Der See zum Glück

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Nach dem Frühstück wollten wir noch einmal zur Gemmi hochfahren. Wegen Bauarbeiten fuhr der Ringjet nicht, also spazierten wir gemütlich zur Talstation und fuhren zusammen mit einer grossen Lieferung Tomaten, Salat, Kartoffeln und mehr hoch – die müssen ja alles irgendwie ins Restaurant und Hotel auf dem Berg kriegen. Statt aussenrum zu gehen, nutzten wir die Direktverbindung von der Bergstation zum Hotel und freuten uns über die schönen Tierzeichnungen.

Bei sonnig-warmen, gleich dunstigen Wetter genossen wir unseren Kaffee, und Daddy sprach erneut davon, wie gerne er noch einmal runter zum Daubensee gehen würde, den er vor 15 Jahren zusammen mit meinem Bruder umrundet hatte, während Fanny und Mami sich teure Naturkosmetik zeigen liessen – der Geschichte verdanke ich eine herrliche Anekdote …

Er meinte aber auch, es wäre unvernünftig, dies auf dem steinigen und felsigen Naturweg zu wagen, der steil nach unten führt. Stattdessen wollten wir nach einiger Zeit wieder zurück zur Gondelbahn runter nach Leukerbad. Kurz vor dem Eingang zur Bergstation sah ich von links kommend eine kleine rote Gondel. Und die kam vom Daubensee hoch –  und führte damit logischerweise auch runter zum See! ich hatte die Bahn vorgestern nicht gesehen, und auch Daddy konnte sich nicht an diese erinnern, aber der Mann am Schalter versicherte uns glaubhaft, dass die Pendelgondelbahn bereits seit ewig bestünde. Ganz so lange ist das zwar nicht, aber sie hat, wie die Gemmibahn auch, eine lange und interessante Geschichte.

Kurz entschlossen besorgte ich uns Retourtickets, und wir gondelten nach unten. Von der Talstation zum See ging es ein Stück weit noch nach unten, auf einem breiten Naturweg; dem See entlang verlief dieser Weg recht eben. Daddy wollte es wagen, und ich bot ihm zur Sicherheit (und meiner Beruhigung) meinen Klappstock an, mit den drei stabilen Füssen. So konnten wir doch ein Stück entlang dem See gehe, die Aussicht geniessen, und über seinen letzten Besuch sprechen.

Auf dem Rückweg zur Talstationen liessen wir uns auf einem Bänkli die Sonne auf den Bauch scheinen, was prompt neugierige – und wohl auch verfressene – Schafe anlockten, die sich munter an Daddy Rucksack zu schaffen machten. Da wir leider nichts zu bieten hatten, trotteten sie wieder ab …

Wir aber ruckelten wieder hoch, genossen einen weiteren Kaffee – und einen spektakulären Abgang eines Helikopters, der sich Kopf voran in die Tiefe stürzte.

Den Spaziergang zurück ins Dorf unterbrachen wir mit einem weiteren Besuch im Giardino, wo wir uns eine Glace gönnten. Gemäss Fitness-App hatten wir die nötigen Kalorien dazu in der Zwischenzeit verbrannt.

Nach einer kurzen Rast im Hotel schlurften wir wieder in Bademantel und -Latschen rüber in die Therme und liessen uns in diversen Varianten durchsprudeln. Natürlich durfte auch die heisse Grotte nicht fehlen! Ein junger Einheimischer erzählte uns im herrlich charmanten Wallisserdialekt, dass sein Grossvater bei den Bergbahnen gearbeitet habe, und wenn er schmutzig und müde heimgekommen sei, gerne den Weg ins Bad genommen habe: Duschen, heisse Grotte, kaltes Becken, in mehrmaligem Wechsel … Er habe geschworen, das halte ihn gesund, und offernbar habe es gewirkt. Der Mann wurde 96 Jahre alt und war in seinem Leben ein einziges Mal krank, eine Woche, bevor er starb. Nahmen wir als gutes Omen und wiederholten die Prozedur 🙂

Um viertel nach sechs trafen wir uns zum letzten Znacht hier im Hotel Alpenblick. Wie jeden Tag war der Tisch liebevoll gedenkt, immer mit einer neuen Falttechnik für die Servietten. Wir gönnten uns einen Hugo zum Apéro und ein Glas Rotwein zum Hauptgang, führten gute Gespräche und machten anschliessend noch einen kleinen Abendspaziergang.

Unser Hotel begann übrigens 1960 als Konditorei und hat sich stetig weiterentwickelt und vergrössert. Uns gefallen die gemütlichen und ruhigen Zimmer und die herzliche Gastfreundschaft von Familie Roten und ihren Angestellten. Und die Küche ist super!

Ach ja: Das mit den Gemmi-Sänften und den Gemmi-Wägeli habe ich inzwischen auch recherchiert. Von den Sänften habe ich leider kein Bild gefunden, aber eine Beschreibung von Mark Twain:

„Wir begegneten ein paar Männern und sehr vielen Damen in Sänften; mir schien, als sähen die meisten Damen blaß und seekrank aus; ihre gesamte Erscheinung machte mir den Eindruck, als ertrügen sie geduldig fürchterliche Leiden. Gewöhnlich blickten sie in den Schoß und überließen die Landschaft sich selbst.“

Zu den Wägeli fand ich einen herrlichen Artikel mit Bildern – sehr lesenswert. Bin aber trotzdem froh, dass wir bequem mit der Gondelbahn fahren konnten.

 

 

 

 

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