30.8.2025 Es musiget!

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Im Flecken fand der jährliche Drehorgeltag mit Flohmarkt start – ich habe darüber bereits 2014 geschrieben. Beim 36. Treffen waren gleich viele Musikerinnen und Musiker hier wie sonst – aber das Spielgeländer war wegen der Bauarbeiten an der Schwertgasse massiv kleiner.

Das machte den Spaziergang zum Samstagsmarkt, der natürlich trotzdem auch stattfand, für mich äusserst anstrengend. Ich bin generell empfindlich, wenn ich zu viele Sinneseindrücke aufs Mal aufnehme, und ich schien einen besonders empfindlichen Tag erwischt zu haben. Selbst die Ohrstöpsel, die ich ja immer am Schlüsselbund bei mir trage, halfen da wenig. Fast überall hatte ich mindestens drei verschiedene Melodien auf den Ohren, dazu natürlich auch die Geräusche an den Ständen, die zum Glück für die Anbieter durchaus gut besucht waren.

Ich tätigte meine Einkäufe, wollte eigentlich noch mit Barbara und Johnny Kaffee trinken, brach dann aber ab. Immerhin: Auf dem Rückweg deckte ich mich wie jedes Jahr beim Alphüsli ein – diesmal aber nicht, wie gewohnt, mit dem getrockneten Schweinsfilet, sondern mit Wildfleisch und Reh. Und meinen geliebten Heublumenkäse.

Zuhause werkelte ich etwas im Haushalt und machte dann ein Mittagsschläfchen. Ich hatte in der Nacht zuvor sehr schlecht geschlafen (deswegen vermutlich auch meine erhöhte Reizbarkeit), und ich wollte ja gegen Abend nach Biel fahren, ans Konzert “Rendezvous der Generationen”. Manuel, mein Fast-Patenkind, der natürlich schon längst kein Kind mehr ist, spielt beim JSOB Bratsche und engagiert sich auch in der Admin des Orchesters.

Bei der Anreise war ich leicht skeptisch: Da hingen verdächtig schwarze Wolken, und kurz vor Solothurn waren Strassen und Wiesen nass. Aber danach hellte es auf, und es blieb tatsächlich trocken!

Meine gereizten Sinne kamen allerdings auch da unter Attacke: Ab Turgi setzten sich zwei Testosteron-Helden in mein Abteil, die offenbar in Axel gebadet hatten. Selbst die Höchststufe meines Filters vermochte mich nicht zu retten. Was hätte ich um Nasenstöpsel gegeben … War ich froh, dass ich in Olten umsteigen durfte!

Bei Kaffee und Maisbrötchen mit Käse verlief die weitere Anreise problemlos, und auch den Stadtpark fand ich auf Anhieb.

Mein erstes Ziel hat einen Namen, der bielerischer nicht sein könnte: Le p’tit Schluck. Die kürzlich eröffnete Buvette im ehemaligen Haus des Friedhofsgärtners ist ein Schmuckstück. Und als ich aufs WC musste, erhielt ich einen Schlüssel, der aussah, als ob man mir die Stadt anvertrauen würde 🙂

Manuel traf ich nach dem Einspielen, und wir hatten etwas Zeit zum Plaudern. Den Rest der Familie entdeckte ich erst kurz vor dem Konzert, so dass wir getrennt sassen.

Das Konzert begann klassisch mit Beethoven, aber ab da waren alle Namen ausser Berlioz fremd für mich – und den Berlioz liessen sie dann weg, weil es doch recht kühl wurde. Die Tänze aus Galanta  haben mir sehr gut gefallen, und auch das Allegro de Concerto für Violine und Orchester von Paderewski wurde mitreissend gespielt.

Im dritten Teil wurde es dann temperamentvoll, mit einem Howard-Shore-Arrangement aus Lord of the Rings; einem “Luftschloss” von Joe Hisaishi und zum Schluss mit einem feurigen Stück von Arturo Marquez : Congo del Fuego Nuevo. Auch hier sagte mir der Name gar nichts, aber die Melodie hatte ich schon gehört.

Ich fand es beeindruckend, wie das Sinfonieorchester Biel Solothurn hier jungen Musikantinnen und Musikanten die Chance gibt, einerseits in ihrem gewohnten Rahmen, als Jugendorchester, zu spielen – aber dann eben auch integriert ins grosse Orchester. Beste Art der Nachwuchsförderung!

Ich fand es herrlich, so viele engagierte Jugendliche sehen und hören zu dürfen.

Auf der Rückreise hatten wir dann auch bis Solothurn Zeit, um mit dem Rest der Familie zu plaudern. Manuel und ich trennten uns erst in Baden, und kurz nach meiner Ankunft in Bad Zurzach lernte ich etwas, was ich bei meinem seriösen Lebenswandel noch gar nicht gemerkt hatte:

Um halb eins wird bei uns das Licht abgedreht! Tja nu …  Dann halt gute Nacht!