Fussfänger und Radfahrer

Am Donnerstag marschierte ich kurz vor 18 Uhr los, um den grossen Helsana-Trail von Bad Zurzach zu walken. Ich mag diese Strecke, weil die Länge für mich ideal ist und die Route durch eine schöne Landschaft führt, zu beiden Seiten des Rheins. Dass der Rheinuferweg auch für RadfahrerInnen attraktiv ist, verstehe ich gut – auch wenn es mich oft stresst, wenn ich auf «meinem» Wanderweg von ihnen bedrängt werde. Velo von vorn ist in der Regel kein Problem, die sehe ich kommen und kann rechtzeitig beiseite gehen. Nur wenn ich meinen rebellischen Tag habe, frage ich mich manchmal, wieso eigentlich immer ICH bei schmalen Stellen ausweiche, ins nasse Gras trete oder in brennendes oder dorniges Gestrüpp? Der Weg ist mit WANDERWEG angeschrieben … es ist also nicht so, dass ich einen Radstreifen blockieren täte – und trotzdem weiss ich aus Erfahrung, dass die meisten Pedalenden weder bremsen noch ausweichen, also mache ich das lieber freiwillig.

Aber: Wenn ein Velo von hinten kommt, sehe ich das logischerweise nicht – und je nach Bodenbeschaffenheit höre ich es auch erst, wenn es praktisch neben mir durchbraust. Die unwillkürliche, schreckhafte Abwehrbewegung ist für mein arthrosegeplagtes Knie extrem schmerzhaft (Arthrose macht generell keinen Spass, hindert mich aber nicht am Sport treiben, im Gegenteil: Je regelmässiger ich walke, desto weniger Schmerzschübe habe ich eigentlich).  Entsprechend sauer war ich, als auch an diesem Abend mehrere Velofahrende an mir vobeibrausten, ohne sich anzukündigen, ohne zu grüssen oder sich zu bedanken, wenn ich sie kommen sah und auswich.

Und wenn ich nicht zu müde gewesen wäre an jenem Abend, hätte ich darüber geschrieben, dass ich mir – bei allem Verständnis für den Fahrspass der Velofahrer – wünschte, dass der Helsana-Trail ausschliesslich für Fussvolk zugelassen wäre. Dass es hier in meiner Umgebung Lauf- oder Walkingtrails gäbe, bei denen ich sicher sein könnte, dass ich nicht fast in den Graben gedrängt werde – und womöglich noch beschimpft würde. Dass ich im gegenhzug dafür auch nicht auf einem Fahrradstreifen walken oder picknicken würde … Aber eben: Ich war zu müde.

Doch dann las ich heute morgen auf Twitter dies – und war verletzt (für Nicht-Twitterer: von unten nach oben lesen):

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Ich musste erst tief durchatmen, dann habe ich reagiert (auch hier, wie bei Twitter üblich, von unten nach oben lesen):

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Immerhin: Luke erkennt die Problematik und weisst darauf hin, dass das Problem nicht daran liegt, dass eine/r von beiden dick ist, sondern dass beide den selben Raum nutzen und womöglich davon ausgehen, dass sie alleine sind. Auch die Frage, ob denn da ein Fahrverbotsei, wird von einem Twitterer aufgenommen, aber salopp beiseite gewischt: Kavaliersdelikt!

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Will heissen: Im Gegensatz zum Helsana-Trail, wo Biker und Fussgänger nebeneinander durchkommen müssen und sollen, müssten diese Menschen – egal ob dick oder dünn – NICHT mit Velos rechnen, sondern dürfen im Gegenteil davon ausgehen, dass sie hier sicher unterwegs sind.

Trotzdem ist das Problem nicht, dass hier jemand ein Fahrverbot missachtet bzw. umfährt, sondern dass diejenigen, denen das nicht passt, dick sind.

Und noch während ich daran bin, meine Antworten zu formulieren, schneit es mir das hier in die Timeline:

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Aufgabe

 

Querdenker antwortet sofort, ist ebenfalls empört und entdeckt, dass das Arbeitsblatt zum Thema Ironie als Ganzes ziemlich daneben ist – dick, hässlich und ungeschickt darf man hier nicht sein.

Ich sitze hier, dank einer grossen OP, psychologischer Betreuung, Ernährungsberatung und Sport seit kurzem einigermassen im Bereich vom Normalgewicht (was von meinen 53 Lebensjahren über 50 dicke Jahre lässt), bin verletzt, könnte heulen und schreien und weiss nicht, wie ich den Leuten klar machen kann:

Immerhin: Während ich dies schreibe, entschuldigt sich Helmut auf Twitter. Danke!