Interview im Hof Weissbad

Im Auftrag eines Kunden reiste ich gestern zu André Frey, Chef de Bar im Hotel Hof Weissbad. Kennt ihr nicht? Ging mir auch so! Aber es lohnt sich, beide näher kennen zu lernen:

André Frey ist eigentlich gelernter Elektromonteur und hat seinen heutigen Arbeitsplatz vor über 17 Jahren, im letzten Lehrjahr, das erste Mal betreten. Als er nach dem Militär nicht sofort eine Stelle fand, bewarb er sich im Hotel Hof Weissbad  … und ist geblieben. Aus seinem ursprünglichen Kindheitstraum, Oberkellner zu werden, ist zwar nichts geworden. Aber er hat seine Traumstelle, seit 14 Jahren, hinter der Bar dieses wunderschönen Wellnesshotels. Im schnell lebigen Gastrogewerbe finde ich das erstaunlich, aber offenbar ist er im Hof nicht der einzige, der es länger aushält … Und während meines leider viel zu kurzen Aufenthaltens erahne ich auch, weshalb: Der Umgangston untereinander ist sehr freundlich und hilfsbereit, und den Chef hätte ich nicht als solchen erkannt, wenn André ihn  mir nicht vorgestellt hätte. Die Mitarbeitenden haben innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes offenbar viele Kompetenzen – und damit Entfaltungsmöglichkeiten. André nutzt die, um sich permanent weiter zu bilden  – 2013 ist er jetzt Bier Sommelier geworden. Nun sammelt er ganz spezielle Biersorten, nicht nur lokale, sondern auch ganz dunkle, malzige, aus aller Welt. Das gefällt mir, denn das sind die einzigen Biere, die mir schmecken. Noch mehr gefällt mir aber seine Leidenschaft für Whiskys, und zwar ganz besondere Whiskys: Er kennt inzwischen 65 verschiedene Schweizer Whiskys – einige werden allerdings erst 2016 geliefert. Ich kannte bis jetzt 3 .…

Ihm bei der Arbeit zuzusehen, macht Spass:

Er arbeitet auschliesslich mit frischen Zutaten. Viele davon stammen aus dem wunderschönen Hotelgarten. Marrokanische Minze hat er aus seinem eigenen Garten mitgebracht und hier angepflanzt, weil ihm die vorhandene Minze zu fad war. Der Garten ist übrigens nicht irgendwo versteckt, sondern steht auch den Hotelgästen offen: Die können sich hier nach Lust und Laune bei den Teekräutern bedienen; heisses Wasser, Tassen etc. steht jederzeit zur Verfügung, so dass man sich seinen eigenen Tee aufbrühen kann. Die Auswahl ist grandios: Ich könnte hier 14 Tage Ferien machen und jeden Tag einen anderen Kräutertee geniessen! – Stimmt nicht, grinst André, du könntest länger bleiben …

Aber zurück zur Arbeit: Das Thema des Interviews sind alkoholfreie Cocktails (Link zum Artikel folgt nach der Veröffentlichung). André arbeitet konzentriert, elegant, extrem sauber und mit einem guten Auge fürs Detail: Wenn ich zum Fotografieren die Position wechsle, dreht er das Glas unauffällig so, dass die Deko perfekt zur Kamera ausgerichtet ist. Bei jedem Glas werden farblich passende Trinkhalme verwendet, jeder einzelne wird auf die optimale Länge gekürzt, damit Blumen, Beerenspiesse, gezuckerte Vanilleschote oder was immer er zu Deko herangezogen hat, zusammen mit dem Drink perfekt harmonieren. Ich schwelge! Denn natürlich „muss“ ich alle Cocktails kosten  … Ich llllllliebe meinen Beruf!

Leider haben wir nur sehr wenig Zeit zur Verfügung:Ich muss zurück, um meinen Artikel zu schreiben.

Gerne wäre ich im freundlichsten Hotel von 2013 noch etwas länger geblieben, hätte mich von Käthi Fässler, Köchin des Jahres 2009/2010 verwöhnen lassen, hätte mich im Garten an den Fluss gesetzt und mich aus den mobilen Bücherkästen der Bibliothek bedient oder wäre mit einem der zur Verfügung gestellten Flyer durch die wunderschöne Landschaft gefahren.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben:

ich habe meinen Freundinnen bereits vorgeschwärmt, und irgendwann gönnen wir uns die Freundinnen-Wellnesstage!   Und weil ich dann ja weder texten noch fahren muss, kann ich mich gemütlich bei André an die Bar setzen und mir seine Neuentdeckungen präsentieren lassen …

 

 

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