Der heutige Tag ist geprägt von recht kräftigem Wind aus Richtung Westen. Nicht kalt, mit kräftigen Böen, weht er übers Feld und erinnert mich an die Winde an der Küste Schottlands, bei Ayr. Jene Winde, die meine Landlady «Lazy Winds» nannte – zu faul um an einem vorbeizugehen, versuchten sie, durch einen hindurch zu pusten.
Wie habe ich diese Winde geliebt!
In einer Zeit, in der ich fast nur im Kopf unterwegs war und heftig dissoziierte, halfen sie mir, meinen Körper zu spüren, präsent zu sein. In Neuseeland erlebe ich die auch oft, entlang des River Walk. Hier sind sie etwas seltener.
Umso mehr habe ich meinen Spaziergang heute genossen. Ich liess mir die Haare aus dem Gesicht und die Flausen aus dem Kopf pusten. Breitete die Arme aus und hiess den Wind wegblasen, was nicht (mehr) benötigt wird. Von Zeit zu Zeit die Spreu vom Weizen trennen, das ist Psychohygiene …
Ich mag dabei bescheuert ausgesehen haben, aber ich fühlte mich wunderbar dabei, Und war offenbar nicht die einzige, welche dieses Wetterphänomen genoss: Noch nie habe ich dieses Jahr an einem einzigen Tag so viele Schmetterlinge gesehen.
Ich liess mich treiben und erkannte plötzlich, dass ich mich der Fischerhütte von Bad Zurzach näherte, wo an diesem Wochenende das jährliche Fischessen stattfindet. Gestern noch hatte ich gedacht: Die Armen, bei dem Wetter werden sie nicht viele Gäste haben. Aber da habe ich mich geirrt:
Die Stube und die beiden Aussenbereiche waren gut gefüllt, und dass der Wind manchmal an den Blachen rüttelte, schien niemanden zu stören. Auch mich nicht: Ich gönnte mir eine kleine Portion und ein Glas Weisswein, bevor ich meinen Spaziergang dem Rhein entlang fortsetzte.
Nach den eher heftigen Niederschlägen der letzten Tage steht der Fluss endlich wieder mal auf einer anständigen Höhe – wir hatten ja viel zu wenig Wasser bis jetzt. Ich setzte mich auf ein Bänkli und lauschte dem Wind zu.
Was mich an dieses Lied erinnerte:
In dieser Stimmung konnten mir auch die einzelnen Regentropfen nichts anhaben, die meine letzten Schritte begleiteten. Wobei, jetzt, beim Anhören, muss ich etwas schmunzeln:
Mir fehlt gerade gar nichts. Nicht, dass ich mir keine neue Beziehung vorstellen könnte. Aber ich fühle mich ganz, bei mir, wunderbar präsent.

