Adare – Bunratty Castle – Ennis – Galway: Irland 2012

Gestern Abend haben wir beim gemütlichen Teetrinken im B&B ein Paar aus Rüschlikon (!) und eine junge Frau aus Kerry getroffen. Zum Frühstück sind wir alle wieder zusammengekommen und haben meinen Un-Birthday gefeiert. Die Anspielung auf Alice im Wunderland hat sich in Anbetracht des Services einfach aufgedrängt … Im Nu waren wir in eine heftige Diskussion verwickelt –über Unterschiede des Schweizerischen, Amerikanischen und Irischen Schulsystems. Dale ist gebürtige Amerikanerin, aber durch Heirat Schweizerin geworden. Sie arbeitet bei der International School of Zurich und ist oder war in der Schulpflege. Das Frühstücken haben wir aber auch nicht vergessen: Wir wurden reichlich bedacht!

Nach einer herzlichen Verabschiedung fuhren wir Richtung Ennis, wo eine reizvolle Altstadt auf uns warten sollte – behauptetet jedenfalls unser Reiseprogramm. Aber schon nach einer knappen halben Stunde sahen wir eine trutzige Burg, die man besichtigen konnte. Und darum war eine Art Ballendorf gebaut – mit einer kleinen Schule, diversen Läden und Handwerksateliers, mehreren Farmen, einem Landwirtschaftsmuseum, je einer Horizontal. und Vertikalmühle und wunderbar gepflegten Gärten, durchzogen von Tiergehegen.

Ganz reizend war die ältere Dame, die uns viel über die Schule und das Leben in ihrer Jugend erzählte – heute ist sie 77. Sie ist offenbar in den letzten Jahren viel gereist, bevorzugt aber IHR Irland über alles. Während ihrer lebhaften Erzählungen äusserte sie den bemerkenswerten Satz. I even was in Hollywood – but you know what? I’ve met no one better than me there! Eine andere Dame weihte uns in das Geheimnis des Backens im Topf ein – ihr Brot schmeckte sehr lecker. Die Mieter der einfachen Katen wechselten so häufig die Unterkunft, dass sie selten einen Herd einbauten, sondern alles in Töpfen oder Kannen kochten und buken – diese konnten sie bei Bedarf (oder wenn sie, wegen unbezahlter Miete rausgeworfen wurden) einfach mitnehmen und  anderswo neu anfangen … Mehr zu Schloss und Park hier: Bunratty Schloss und Park 

Il cielo d’irlandia war zwar sehr grau, aber während der ganzen Besichtigung sehr brav und hat uns nicht verregnet.  Sogar den Morning Tea samt Scones konnten wir draussen geniessen. Nur die vielen Bustouristen, die alle gleichzeitig in die Burg wollten, haben uns den letzten Teil der Besichtigung vergällt … Wir sind geflüchtet, aber nicht ohne ein paar nette Souvenirs gekauft zu haben! Die Fahrt nach Ennis führte durch weite, hügelige Flächen. Überall am Strassenrand entdeckten wir gepflegte Gärten oder witzige Skulpturen. Davon gibt’s allerdings keine Fotos – ich war ja am Steuer! Fahren ging da sehr gut … Unsere Rumpelkiste war ganz manierlich.

In Ennis fand dieser Tage das Sommerfestival statt. Wir kamen gerade rechtzeitig zu einem der Höhepunkte: dem jährlichen Entenrennen! Die Ladenbesitzer dekorieren je eine kleine Plastikente, 400  waren heute im Rennen. Wir feuerte 271 an, weil ein netter junger Gentleman (ca. 11. Jahre alt) uns das Ganze Prozedere erklärte – und er durfte für die Freundin seiner Mutter, eine Änderungsschneiderin, die Ente gestalten. Wohl überlegt hat er sie nur bemalt, denn sonst wäre sie ja schwerer geworden, und schwerer heisst langsamer  … Und das kleine Loch unten im Bauch der Ente hat er zusammen geschweisst, damit kein Wasser eindringen konnte. Trotzdem hat es diesmal leider nicht geklappt – in den letzten 4 Jahren hat er 2 Preise gewonnen …

Anschliessend spazierten wir etwas durch die tatsächlich sehr schöne Altstadt und landeten schliesslich in einem sehr ursprünglichen Pub. Erst wollten wir nur etwas trinken, aber als wir dann sahen, welch leckere Sachen die anderen Gäste serviert erhielten, kriegten wir auch Appetit. So mutig Franziska bei den Scones mitgemachte hatte – bei den frittierten Blutwurstkugeln hat sie gestreikt und stattdessen ein Sandwich bestellt. Mein Guinnes hat sie probiert, die wirklich leckeren Black Pudding Fritters nicht … Der Spaziergang zurück durchs Festivalgelände war witzig: geschminkte Kinder, Frauen mit schrägen Hüten, ein Stelzenmann und ein paar bunte „Jeremys“ kreuzten unseren Weg (Jeremys nannte ich die farbigen Gestalten im Ganzkörperanzug, weil ich so was bei Jeremy vom Reisewerk zum ersten Mal gesehen habe).

Vor lauter Schauen und Wundern verloren wir die Orientierung und mussten dann unseren Parkplatz eine Weile suchen … Aber schliesslich hatten wir unsere Rumpelkiste wieder und konnten Richtung Galway weiterfahren. Nun regnete es auch zwischendurch immer mal wieder – am schlimmsten, gerade als wir in die Stadt reinfuhren. Und wie es der Teufel will, fand da heute die grosse Volvo Regatte statt – und war gerade zu Ende, als wir einfuhren. Der Verkehr war eine einzige Katastrophe, die Leute latschten von allen Seiten über die Strasse, und weil es immer wieder rauf und runter ging, war ich mit Schalten, Kuppeln, Handbremse lösen, Scheibenwischer bedienen, B&B-Schilder lesen und fluchen ziemlich gefordert. Das mit den B&Bs ist nämlich so eine Sache: auf den Gutscheinen steht nur der Name und der Ort – keine Adresse, keine Telefonnummer, nada. Im B&B-Büchlein, das wir dazu erhalten haben, stehen keine Häusernamen, sondern die Namen der Besitzer … also haben wir keine Chance, die Dinger zu zuordnen. Irgendwann parke ich die Rumpelkiste entnervt, wir gehen in ein Hotel, um zu fragen – und die nette Dame googlet uns die Adresse und druckt uns eine Karte aus. Woraus wir sehen, dass wir daran vorbei gefahren sind, BEVOR wir in den ganzen Schlamassel reingefahren sind … Immerhin finden wir das ruhig gelegene Häuschen jetzt schnell, und die Tochter des Besitzers hat so Mitleid mit uns, dass sie uns zum Tee je ein KitKat servier: You really had a hard day! Wir hätten sie umarmen können! Das Zimmer ist gemütlich, wir sind frisch geduscht und chillen. Aber raus gehen wir heute wohl nicht mehr …

Fotogalerie Bunratty Castle & Ennis

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