Am Morgen genoss ich mein Frühstück im Hotel – diesmal sogar mit Rührei. Weil ich noch etwas Zeit hatte, bevor meine S-Bahn nach Marxzell fuhr, spazierte ich noch zum Rosengarten beim Schloss. Da war ich mit Kerstin durchspaziert, aber ich wollte noch ein paar Rosen knipsen.
Und der Abstecher hat sich definitiv gelohnt: Nicht nur sah ich Rosen in Farben, die ich noch gar nicht kannte und die wunderbar dufteten – insbesondere die Dunklvioletten hatten es mir angetan. Zudem entdeckte ich dahinter ein eher verstecktes Gartentor, das den Zugang zu einem grossen Apotheker-Garten bot. Die perfekte Einführung zur Kräuterwanderung vom Nachmittag. Und das beste: Selbst Corinna, meine Kräuterhexe vor Ort, kannte den gar nicht 🙂
Die App, die ich extra heruntergeladen hatte, damit ich meine Fahrkarte kaufen konnte, zickte.” Lovey, Sie müssen sich anmelden, bevor Sie Käufe tätigen können.” Dass sie mich mit Namen ansprach, hätte ihr eigentlich zeigen müssen, dass ich bereits angemeldet war, aber durch so Kleinigkeiten lässt sich eine App nicht beirren. Stur behauptete sie immer das Gleiche. Zum Glück entdeckte ich auf der anderen Gleisseite einen Automaten, so musste ich nicht schwarz fahren.
Meine Fahrt führte an eindrücklichen Backsteinbauten vorbei (da war ich zu spät zum Fotografieren) und an der alten Spinnerei – früher ein wichtiger Industriezweig hier, heute ein offenbar beliebtes Eventlokal. Und die Landschaft wurde immer ländlicher, bis ich in Marxzell ankam, der südlichsten Gemeinde im Landkreis Karlsruhe, im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.
Corinna und Ralph wohnen etwas ausserhalb, leicht erhöht, mitten im Grünen. Wunderschön! Kringel, die majestätische und leicht zickige Hauskatze, stellte zuerst sicher, dass möglichst viel Raum zwischen uns beiden lag, traute sich dann aber doch überraschend an. Fühlte mich geehrt … Allerdings sagte sie mir heute Nacht im Traum, ich solle mir darauf bloss nichts einbilden!
Nach einem Kaffee und einem Sonnebad auf der Terrasse fuhren wir nach Pfaffenrot, zum Ausgangspunkt der Kräuterwanderung. Corinna, die ich ja bei Unic kennengelernt hatte, fährt nämlich wie ich zweigleisig und hat als Nebenprojekt die Website “Es gibt kein Unkraut”. Sie hat Ausbildungen im Bereich Küchenkräuter und Heilkräuter und, wovon ich mich heute selber überzeugen kann, ein Adlerauge im Wald. Nach der Erfahrung mit ihr werde ich wohl ab heute anders durch die Gegend latschen. Und eventuell meine Standardausrüstung überdenken: Eine Schere, ein Teesieb und kleine Behälter oder Papiertüten machen sich auf Spaziergängen ganz nützlich!
Ideal für jemanden wie mich, mit Mond im genussreichen Stier (astrologisch) oder einen Hang zum Knabbern und Naschen (beobachtbare Erfahrungswerte): Da gibt es noch viel mehr zu geniessen, als nur Beeren!
Als Teilnehmerin einer Kräuterwanderung habe ich nun auch Zugang zu einem geschlossenen Bereich auf Corinnas Website, wo alle auf der Wanderung präsentierten und genossenen Pflanzen im Detail beschrieben werden: Woran man sie erkennt, was am besten wann wie geerntet wird, wie man die Pflanzen in der Küche nutzen kann – frisch, getrocknet, als Nasssalz und mehr – und wie man seine eigenen Kaltauszüge, Tinkturen, Salben etc. herstellt und anwendet.
Den Link teile ich hier natürlich nicht – Corinna bietet die gleiche Tour auch nächste Woche noch an, ich will ihr nicht das Geschäft vermasseln. Aber hier die Liste der Pflanzen, die ich gestern kennengelernt oder neu zu sehen gelernt habe:
Spitzwegerich und Breitwegerich, Brennnessel (Hint: Samen sammeln!), Gänsefingerkraut, Giersch (muss in mein Balkonkistli!), Kanadische und einheimische Goldrute, Kunigunde (Wasserdorst), Nelkenwurz und Wilde Möhre.
Für mich spannend, Corinna in diesem anderen Umfeld zu erleben. Sie hat ein enormes Wissen, aber sie doziert nicht – sie lebt es. In ihren Erklärungen fliessen eigene Erfahrungen, Anliegen, Beobachtetes und Tipps ineinander, gewürzt. mit einer Prise Humor. Und dazwischen gibt es immer wieder was zum Probieren – entweder vom Wegesrand oder aus Ralphs schier unerschöpflichem Rucksack. Hat mir sehr gut gefallen, und wir hätten auch keinen schöneren Frühherbsttag erwischen können.
Mein zusätzliches Highlight:
Obschon wir immer wieder längere Zeit stehen blieben, was früher für mich sehr schmerzhaft war, machte mein Knie problemlos mit!
Nach der Wanderung gönnten wir uns eine Pause auf der schönen Terrasse, bevor es abends zum Lieblingsitaliener der beiden ging. Ich genoss einen feinen Salat, danach grillierte Calamari und Gemüse. Wunderbar knackig und fein gewürzt. Und auch die Pizzen der beiden anderen sahen sehr fein aus. Dank dem italienisch sprechenden Personal, eventuell auch unterstützt vom Glas Rose, herrschte hier eine mediterrane Ferienstimmung, die mir sehr gefiel.
Die Pläne für den restlichen Abend warfen wir anschliessend etwas über den Haufen. Ich konnte ja den ganzen Tag über geniessen, die beiden anderen hatten gearbeitet und waren doch müder als ich. Also trennten wir uns an der Alb, dem Fluss in Ettlingen. Ich wollte versuchen, noch die Mondfinsternis zu fotografieren und etwas zu meditieren.
Der abendliche Spaziergang tat gut und war auch schön, aber das mit dem Mond klappte erst viel später, als der Schatten sich bereits wieder weg bewegte. Der erste Teil blieb hinter den Häusern verborgen, weil der Horizont verbaut war. Blutrot sah ich den Mond also nicht. Spürbar war die spezielle Stimmung für mich aber schon.
Mit einem Kännchen Tee zog ich mich aufs Zimmer zurück, zufrieden und entspannt, als ob ich viel länger als die paar Tage Ferien gemacht hätte.
Danke, ihr beiden – und auch an Kerstin:
War schön hier. Ich komme wieder!


