AidaVita 2019 – Tag 2

Habe wunderbar geschlafen! Meine Kabine liegt fast am Ende des Ganges, vorne im Schiff, auf einem reinen Schlafdeck – also entsprechend ruhig. Dieses Mal habe ich mich für eine Innenkabine entschieden, denn durch das Bullauge unter dem Rettungsboot hatte ich das letzte Mal zwar kaum etwas gesehen, wurde aber beim Anlegen jeweils von Lärm und Scheinwerfern gestört.  Da ich aber eher selten auf der Kabine bin, stört mich die fehlende Aussicht nicht. Gibt genügend schöne Plätze an Bord.

Show gestern Abend habe ich wieder ausgelassen (davon werdet ihr hier nicht viel lesen und auch kaum Fotos kriegen, ist nicht so mein Ding). Dafür war ich heute morgen wieder sehr früh wach und an Deck. Für Sonnenaufgang reichte es allerdings nicht, der ist aktuell irgendwann kurz vor fünf. Trotzdem genoss ich die Lichtstimmung und das überraschend schöne Wetter. Offenbar wurde die Wetterprognose zu meinem Gunsten modifiziert, es ist zwar etwas bewölkt, aber überraschend warm, trotz Fahrtwind. Die See ist sehr ruhig, die AidaVita schaukelt kaum, so dass ich meine 10 Joggingrunde (natürlich walkend) auf recht sicheren Beinen zurücklegen konnte.  Vorher besuchte ich allerdings meine schweigsame Freundin vor der Hemingway Bar, für meinen zweiten Kaffee (den ersten gab’s auf der Kabine, deswegen habe ich ja meine Kaffeemaschine).  Viele Menschen waren da noch nicht unterwegs. Heute ist ja Seetag, man kann es also ruhig angehen lassen.

Tag auf See

Die Gesamtdistanz von Hamburg nach Dover beträgt etwas über 700 km, bei einer Geschwindigkeit von rund 23 km haben wir also mehr als genügend Zeit, um Morgen in Dover anzukommen. Wassertiefe um 10 Uhr etwa 25 km. Wettervorhersage für morgen: Leichter Regen bis ca. 8 Uhr, danach sollte es trocken sein. Dürfte für den Ausflug perfekt sein.

Zur Einführung besuche ich den Vortrag der Premium Lektorin, die sehr pointiert nichts sagt zur aktuellen politischen Situation, sondern über die Grafschaft Dover informiert, eine von 39 Grafschaften. Ingrid Hafeneder ist gebürtige Österreicherin und erzählt packend und mit charmantem Akzent.

https://www.linkedin.com/in/ingrid-hafeneder-08809391/?originalSubdomain=at

Dover ist neben Athen der grösste Passagierhafen Europas, mit regem Fährbetrieb und riesigem Warenumschlag. Der Ort selber ist eher überschaubar, hat aber einen langen Strand, der im Sommer rege genutzt wird.

Sehenswert: Rathaus, Kirchen, Museum mit einem Schiff aus der Bronzezeit – und natürlich das Castle, mehrheitlich von 1188, einige Bauteile, wie der Leuchtturm aus römischer Zeit.  Auch interessant: Tunnel aus der Zeit der napoleonischen Kriege, die im Zweiten Weltkrieg wieder genutzt worden waren. Alles unter dem Schutz von English Heritage, einer privaten Wohltätigkeitsorganisation. Die zweite grosse Organisation, die sich um Sehenswürdigkeiten kümmert, ist der National Trust, unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles.

https://www.whitecliffscountry.org.uk/Explore/Dover/Dover.aspx

Etwas ausserhalb: Walmer Castle mit herrlichem Garten und Park. https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/walmer-castle-and-gardens/

Oder der Küstenpark von Folkstone.

https://www.visitkent.co.uk/attractions/lower-leas-coastal-park-2249

Etwas weiter: Canterbury mit der ältesten durchgehend genutzten Kirche aus dem 6. Jhd. – und natürlich der riesigen Kathedrale. https://www.canterbury.co.uk/

Sissinghurst Castle: Gebäude aus dem 15. Jhd., ab 1938 spektakulär renoviert, heute unter der Führung des National Trust, das Wohnrecht ist aber nach wie vor bei der Familie. Wunderbare Gärten, neu dürfen aber pro Jahr „nur“ noch 160000 BesucherInnen rein.

https://www.nationaltrust.org.uk/sissinghurst-castle-garden

Tja, wer die Wahl hat … Ich habe meinen Ausflug bereits Zuhause gebucht. Aber was ich anpacke bzw. wohin die Reise geht, erfahrt ihr erst morgen.

Hier und jetzt geht’s zum Mittagessen. CU later!

Lazy Afternoon

Beim Mittagessen stiess Regine zu mir, die Kölnerin, mit dem ich gestern den Transfer geteilt hatte. Später stiessen noch zwei Ehepaare dazu, und es wurde sehr vergnüglich – mit Geschichten über frühere Reisen, Fragen zu Schottland und einer Aberkennung meiner Schweizer Identität. Erst als ich meinte: I cha auso scho ou uf Bärndüscht parliere, so isch es nid! attestierte man mir, dass ich offenbar da lebe oder gelebt habe. Dass ich da geboren sei, wird nach wie vor bezweifelt. Hoffentlich hören die mich in Schottland nie Englisch reden 🙂

Nach dreierlei Fisch mit Gemüse gönnte ich mir einen kurzen Spaziergang und ein Mittagsschläfchen, bevor es zur Signierstunde für mein Logbuch ging. Nicht, dass ich wirklich ein Papierbuch bräuchte, dafür habe ich ja den Blog, aber das ganze Drum und Dran versprach schöne Fotos zu geben. Unterhaltend war’s dann auch: Da haben sich einige fast gekloppt, weil nicht alle kapiert hatten, dass die Schlange, des Andrangs wegen, in einer Schlaufe geführt wurde. Also standen die Leute von zwei Seiten her an und schlossen sich vor der Buchausgabe im Reissverschluss, was ganz gut funktionierte. Bis eine der Damen in der „korrekten“ Schlange auszuticken begann. Erst keifte sie von hinten, dann ging sie nach vorn, um denen beim Reissverschluss zu verbieten, jene von links reinzulassen, was diese ignorierten. Dann ging sie zum Kapitän an den Tisch (der von alldem nichts mitbekommen hatte), um sich zu beschweren, worauf dieser lächelnd, aber bestimmt sagte: „Da müssen Sie schon anstehen! Müssen alle anderen auch!“ Und ja, rot kann man steigern!

Hübsche Fotos sollte es auch noch geben. Eines der Aida-Maskottchen war da, zusammen mit einer Fotografin. Nächster Programmpunkt wäre der Treff für Alleinreisende – weiss aber noch nicht, ob ich da hingehe.

Alleinreisenden-Treffen

Wenn nicht Stefan das Treffen geleitet hätte (der Besitzer von Mr. Tomm), wäre ich garantiert nicht hingegangen. Und es wäre vermutlich auch schlauer gewesen, denn die Leute sind mir zum grossen Teil auf den Keks gegangen. Wir waren 17 Leute, vorwiegend Frauen, mit Ausnahme von einem Studenten von Mathe (19), einem jovialen Bayern und einem Mann, der sich mit den Worten vorstellte: Ich heisse (anonymisiert), bin ungebunden, nicht vorbestraft und schuldenfrei. Vermute mal, der wird ungebunden bleiben … Nach dem Sektempfang und der Vorstellungsrunde ging’s zum gemeinsamen Essen im Calypso, aber das Tischgespräch fand ich nicht so prickelnd, auch wenn Stefan sich redlich Mühe gab.ht Immerhin weiss ich jetzt, dass eine der Frauen Phoenix viel besser findet als die AidaVita, aber trotzdem schon das zweite Mal mitfährt; dass Mutter und Tochter leidenschaftlich gerne Bingo spielen und auch schon einiges gewonnen haben, dass eine der Frauen lactoseintolarant ist, das auch gemeldet hat, aber trotzdem kaum was isst, weil sie den Schildern nicht traut: Wenn da lactosefrei steht, bin ich nicht sicher, ob das auch stimmt. Stefan versichert ihr, dass die Küchenchefs das im Griff haben, ich rate ihr zu einer Küchenführung, damit sie sich selber ein Bild machen kann, weiss aber nicht, ob sie das wirklich geniessen kann. immerhin freut sie sich auf den Ausflug morgen, hat aber Bedenken wegen des Geldwechsels. Weil: Geldautomaten benutzt sie grundsätzlich nicht, denen kann man nicht trauen. Onlinebanking ist auch des Teufels, und ich vermute mal, die hat ihre Kreuzfahrt im Reisebüro gebucht und bar bezahlt. Habe mich relativ früh davongeschlichen. Zum Glück, den so konnte ich den bezaubernden Sonnenuntergang geniessen.

Auf die Übertragung des Hafengeburtstags werde ich verzichten. Die beginnt erst nach einer Routenlaserschow (was immer das ist) und dem Kapitäns-Boulevard. Letzteres könnte lustig sein, weil die Leute manchmal schräge Fragen stellen, aber auch wenn ich den Tag heute wunderbar entspannend fand, bin ich zu überreizt, um so viele Menschen um mich zu ertragen. Ich gehe lieber früh schlafen … Gute Nacht allerseits!

2 Gedanken zu „AidaVita 2019 – Tag 2

  1. Du hast ja gezögert, zum Alleinreisendentreff zu gehen. Gut bist du gegangen, wirklich zum Allerallerletzten Mal! Haha, so erfrischend zum Lesen! Wir starten heute mit den Velos an der Neckarquelle, bei unerwartetem Sonnenschein!

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