Kanaren-Azoren: Anreise

18.12.2017

Tagwacht war heute eher so Nachtwacht: Um 2 Uhr 45 stand ich auf, trank einen Kaffee und schlich, so leise das mit Koffer und Rucksack ging, die Treppe runter. Das reservierte Taxi wartete bereits, und von der angekündigten Eisglätte war um Glück nichts zu spüren, so dass wir sogar etwas zu früh am Flughafen waren – Check-in begann erst um 4 Uhr 15. Dennoch waren da schon etliche Menschen, und es zeigte sich, dass der Flug, trotz der unchristlichen Abflugzeit, völlig ausgebucht war. Die meisten Reisenden wollten allerdings offenbar nach Brasilien – und hatten, wie ich das von Francesca kenne, extrem viel Gepäck dabei. Da wurde beim Einchecken umverpackt, verhandelt, geflucht – und wenn es nicht anders ging, auch bezahlt.

Nach dem Einchecken öffnete dann zum Glück auch die Byebye-Bar, so dass ich noch zu einem Kaffee samt Gipfeli kam, bevor ich ans Gate musste. Der Flug hatte dann leicht Verspätung, weil wir noch durch die Enteisung mussten, aber das stresste mich nicht: Ich wusste, dass wir in Lissabon genügend Zeit zum Umsteigen hatten. Was mich allerdings stresste, waren die quengelten Kinder – wobei die Knöpfe ja noch am wenigsten dafür konnten, dass man sie zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett gerissen hatte und sie dann zwang, still zu sitzen. Was zumindest den Zwillingen hinter mir überhaupt nicht gelang: Ständig traten sie mir in den Rückren, und die sichtlich überforderte Mutter trug mit ihren Schimpftiraden nicht wirklich zur Entspannung bei.  Immerhin hatte ich meine Ohrstöpsel griffbereit und konnte so wenigstens etwas gegen den Lärm tun.

Frühstück bestand aus einem Sandwich und einem Actimel, mit braunem Wasser. Beim Umsteigen in Lissabon schnappte ich mir dann einen richtigen Kaffee, und eines der feinen Weihnachtsküchlein, die typisch sind für Portugal, ähnlich wie unsere Nidelküchlein. Hier hatte ich dann auch eine wunderbare Begegnung:

Eine junge Frau mit blauen Haarsträhnen kam strahlend auf mich zu und meinte: Oh, if only my Mother could see you! Offenbar war ihre Mutter der Meinung, bunte Haare wären nur etwas für junge Frauen – above 40, you really should stop fooling around, Sie fand, ich sähe fabelhaft aus – und ich sei sicher über 40. Als ich ihr sagte, ich sei 56, stieg ihre Begeisterung ins Unermessliche: I need to tell my mother! Die Farbe sei genial – und sie hätte mich viel jünger geschätzt. Freudenstrahlend ging sie davon, in. Eine Zukunft, die nun doch bunter werden durfte, als Mama Dear sich das vorstellte …

Auch der Flieger nach Las Palmas – naturgemäss kleiner – war ausgebucht, aber hier waren kaum Kinder, so dass es etwas gesitteter zu und her ging. Der Wind war relativ stark, was sich in einer eher ruppigen Landung äusserte, aber ansonsten war der Flug unspektakulär.

Bis das Gepäck eintrudelte, dauerte es allerdings eine ziemliche Weile, und als wir endlich zum Transferbus kamen, war dieser bereits recht gut gefüllt. Allerdings nicht nur mit Menschen: Viele hatten neben sich Handgepäck auf den Sitzen und wollten das auch nicht hergeben, obschon die Reiseleitung mehrmals dazu aufforderte, weil noch weitere Gäste einsteigen sollten. Einige von ihnen wurden richtig grantig: Offenbar hatten sie schon seit gut einer halben Stunde im Bus gewartet, weil sie mit einem früheren Flug aus Berlin gekommen waren. Und sie waren der festen Meinung, dass es ihr Recht sei, zu dritt sechs Plätze zu belegen: Die Gepäckstücke wären zu schwer, um sie auf den Knien zu halten, zu wertvoll, um sie ins Gepäckfach zu geben, und offenbar auch zu delikat, als dass man wenigstens alle drei auf einem Sitz hätte stapeln können. Obschon sie durch ihr Verhalten die Verspätung nur noch vergrösserten, waren sie absolut uneinsichtig. „Bei uns zu Hause würde es so eine Schlamperei nicht geben“, schimpfte die Frau, und ich pendelte zwischen Empörung über deren Rücksichtslosigkeit und Belustigung: Die Gute klang, als ob sie direkt aus „Man spricht Deutsch“ entsprungen war!

Ich entschied mich, mir die Ferienlaune nicht verderben zu lassen: Hier war es warm, weitgehend sonnig, die Fahrt zum Hafen sollte nur eine halbe Stunde dauern, dann würde ich den Stänkerern schon zu entkommen wissen 🙂

Das Check-in verlief recht speditiv, meine Kabine war bereits bereit, so dass ich mich kurz umziehen konnte (ich hatte was Leichteres im Handgepäck) und einen Kaffee trinken konnte – ich hatte mir, als Weihnachtsgeschenk, eine Kaffeemaschine auf die Kabine bestellt. Danach machte ich mich auf, das Schiff zu erkunden – und ein Bild des Nachbarschiffs zu schiessen: Neben uns ankert nämlich die Queen Elizabeth! 

AidaVita ist ein Schwesterschiff der AidaBlu, mit der ich die norwegischen Fjorde und Petersburg bereist hatte. Nicht zu riesig (635 Kabinen) – aber sicher gross genug, dass ich die ersten paar Tage ein paar Umwege einlegen werde, bei meinem Orientierungssinn … Ich bin mir nicht sicher, ob wir voll gebucht sind: Noch ist es sehr ruhig auf dem Schiff, aber Abfahrt ist auch erst um 22 Uhr. 

Sicherheitsübung überlebt, Ausfahrt des Schiffes auch – auch wenn ich auf die harte Tour gelernt habe, wieso mein wunderbar einsamer Platz so menschenleer war: Ich wäre  fast über Bord gesprungen, als direkt über mir das Schiffshorn loslegte …

Drinks am Pool war ein Fall für Lemminge … und der erste, der seinen Alkoholkonsum nicht im Griff hatte, hat kurz vor dem feierlichen Sektempfang auf den roten Teppich gekotzt.

 

 

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3 Gedanken zu „Kanaren-Azoren: Anreise

  1. Hallo Schnüff,

    Wow! Geniesse Deine Ferien und lass Dich durch „blöde“ Mitreisende nicht aus dem Konzept bringen.
    Grüsse

    Daddy

  2. Viel Spass auf der Kreuzfahrt. Wir waren heuer auch schon 2x auf dem Schiff (einmal Dubai, Abu Dabi, Muscat und so weiter und einmal westliches Mittelmeer ) Gehen nächstes Jahr wieder im Juni auf Mittelmeerkreuzfahrt mit dem neusten Schiff der MSC (Seaview). Ich mach mir wegen der ganzen Esserei schon Gedanken da spätestens im März die OP sein wird. LG Jean-Pierre

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