Ergebnisoffenes Experimentieren – ein Schoggi-Job

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Einige von euch haben es ja via Social Media mitbekommen: Vor kurzer Zeit durfte ich in der Werkstatt von LaSchoggi mit deren Inhaber, Bruno Blum, an einer eigenen Schoggi experimentieren. Diesen Wunsch hatte ich schon lange, schliesslich bin ich a) verfressen) b) LaSchoggi-Abonnentin der ersten Stunde und c) von meinem ehemaligen Beruf gewohnt: Tester testen, testen!

Und da Bruno, den ich ursprünglich ja durch unsere Marketing- und Werbungsarbeiten kennengelernt hatte, ähnlich tickt, war unsere einzige Herausforderung eigentlich nur:

Wann experimentieren wir mit einer Lovey Edition?

Vor knapp 10 Tagen war es nun so weit. Ich reiste mit meinem Hackenporsche, gefüllt mit 8 Flaschen aus meiner Whiskysammlung, in den Buechiberg, genauer gesagt in die alte Mühle, wo La Schoggi und die Werkstatt der Genüsse von Brunos Partnerin Doris ihren Sitz haben. Etwas schmunzeln musste ich, als der Bus an einem Wegweiser “Brennerei” vorbei fuhr … Damit hätte ich hier, mitten auf dem Land, nicht gerechnet. Wie sich wenig später zeigte, hätte ich das tun müssen 🙂

Wer Bruno und die Geschichte seiner Schoggi kennt (und falls das bei euch noch nicht der Fall sein sollte, empfehle ich euch dringend, das nachzuholen!) weiss:  Bruno arbeitet gerne mit  Zutaten von Produzenten und Lieferanten, die er persönlich kennt – und alle sind rein natürlich und von hoher Qualität. Und er verwertet möglichst alles, was diese liefern.

Ein gutes Beispiel ist dieses Geschenkset: Der darin enthaltene Cacaogeist wird aus den Schalen der Kakaobohnen hergestellt, die Bruno vor dem Melangieren entfernt. Erfinderin und Herstellerin ist Eliane,  eine leidenschaftliche Food -Waste-Schnappsmacherin. Sie bringt jeweils den Cacao Geist zum Schwab, um ihn dort brennen zu lassen. Und das  ist – ihr ahnt es – eben jene Brennerei, an der ich vorbeigefahren war. Und deren Besuch Bruno für uns, nach einem Begrüssungskaffee und Gipfeli, für uns beide geplant hatte …

Step 1: Lokale Whisky beschaffen

Die Lohnbrennerei Schwab in Oberwil bei Büren hat eine lange Geschichte – bereits seit 1919 wird hier gebrannt. Zuerst im Nebenberuf, seit gut 20 Jahren als Hautperwerb. Und seit gut 20 Jahren gibt es da eben auch Whisky zu kaufen. Und zwar sowohl Single Malts auch als Bourbon aus lokalem Getreide. Und die gibt’s, was unserem Unternehmen entgegenkommt, in sehr hübschen Degustationsfläschchen, was mich bereits von einem hübschen Whisky-Geschenkset von La Schoggi träumen liess …

Im Laufe des Tages dämpfte Bruno meinen Elan ein wenig:

Step 2: Realitäts-Check

Bevor wir ans eigentliche, ergebnisoffene Experimentieren gingen, erhielt ich ein paar Zahlen und Fakten genannt. Von 20 Versuchen, eine neue Sorte zu kreieren, wird bei Bruno vielleicht eine marktreif. Will heissen: Die Schoggi überzeugt geschmacklich und ästhetisch, lässt sich bei immer gleichbleibender Qualität in einem einigermassen effizienten Prozess herstellen, mit zahlbaren Zutaten, findet eine Zielgruppe, der sie schmeckt und die bereit ist, dafür den angemessenen Preis zu bezahlen.

Step 3: Kandidaten für die Tests wählen

An die Nasen, fertig los! Bei so viel Auswahl mussten wir nüchtern (!) eine Vorauswahl treffen. Also hiess es: Riechen! Welcher Whisky könnte zu Brunos Zartbitter-Schoggi passen, die hinter mir aus dem Schoggibrunnen lief (und ja, mein inneres Kind jubiliert Alleinbei der Tatsache, dass es einen Schoggibrunnen gibt). Wir entschieden uns zu zwei Single Malts aus der Brennerei Schwab, beide gelagert in Chardonnay-Fässern, die damit eine eigene, sehr angenehme Süsse mit sich brachten, und dem Benriach Smokey 12 aus meiner Sammlung. Dieser Single Malt reift in einer seltenen Kombination von Bourbon- sowie Sherry- und Marsalafässern heran und bringt, Noten von reifen Früchten, rauchiger Süsse und wärmender Eichenwürze mit ins Spiel.
Geschmackstests, unter freundlicher Mithilfe von Doris, die aktuell gerade an ihren feinen Panettone arbeitete, bestätigten die Wahl

Step 4: Test-Parameter bestimmen

Für zwei ehemalige Dialogmarketing-Cracks die leichteste Übung: Es gibt 3 Tests pro Ausgangsprodukt, wobei nur 1 Parameter verändert wird – die eingesetzte Menge an Whisky. Wir planten mit 1.25, 2.5 und 5 ml, aber bereits bei der ersten Anwendung zeigte sich, dass die Tafel schon bei 2.5 ml mehr als gesättigt war. Also korrigierten wir die Testreihe nach unten und ergänzten die Variante 0.1 g pro Tafel.

 

Step 5: Ran an den Schoggibrunnen!

Pro Sorte füllte Bruno eine Doppelform mit 2 Tafeln à je 50g Schoggi, rüttelte die Tafeln gut durch und klopfte dann manuell allfällige Blasen raus. Danach träufelte er die sorgfältig abgemessene Menge Whisky auf die Schoggi und formte mit einem Holzstäbchen ziehend ein Muster, wie ich das von seiner Variante  mit ätherischem Orangen-Öl kenne. Ich präparierte in dieser Zeit die Beschriftung, schliesslich mussten unsere Tests professionell protokolliert werden.

Step 6: erste Ernüchterung

Was sich bei der Bestimmung der Test-Parameter bereits abgezeichnet hatte, erwies sich recht schnell als Herausforderung. Bei 0.1 g liess sich das Muster noch hübsch gestalten, bei 1.25 und 2.5 ml verschwamm es. Und, was eher noch schlimmer war: Die Schoggi veränderte ihre Struktur und Farbe  … und das nicht zu ihrem Vorteil. Hrmpf!

Step 7: Geschmacksprobe

Da ich bekanntlich bei der Ausgabe von Geduld in der Schöpfungsphase vermutlich geträumt oder was angestellt hatte, konnte ich natürlich nicht abwarten, bis die Schoggi ein paar Tage geruht hatte und diese dann bei Zimmertemperatur degustieren. Also brachen wir schon mal ein Stückchen ab – und staunten etwas. Vom Whisky merkten wir alle nichts. Dafür hatte die Schoggi sich verändert … Der Kakao-Geschmack war irgendwie intensiver. Okee …

Wir räumten auf, ich ging mit meinem Hackenporsche wieder nach Hause und freute mich auf ein weiteres, liebevoll verpacktes Päckli von La Schoggi, mit unseren Testtafeln.

Step 8: Testauswertung

  • Sehen:  wie befürchtet, wenig einladend
  • Riechen: absolut kein Whiskyduft
  • Hören: knackt gut bis 1.25 ml, 2.5 ml eher weicher
  • Spüren: 0.1 g mehrheitlich glatt, Muster fein. Darüber: Grob, körnig
  • Schmecken: Absolut feiner Schoggigeschmack, Kakao sehr intensiv. NULL Whisky erkennbar

Fazit:

So gut Whisky und Schoggi zusammenpassen (siehe beispielsweise hier: Foodpairing): Wenn man beide ins gleiche Bett zwingt, werden sie zu Todfeinden, wie eine kurze Recherche ergibt:

Whisky verändert die Struktur von Schokolade durch das Zusammenspiel von Alkohol, Fett und Aromen, was zu einem geschmeidigeren Schmelz und einer intensiveren Geschmackswahrnehmung führt. Der Alkohol im Whisky löst die Kakaobutter in der Schokolade an, was die Textur weicher macht und Aromen freisetzt.

Hier sind die wichtigsten Faktoren für die Strukturveränderung:
Lösungseffekt des Alkohols: Alkohol wirkt als Lösungsmittel für das Fett (Kakaobutter) in der Schokolade, was zu einer schnelleren und weicheren Textur auf der Zunge führt.
Temperatur: Die Zugabe von Whisky (am besten bei Zimmertemperatur) bewirkt ein schnelleres Schmelzen als bei Schokolade allein, wodurch sich die Konsistenz von fest zu cremig verändert.

Tröstlich: Andere Experimentierfreudige haben zwar auch gute Ideen, scheitern aber ebenso kläglich … Whisky-Truffes gingen, das haben wir bei der Scotch Malt Whisky Society schon mal gemacht. Hier ein Rezept, falls ihr das probieren wollt.

Die gute Nachricht

Auch wenn es keine Lovey Edition mit Whisky geben wird: Brunos feine Schoggi kann man natürlich jederzeit zusammen mit Whisky geniessen. Sogar mit den feinen Sorten aus dem Buchiberg. Und Foodwaste gab’s auch keinen: Die Testtafeln werden von Bruno, mir und meinen Freunden genüsslich vertilgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Ergebnisoffenes Experimentieren – ein Schoggi-Job“

  1. Spannend, spannend…. als Idee: Eine LaSchoggi in Stäbchenform kreieren, den Whisky in einem kleinen Fläschchen mit einer etwas grösserer Öffnung, beides zusammen in ein Päckli und versenden – der/die Empfänger/in tunkt dann die Stäbchen im Whisky und yummieeee….

  2. Wau, da läuft einem ja das Wasser im Mund, wenn man nur an dem Schoggibrunnen denkt. Bei den flüssigen Beigaben kann ich das nicht sagen, da ich kein Kenner im Alkoholbereich bin, aber jene bestaune, welche sich merken können, welche Variante zu welchen Produkten sich eignen. Eines ist für mich klar: ich staune über die Fähigkeiten der “Düfteler”, welche Produkte sich unter einander vermischen lassen, um neue Produkte zu schaffen.

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