einem Blick aufs Ruhebecken, in dem nur noch Stehplätze frei waren, entschied ich mich zum Abbruch der Übung.
Auf dem Heimweg sah ich, dass die Wiese hinter der riesigen Brombeerhecke, die sich vom Rheinufer nach oben zieht, gemäht worden war. Was die süssen Früchtchen viel besser zugänglich machte für mich 🙂
Also entschied ich mich kurzerhand dafür, dass Dessert vorzuziehen (Mittagessen sollte es später Zuhause geben) und naschte mich von links nach rechts. Mit leicht klebrigen Fingern und verschmiertem Mund (aber immerhin farblich passend zum Kleid) tauchte ich wieder auf der Strasse auf, gerade als meine Nachbarin mit dem Elektrorollstuhl und dem vierbeinigen «Aussenbordmotor» um die Ecke bog.
Bis jetzt haben wir uns zwar immer gegrüsst, wenn sich unsere Wege gekreuzt haben, aber nicht wirklich miteinander gesprochen. Spontan erzählte ich ihr von meinem Brombeerparadies und fragte sie, ob ich ihr ein paar pflücken sollte?
Sie wirkte überrascht und erfreut, musste aber ablehnen – aus gesundheitlichen Gründen darf sie keine Brombeeren essen. Wir plauderten etwas an Ort und Stelle, bis sie merkte, dass wir eigentlich den gleichen Weg haben – sie wohnt einfach etwas weiter weg, am Ende der Salzstrasse, in den Generationenhäusern.
Also setzten wir das Gespräch in Bewegung fort, und ich hoffe sehr, wir begegnen einander noch häufiger. Ich finde Sie sehr sympathisch, und obschon ich sonst ein Feigling bin, was Hunde angeht, finde ich ihre Hündin nicht bedrohlich, dafür ist sie zu gut erzogen.
Fazit dieses Brombeertages:
Süsse Früchte sind oftmals von Dornen umgeben. Wer sich vorsichtig bewegt, wird belohnt. Oder so …


Es ist einfach wichtig, dass man seine Mitmenschen achtet und ihnen behilflich ist in allen Lebenslagen. Gepflegte Verbindungen helfen beidseitig den Lebenskampf zu verstehen.
Daddy