29.6.2025. Kulturerbetag

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Der Kulturerbetag findet jedes Jahr in einer anderen Aargauer Gemeinde statt. Dieses Jahr war Bad Zurzach dran, mit einem breiten Programm und grossem Besucherandrang.

Michael und ich nutzten die Gelegenheit, neue Seiten von Zurzach zu entdecken. Wobei wir zuerst fast scheiterten, weil die von uns bevorzugte Führung bereits ausgebucht war. Erfreulicherweise  haben die Veranstalter schnell geschaltet und bei den beliebtesten Touren Sonderführungen dazwischen geschoben.

So erhielten wir die Gelegenheit, in der Gruft des Verenamünsters, in einem Seitenraum neben dem Verena-Sarkophag, sogenannte Backofengräber zu entdecken. Ein wiederauferstandener Chorherrn, dessen Namen ich mir leider nicht notiert hatte, ärgerte sich über seinen Vorgänger, der ihm nichts als Schulden hinterlassen hatte. Erläuterte, wie die Chorherren ursprünglich direkt unter dem Chor in diese Gräber-“Schubladen” gesteckt wurden, die von aussen wie ein Pizzaofen aussehen. Beschrieb anschaulich, wie die Chorherren während des Gottesdienstes sich über die schlechte Luft ärgerte, die von unten her zum wunderschön geschnitzten Chorgestühl hochstiegen. Und erläuterte die nachfolgende Regelung, die auch ihm zuteil wurde: Er wurde etwas weiter vorne in der Kirche beerdigt und mit Kalk übergossen. Was dazu führte, dass bei späteren Ausgrabungen seine Form wie eine Sändeliform erhalten war, auch wenn von ihm nichts mehr übrig blieb. Diese Form wurde mit Gips ausgegossen und konnte eben heute bei den Backofengräbern besichtigt werden. Stolz wies er auf den Kelch in seinen Händen, verwies darauf, dass man auf seinem Kleid sogar noch das Muster an einigen Stellen sehen könnte. Und hämisch wies er nach rechts, wo ein Gipskopf seines Vorgängers ausgestellt war: «Dä do het’s verbrösmelet!» Herrlich!

Nach einer kleinen Erfrischung und einem Plausch bei den Römern, die schon ordentlich warm hatten, obschon sie ihre Blechrüstung noch gar nicht trugen, und einem Austausch über historische Quittenrezepte (!)  ging es zur zweiten Führung: Tuch und Segen.

Hier erfuhren wir mehr über die Verknüpfung zwischen Wallfahrtsort und Messeort und erhielten die Gelegenheit, 2 Messehäuser näher anzuschauen – eins von aussen, das andere von Innen.

Das zweite war das Haus Zum Greifen, in dem die Fleckenbibliothek ist, deren Räume ich ohnehin sehr liebe. Heute hatten wir aber auch Zugang in ein ehemaliges Prunk-Gästezimmer und zu den Judenkammern im Dachstock. Auch hier mit einem sehr kompetenten Fachmann von der Kantonalen Denkmalpflege, der, wäre es weniger heiss gewesen wäre, wohl noch stundenlang hätte erzählen können.

Auch danach hätte es noch weitere spannende Führungen gegeben, aber mir wurde es zu heiss, und wir zogen uns ins Bad zurück.

Für mich sind solche Veranstaltungen eine wunderbare Gelegenheit, mehr über meine Wahlheimat zu erfahren. Und ich freue mich sehr, dass Michael, für den der Flecken zu einer Art zweite Heimat geworden ist, jeweils begeistert mitmacht.

An dieser Stelle aber auch ein herzliches Dankeschön an alle Aktiven, die trotz grosser Hitze und teilweise hitzköpfigen Reaktionen, wenn gewisse Führungen bereits ausgebucht waren, nicht nur Ruhe bewahrt haben, sondern Lösungen organisierten und einen phänomenalen Job machten!

3 Gedanken zu „29.6.2025. Kulturerbetag“

  1. Kulturerbtag? Der Begriff war mir unbekannt, Ich weiss nur, dass sowohl Gutes und Schönes in unserer Kultur Einzug gehalten hat, aber auch einiges mir Unklares. Gestern war meine “Kultur” trotz Hitzewarnung Bewegung auf dem Weissenstein. Marsch zum hinteren Weissenstein, Trinkhalt und Rückmarsch zur Seilbahn.

    Daddy

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