Event Rothenburg

15 km Walking geschafft!

Die Vorbereitungen fürs diesjährige Lauf- und Walkingevent in Rothenburg waren alles andere als ideal. Seit dem Frauenlauf hatte ich nur wenig trainieren können, da ich in den letzten Wochen wegen der durchgängig hohen Ozonwerte starke Beschwerden hatte (Ab ca. 80 reagiere ich mit Entzündungen der Atemwege, erhöhten Temperaturen und Arthrose).  In den letzten Tagen musste ich sogar wieder inhalieren – etwas, was ich seit fast 12 Monaten nicht mehr kannte.

Entsprechend skeptisch bereitete ich mich vor

– und hatte mich immer noch nicht entschieden, ob ich nicht doch besser auf 8 km umbuchen sollte. Denn jetzt, wo ich eher noch langsamer als sonst sein würde, erinnerte ich mich an die schlechten Erfahrungen, die meine Kollegin Alexandra letztes Jahr in Rothenburg mit dem Besenvelo machte. Zwar hatte das OK damals reagiert und versprochen, die Sache im Auge zu behalten, aber ein Blick auf die Ranglisten der letzten Jahre zeigte mir, dass ich über 15 km selbst mit einer guten Zeit 30 Min. nach dem Letzten eintrudeln würde … Zum Glück motivierten mich die Kolleginnen aus der „Frauen laufen“-Facebookgruppe dazu, mir eine Strategie zu recht zu legen: Ich würde je nach Tagesform entscheiden, ob ich über 8 oder 15 km walken werde. Und sollte das Besenvelo nerven, würde ich mir die Handynummer geben lassen und ihn oder sie vorlassen.

So ermutigt, reiste ich gestern nach Luzern.

Willkommenssnack im Bellevue Luzern

Willkommenssnack im Bellevue Luzern

Ich hatte im Hotel Bellevue ein Zimmer reserviert, rund 4 km vom Zentrum entfernt. Gemäss Ausschreibung ist das Hotel zu Fuss in ca. 45 min zu erreichen – alternativ mit Bus Nr. 24. Ich entschied mich, mit freundlicher Unterstützung von Petrus, für eine Mischform: Bis zum Verkehrshaus zu Fuss, der wunderschönen Promenade entlang, dann, wechselte ich auf den Bus, welcher direkt vor dem Partnerhotel Hermitage hält – dessen Restaurants, Tennisplatz und Wellnessangebote dürfte ich als Gast des Bellevue mitbenutzen. Auch Gratisvelos stünden zur Verfügung – toller Service!

Der Empfang ist herzlich, ich erhalte kompetent Auskunft wegen der Busverbindungen nach Rothenburg und darf dann wählen, ob ich zu meinem Willkommenssnack lieber einen Multivitamin oder einen Orangensaft hätte. Das Plättchen, das die Rezeptionistin mir kurz darauf aufs Zimmer bringt, ist der Hammer! Das Zimmer ist nicht sehr gross, aber sauber, mit bequemen Doppelbetten, einer Minibar, Fernseher, Gratis-WLAN und Badewanne. Je eine liebevoll gestaltete Infomappe in deutsch und englisch gibt Tipps zu Restaurants, Ausflugsmöglichkeiten, Konzerten und Anlässen.

Gutenacht-Box im Bellevue Luzern

Gutenacht-Box im Bellevue Luzern

Das Tüpfli auf dem i ist aber die Gutenachtbox, mit einer Bettflasche, Ohropax, Sudoku, Kurzgeschichten und Schöggeli. Und auf dem Kopfkissen hat’s Gummibärchen! Ich mache mir einen gemütlichen Abend und stelle den Wecker auf 7 Uhr …

Auf nach Rothenburg!

Ich zwänge mich in mein Walkingoutfit (die Kompressionssocken anzuziehen ist lästig, aber nötig) und gehe frühstücken. Der zweiteilige Frühstücksraum ist hell und freundlich eingerichtet, das kleine Buffet bietet alles, was das Herz begehrt: Frisches Müesli, Käse, Trockenfleisch, diverse Brote, 4 verschiedene Säfte, Eier zum Selberkochen und richtig guten Kaffee.

Ich checke aus und fahre mit dem Bus nach Luzern, wo ich auf die S18 nach Rothenburg-Dorf umsteige, was schneller sei als der Bus, den wir letztes Jahr nahmen. Es nieselt leicht, was mich zu einem Beschwerde-Tweet an Petrus animiert.

Willkommen im Fläcke, heisst es in Rothenburg – mein Zurzacherherz schlägt Purzelbäume! Gut 400 m sind es bis zum Start, aber ich kann einfach den anderen LäuferInnen folgen. Und mein Tweet scheint gewirkt zu haben: Der Regenmantel verschwindet in der Tasche und muss nicht mehr hervorgeholt werden!

Bei der Startnummerausgabe sind nur wenige Leute, und so traue ich mich, dem Helfer mein Problem zu schildern. Soll ich auf 8 km umbuchen oder nicht? Er hat keine Ahnung, wie lieb oder bös die BesenvelofahrerInnen sind, verweist mich aber an den Chef Streckensicherung – und dieser sieht kein Problem, selbst wenn ich 11 Min./ km benötigen sollte. Also 15 km! Ich gönne mir noch einen Kaffee, stehe Schlange vor der Damentoilette und zöttele dann zum Start, wo die LäuferInnen gerade auf die Strecke geschickt werden. Die Kategorie der Walker und Nordic Walker ist klein, 8 und 15 km starten zusammen, aber es gibt kein Gedränge, die Stimmung ist locker und aufgestellt.

Km 1-7: flott!

… bin ich flott unterwegs, an der Spitze (!) einer achtköpfigen Gruppe, deren Klackediklack nahe genug ist, um mich anzuzspornen – aber weit genug, dass ich deren Gespräche ausblenden kann. Obschon ich auch am Morgen noch einmal inhalieren musste, kann ich gut atmen, und die Beine benehmen sich ganz anständig. Der Boden ist nass, teilweise glitschig, an einer Stelle schützt uns ein roter Teppich vor einem Schlammbad. Edel! Kurz vor Kilometer 5 verlasse ich die Gruppe und ziehe nach rechts, auf die 15-km-Strecke, die Ladies verabschieden sich nach links. Nun bin ich, wie meistens, alleine unterwegs und geniesse die Stille und die Landschaft. Auch das Piepsen der Mio fehlt heute: Auf Grund der schlechten Vorbereitung hatte ich entschieden, weder auf Puls noch auf Pace zu walken, sondern das Ganze eher als Fahrspiel zu betrachten und mich alleine von Topographie und Atemfluss leiten zu lassen.

7-9: Beissen

Erstaunlich früh beginnt mein rechtes Knie zu zicken – sonst war das bei den letzen Walks immer erst um Kilometer 11 der Fall. Ich versuche es erst mit bewusstem Abrollen, Beckenboden-Ausgleich und Neubinden der Schuhe, aber es hilft alles nichts: Ich muss eine Schmerztablette nehmen. Dazu etwas Gel und Isostar, dann sehr bewusst weiter gehen. Kurz frage ich mich, ob ich nicht vielleicht doch besser auf 8 km gewechselt hätte … Aber dann erkenne ich, von einer Anhöhe herab, dass hinter mir noch zwei Walkerinnen unterwegs sind – das spornt mich wieder an. Zudem überholt mich hier der Letzte des Halbmarathons, begleitet von einer sehr freundlichen Besenvelofrau, mit der ich einige Worte wechsle. Alexandras Schelte scheint gewirkt zu haben – oder die Ärmste hat letztes Jahr wirklich einen Surnibel erwischt!

9-12: geht doch …!

Die Tablette scheint zu wirken, ich finde meinen Rhythmus wieder und sehe auch am Schatten, dass ich wieder weniger hinke. So kann ich mich auch wieder mehr auf meine Armbewegungen konzentrieren. Mein Walking-Gurt erregte hier übrigens einiges Aufsehen, ich musste ein paar Mal erklären, was das Teil ist (ich schätze das Ding immer mehr, denn es verhindert wirkungsvoll, dass Arme und Hände anschwellen, und trainiert gleichzeitig den Oberkörper mit). So auch, als mich die 2 Ladies kurz vor Kilometer 10 überholen … Na ja, es wäre zu schön gewesen! Ich lasse mich nicht unterkriegen und walke in meinem Tempo weiter. Kurz vor Kilometer 12 ist es an mir, die Beiden zu überholen – sie hatten sich kurz in die Büsche geschlagen, was ich eiskalt ausnutzte.

12-15: aber hallo!

Das Manöver schien mir Auftrieb zu gehen: Plötzlich konnte ich wieder viel freier gehen, das Knie schmerzte kaum mehr, meine Schritte waren leicht und aktives Abrollen ging wie von selbst. Von Ferne hörte ich immer wieder Musikfetzen und Stimmen vom Zielgelände her, was mir zusätzlichen Schwung verlieh. Nur kurz kam ich ins Trudeln, als ich nach Kilometer 14 bei einer Kreuzung plötzlich keine blauen Fähnchen sah, aber ein freundlicher Anwohner wies mir den Weg, und bei der nächsten Kreuzung standen auch wieder Streckenposten, die mich anfeuerten. Da der letzte Kilometer praktisch ums Zielgelände rum führt, konnte ich hören, dass die Siegerehrung im vollen Gang war. Da wird wieder kein Schwein merken, dass ich im Ziel bin, schoss es mir durch den Kopf (das war mir ja am Pfingstlauf in Wohlen passiert). Aber da hatte ich den Speaker unterschätzt! Kurz nach dem Ziel kam er auf mich zu, fragte nach meinem Namen und gratulierte mir offiziell zu meiner Leistung. Gemeinsam empfingen wir dann auch die beiden Damen, die es trotz aller Bemühungen nicht mehr geschafft hatten, mich einzuholen. Wobei: viel hat nicht gefehlt … Im offiziellen Video sehr ihr mich übrigens bei 14.12 kurz hinter dem Speaker aufblitzen! Und gerade gesehen: Es gibt sogar ein Finisher-Video (Ganz rechts Filmsymbol anklicken)!

Fazit: 3 Minuten langsamer als in Bern – aber Pace unter 11!

Rangliste Rothenburg, Lovey Wymann

Rangliste Rothenburg, Lovey Wymann

 

Was mir aber fast noch mehr Freude machte:

Obschon ich ohne Pulsuhr unterwegs war, blieb mein Einsatz bis auf eine Ausnahme im grünen, also sehr aktiven Bereich. Fitbit hatte nichts zu meckern! Das macht Mut für den Hallwilerseelauf. Und wer weiss, vielleicht hänge ich ja im November noch Frauenfeld an. Zora meinte auf Twitter nur, die hätten im Fau auch einen HM 🙂

Fitbit Rothenburg

Fitbit Rothenburg