Ausflug nach Waldshut

Mit Sirup und Monika im Rucksack

Als ich wusste, dass ich nach Bad Zurzach zog, war Monikas erste Reaktion: «Dann fahren wir aber dann mal nach Waldshut!» Offenbar war sie mit meinem Götti jeweils da am Weihnachtsmarkt und hätte das gerne wieder einmal gemacht, aber auch ein Besuch im Sommer hätte ihr gefallen, das sei bestimmt schön, wenn man von der Altstadt runter an den Rhein spaziere.

Zu dem Ausflug ist es leider nie gekommen:
Erst passten die Daten nicht (und ich merkte viel zu spät, dass das Ausreden waren, dass Monika sich schlicht das Bahnbillett nicht leisten konnte, aber zu stolz war, mir das zu sagen). Dann kamen die Depressionen (die vielleicht auch schon Vorboten der Krankheit waren, das wissen wir nicht so genau), so dass sie keine Energie hatte, vor Weihnachten kamen die Kopfschmerzen – und an Neujahr die Diagnose Hirntumore.

Die Anspielungen auf den Ausflug hat Monika aber bis fast zum Schluss beibehalten:
Schliesslich hatte sie ja endlich einen Rollstuhl mit Fussstützen erhalten, und die Züge zwischen Bad Zurzach und Waldshut sind ja rollstuhlgängig …  Ob sie wirklich noch daran geglaubt hat, ist schwer zu sagen, sie hat den Tod bis zum Schluss negiert – aber wie’s in ihr drin aussah, werde ich nie wissen. Zu schwierig war die Kommunikation in den letzten Wochen, zu lang die Zeiten, in denen sie alleine in ihrem Bett lag, mit ihren Gedanken …

Entsprechend wehmütig machte ich mich heute auf den Weg:
Ich wollte etwas durchs Städtchen flanieren, Fotos machen, eine Grosspackung Vitamine kaufen – alles andere würde sich ergeben. Der Zug war voller Pensionierte, die offenbar regelmässig in Waldshut einkaufen gehen und sich rege austauschten über Aktionen, von denen sie gelesen hatten. So konnte ich auch einfach den Leuten nach latschen und landete ohne Umwege in der Kaiserstrasse. Die hätte Monika bestimmt gefallen! Wunderschöne Häuser mit alten Beschriftungen oder Schildern und herrlichen Unterdachmalereien, gemütliche Strassencafés und skurrile Brunnenfiguren, gepflegte Marktstände mit gluschtigen Sachen. Bei der heutigen Hitze fiel es mir allerdings schwer, mir das Ganze weihnachtlich geschmückt auszumalen … trotz dem Verpflegungsstand am Eingangstor, der auf zwei Tafeln seinen Glühwein anpries!

Wie erwartet waren meine Vitamine hier massiv billiger – ich kriegte 180 Stück (also den Bedarf für 6 Monate) zum Preis, den ich in der Schweiz für ca. 100 Stück bezahle. So gerne ich ansonsten das lokale Gewerbe unterstütze: Bei den Pharmariesen mache ich echt eine Ausnahme, das ist Abzocke! Die nächste Dosis werde ich mir dann im Dezember holen, dann klappt’s auch mit dem Weihnachtsmarkt …

Obschon es relativ heiss war, hatte ich Lust, ein Stück dem Rhein entlang zu spazieren.
Erst wollte ich ja nur bis Koblenz, aber dann dachte ich mir: Der Bahnhof von Koblenz Dorf ist wohl näher an der Brücke. Doch als ich da war, war der Zug gerade davon gefahren, also dachte ich mir, spazierst du halt noch bis Rietheim, dann kannst du in der Krone Zvieri essen, bevor du auf den Zug gehst. Nur: Die Krone hatte Betriebsferien, und ich sah zwar das Halteschild des Bahnhofs, aber keinen Zugang dazu, nur einen Wegweiser, der in die Richtung zeigte, aus der ich gerade gekommen war, was mir überhaupt nicht passte. Also spazierte ich halt weiter, bis nach Bad Zurzach. Nicht schnell (Fitbit motzte entsprechend, ich hätte, trotz über 22’000 Schritten erst 28 sehr aktive Minuten), denn langsam machte mir die Kombination aus Hitze, zu hohen Ozonwerten und Knieschmerzen zu schaffen). Unterwegs schnabulierte ich Brombeeren, die es in Hülle und Fülle gab, und trank meinen Sirup. Trotzdem war ich recht hungrig, als ich in Bad Zurzach eintraf, und gönnte mir einen Flammkuchen im Höfli. Nicht ohne vorher noch eine fröhliche Runde fotografiert zu haben: Bei der Wohngruppe in der Nähe des Denner sassen die Bewohnerinnen beim Zvieri, rund um ein Planschbecken, in dem sie alle die Füsse kühlten. DAS hätte Monika definitiv gefallen!

Alles in allem:
Ein schöner, wenn auch etwas anstrengender Ausflug, den ich – trotz aller Wehmut – geniessen konnte.

Hier die Diashow dazu:
Waldshut

Musik:
Oh Sweet Lorraine (feat. Jacob Colgan & Fred Stobaugh)