Hallwilersee-Lauf – Höhepunkt eines Walkingjahres

Ich gebe es ja zu: Zu diesem Lauf sind wir recht harzig gestartet. Angefangen hat es damit, dass ich erst recht spät nach einem Hotel in der Nähe gesucht habe, dann habe ich eins gebucht, das zwar autotechnisch nur 15 km entfernt lag, mit dem ÖV aber über eine Stunde weg war und erst noch Umsteigen erforderte. Dann wollten Franziska und ich alles besonders klug anstellen und entschieden am Freitagabend spontan, unsere Startnummern bereits am Abend abzuholen – da sie jetzt auch ein GA hat, sind wir ja diesbezüglich sehr flexibel. Und weil wir so lieb sind, holten wir auch gleich die Startnummer einer Kollegin ab, die dieses Mal erstmals mit uns starten würde. Beinwil am See fanden wir problemlos, und vom Bahnhof aus folgten wir einer erfahrenen Läuferin, die bereits mehrmals gestartet war. Wobei die hier so toll ausgeschildert hatten, dass sogar ich mit meinem nicht-existenten Orientierungssinn nicht viel hätte falsch machen können. Ein Kompliment an die Organisatoren des Hallwilerseelaufs!

Im Nullkommanichts hatten wir 3 Startnummern, 3 sensationelle Sporttaschen, eine Goodybag und 2 Hallwilerseelauf-T-Shirts aus einem Restposten, die uns aber perfekt passten. Von Pastaparty war zwar noch nicht viel zu merken, dafür waren wir wohl zu früh, aber wir genossen doch leckere Älplermagronen mit viel Käse und wurden aufs beste umsorgt. Auch hier: Ein herzliches Dankeschön an die Freiwilligen, die sich durch meine Sonderwünsche (kleine Portion, dafür extra viel Käse) nicht beirren liessen – und mir dann erst noch nur den halben Preis verrechneten, weil es ihnen so gar wenig erschien. Es war genau richtig!

Bepackt und pappsatt fuhren wir danach nach Nottwil, wo wir zum Glück auch gleich jemanden fanden, der uns auf den richtigen Weg schicken konnte. Im Sommer muss es da sehr schön sein: Wir spazierten durch ein Karibisches Dorf mit Surfstation, Bar, Lounge und vielem mehr, kamen dann zum Park des Paraplegikerzentrums und fanden schliesslich das Seminarhotel, unmittelbar im Anschluss. Wir machten es uns im Zimmer bequem und lümmelten bei einem Glas Rotwein noch etwas rum – wir mussten den übrigens trinken, ging nicht anders, da es keine Kaffeemaschine hatte … Wir informierten Ingrid, dass wir ihre Startnummer hatten, und vereinbarten einen späteren Termin am Morgen, um uns zu treffen. Letzteres war ein Fehler, wie sich später herausstellte …

Um sechs Uhr früh klingelte am Samstag ein penetrant lautes Telefon und riss uns aus den Federn. Wir schlüpften in die bereit gelegte Kleidung: Langarm-Funktionsshirt, Tights, darüber die neuen Hallwilersee-Shirts und versorgten voller Optimismus die Regenjacke in den Taschen, da die Wetter-App das Regenrisiko mit 0 Prozent bezifferte.

Halb sieben genossen wir ein herrliches Frühstück mit Rührei, Speck und Joghurt (ich bevorzuge auch vor einem Walk eher ein eiweissreiches Frühstück), dann machten wir uns auf den Weg. In Emmenbrück-Gersag dann die Katastrophe: Umsteigen von Gleis 1 auf Gleis 2 in 3 Minuten – klingt machbar, ist es aber nicht, da hier der Perron nicht zwischen den Gleisen liegt: Man muss erst mit dem Lift runter, dann zur Strassenunterführung, der Strasse entlang nach oben und kann erst dann ans Geleise.Gersag

(Bild: Google Map)

Da standen wir nun, starrten den Rücklichtern nach und wussten: Jetzt wird’s eng!
Der nächste Zug würde erst 8.39 fahren und 9.24 in Beinwil ankommen, wo es bis zum Schiffssteg noch ein gutes Stück Wegs wäre. Also Taxi … Das erste Unternehmen konnte frühestens in einer halben Stunde kommen, das zweite versprach, jemanden zu schicken – und schickte die Konkurrenz! Welch tolle Zusammenarbeit auf lokaler Ebene – Danke an Moni-Taxi und Yvonne Banz bzw.. deren Fahrerin, Susanne Lombardi, die uns rechtzeitig zu Ingrid brachten. Deren Mann nahm unsere Taschen in Verwahrung und wir konnten sogar noch vor der Abfahrt des Schiffes die Nase pudern gehen und Kaffee bestellen.

Ach ja: Das Warten aufs Taxi verkürzten wir damit! die Regenjacken wieder hervor zu kramen. Allerdings hörte der Regen vor dem Start wider auf, so dass wir die Jacke bald um die Hüfte schlingen konnten. Die Stimmung am Start war gut, die Strecke dem See entlang wunderschön, wenn auch oft sehr eng, so dass Überholen schwierig war. Dennoch kam es zu keinen Hässeleien oder sogar Rempeleien, die Schnelleren kündigten sich gut an – oder waren dank der Stöcke gut zu hören, so dass wir Langsameren ihnen Platz machen konnten.

Neu war diesmal, dass mein Tyrann das Tempo bestimmte: Nach Rothenburg war ich ja sehr überrascht zu sehen, dass ich nur knapp die Hälfte der Strecke mit hoher Intensität unterwegs war. Also legte ich mir eine Pulsuhr zu und legte den Pulsbereich fest. Wurde ich zu langsam, meldete sich der Tyrann mit ärgerlichem Piepesen, so dass ich korrigieren konnte. Und, wie der Vergleich zeigt, funktionierte das bestens:

Rothenburg

hallwil

 

 

 

 

 

 

 

 

Weil der Boden nass und teilweise glitschig war, musste ich aber stärker als sonst aufpassen – Ausrutschen ist bei meinem Knie immer sehr schmerzhaft. Das hat sich dann leider auch auf die Zeit etwas ausgewirkt:

11-WF — Wymann Lovey 1961 Bad Zurzach 2:10.50,3 —– (8226)

Zum ersten Mal konnte ich unmittelbar nach dem Lauf meinen Laktosewert bestimmen lassen. Mit 1,7 mmol/L ist dieser nicht schlecht (nämlich im Bereich der Fettmobilisation) – aber ich habe noch Reserve und darf meinen Tyrannen noch  etwas höher stellen. Meine Leistungsgrenze wird ganz offenbar (noch) nicht vom Puls gesetzt, sondern von der Arthrose im Knie bzw. dem Muskelansatz im oberen Schienbein … Und doch: Bis fast km 10 konnte ich – bis auf wenige Ausrutscher – schmerzfrei walken. Nach Rothenburg hatte ich das Gefühl, ich hätte noch lange so weiter walken können. Gestern wäre es von der Ausdauer her auch noch weiter gegangen, von den Schmerzen im Knie her je nach Gelände noch ca. 3 km.

Fazit:

Was im September 2012 eher aus Jux mit einem Sponsorenlauf begann, hat sich zu einem neuen Hobby entwickelt. In gut einem Jahr haben wir die Distanz mehr als verdoppelt, damit bin ich sehr zufrieden! Danke an Alexandra, die uns zu Pink Ribbon eingeladen hat und mit diesen ersten 4,7 km den Grundstein für meine Walking-Karriere gelegt hat – und ihrerseits in Hallwil eine tolle Leistung gezeigt hat (siehe Runcoachpotatoes). Danke auch an Franziska, die sich jeweils meiner Leistungskurve anpasst und mich zu längeren Strecken motiviert hat – bis eben zu den 11 km in Hallwil. Und Danke auch an die Kolleginnen und Kollegen von #rlag und der Frauenlaufgruppe, die uns motivieren, Tipps geben oder ihre und unsere Fortschritte mit uns feiern.

Mein Ziel:
Den Winter durch dran bleiben (hab ja jetzt ein eigenes Laufband), im Frühling mit Walks zwischen 10 und 15 km einsteigen und darauf hin arbeiten, dass wir nächstes Jahr in Hallwil den Halbmarathon. schaffen. Bin gespannt, was noch drin liegt …

Hier seht ihr das Finisher-Video:

(C) der  obigen Fotos: Sportograf.com

IMG_1760

Im Ziel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG_1776

Der Schrittzähler jubelt

 

 

 

 

 

Hier geht’s zu den Stimmungsftos von Sportograf.com

2 Gedanken zu „Hallwilersee-Lauf – Höhepunkt eines Walkingjahres

Kommentare sind geschlossen.