Griff nach den Sternen … oder so

Heute Morgen hatte ich Lust zu einem Spaziergang, den ich schon sehr lange nicht mehr gemach habe: den Planetenweg auf dem Uetliberg. Ein kurzer Blick in die SBB-App zeigte mir, dass dies wieder problemlos möglich sein sollte – die Umbauarbeiten an der Bahnstrecke sind endlich beendet (vor ein paar Monaten hat mich der Ersatzbus abgeschreckt). Also zog ich frohgemut los, mit leichtem Proviant und im praktischen Zwiebellook.

Bis Baden hatte ich den Zug fast für mich, aber Richtung Zürich wurde es richtig voll. Hatte es sich doch gelohnt, dass ich erste Klasse gelöst hatte. Jedenfalls für diese Strecke, denn die Uetlibergbahn kennt nur eine Klasse …

Oben angekommen, zog ich erst mal den Kragen hoch: Zwar lagen nur vereinzelte Schneeresten herum, aber es war doch recht kühl. Ich spazierte kurz hoch zum Uto Kulm, um ein paar Fotos im Winterzauber zu knipsen (was aber in der Werbung spektakulärer aussah), dann liess ich mich von der Sonne anziehen. Also, von jener, die da auf einem Sockel steht – auch wenn mir jene am Himmel auch ausnehmend gut gefiel. Der Weg war recht gut besucht, aber die Mountainbiker waren sehr zivilisiert (ich erinnere mich, das früher auch anders erlebt zu haben). Die Waldwege waren teilweise gefroren, was die Blätter unter den Füssen lustig knistern liess. Der Kiesweg wurde, mit zunehmender Wärme, immer nässer, aber alles in allem gefiel mir das besser, als die Wanderung letzte Woche, bei der ich fast ausschliesslich auf Teer unterwegs war. Die Aussicht war herrlich, was auch die überraschend zahlreichen Touristinnen und Touristen aus fernen Ländern zu schätzen wussten.

Kurz vor der Felsenegg entdeckte ich eine Tafel mit einem Hinweis auf einen Hofladen mit Kaffee und Zimtknoten: Gut Mädikon. Der Hof war früher auch schon da, aber ich erinnere mich nicht, da je einen Hofladen gesehen zu haben. Ist aber auch ein paar Jahrzehnte her, dass ich in Adliswil gewohnt hatte. Jedenfalls liess ich mich verführen – und habe es nicht bereut: Der luftig-knusprige Zimtknoten schmeckte köstlich, der Kaffee war nach der Reise durchs Universum, zwischen Uranus und Neptun,  mehr als verdient. Und da ich mit meinem Rucksäckli unterwegs war, konnte ich auch gleich noch einkaufen: Urdinkel-Teigwaren, Bergkäse und Urdinkel-Sablés. Ach ja: Zum Gut führt eine private Luftseilbahn, die sogar älter ist als die auf die Felsenegg. Fleisch kaufte ich keins, obschon die Auswahl gross war – die Oinks auf dem Feld hatten so freundlich geschmatzt, als ich da durchging …

Beschwingt und zunehmend warm ging es weiter zur Gondelbahn, wo ich etwas anstehen musste, lassen sie doch nur 15 Leute aufs Mal rein. Habe mich aber nett unterhalten, mit einer Dame mit wunderbaren weissen Haaren – mit blau-violett-purpurnen Strähnchen.  Sie düste, unten angekommen, los wie die Feuerwehr, weil sie den Zug erreichen wollte. Ich liess mir Zeit, musste dann auf dem Perron auch etwas warten – und entdeckte, endlich eingestiegen, die gleiche Dame im gegenüberliegenden Abteil wieder.

Kurz überlegte ich mir, ob ich in Zürich noch an den See gehen sollte, liess es dann aber bleiben. Zum Glück, wie ich später im Zug lesen konnte: Ich wäre sonst wohl in die Ausschreitungen der unbewilligten Demo geraten.

Falls jemand sich inspiriert fühlt und diesen Weg in naher Zukunft erwandern will:
Die Luftseilbahn wird vom Montag, 7. März, bis Freitag, 25. März 2022, wegen Revision nicht in Betrieb sein!

 

2 Gedanken zu „Griff nach den Sternen … oder so

  1. Ich kenne nur den Planetenweg vom Weissenstein. Die Neuentdeckung Uetliberg merke ich mir vor. Schöne Aufnahmen. Das Wetter hat wenigstens ein bisschen mitgeholfen. Über eines wundere ich mich aber: als Kind hast Du über jeden Ausflug gejammert, heute hast Du offensichtlich etwas von meiner “Wanderniere” geert.

    Daddy

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