Kerzerslauf – 15 km

Versumpfen in Kerzers …

Ich gebe es zu: Ich habe mich 24 Stunden vor dem Lauf immer wieder gefragt, ob ich mir das wirklich antun wolle. Habe mit den Wetterfröschen und Petrus gehadert, habe mich selber verflucht, weil ich mich für den 2. Lauf des Jahres gleich für 15 km angemeldet hatte … Und ja, als ich neben der Damengarderobe den Glühweinstand entdeckte, überlegte ich mir ein letztes Mal, ob ich am Kerzerslauf nicht doch kneifen sollte: Wenn schon versumpfen, dann lieber so!

Aber ich habe nicht gekniffen!

Ich habe mir aus meinen 3 Outfits die Variante C) für Mistwetter ausgesucht: Lange Tights, Laufshirt, Funktionspulli und Plastikregenmantel. Habe mich an die endlos lange WC-Schlange gestellt und dann den Start gesucht. Von einem lustigen Fahrzeug, das wie ein umgebautes Feuerwehrauto aussah, (bzw. natürlich von dessen Besitzer) kaufte ich mir einen Kaffee, 12 Minuten vor dem Start, um mich wieder etwas aufzuwärmen. Ob Kaffee isotonisch wirkt? Wohl kaum … Egal, warm gab er.

Ausser Andrée erkannte ich keine bekannten Gesichter, was durchaus daran gelegen hat, dass ich durch die Brille praktisch gar nichts sah: Von innen angelaufen, von aussen Regen benetzt – kurz nach Kilometer 1 zog ich sie aus und verstaute sie im Brustgurt. Die Strecke ist hervorragend ausgeschildert, die Tafeln erkennt man von weitem, auch wenn man nicht lesen kann, was darauf steht. Die Landschaft wäre bei schönem Wetter sicher wunderschön – aber das Grau-in-Grau gestern gewann eher, wenn man es nicht so scharf sah …

Bei Kilometer 3 entschied ich mich, trotz Nieselregens, den Plastikregenmantel auszuziehen bzw. runter zu klappen, weil es mir einfach zu warm wurde. Kurz nach Kilometer 5 hörte es auf zu regnen, und ich wollte mich schon freuen – da begann es, knapp vor Kilometer 6, von neuem. Immerhin, es schüttete nicht, und der Wind blies einem auch nicht ins Gesicht – es hätte schlimmer kommen können. Der Boden war teilweise allerdings SEHR nass und sumpfig, und ich dankte Gott und dem Erfinder der KNEO, dass ich nicht ausrutschte. Früher war das immer mein schlimmster Albtraum, weil sich bei derart ruckartigen Bewegungen 33 feuerheisse Messer in meinem Kniegelenk zu drehen pflegte – was dazu führte, dass ich ab dem ersten Ausrutscher wie auf rohen Eier walkte, was, wie jede/r weiss, die Sache eher schlimmer als besser macht. Gestern merkte ich erstmals so richtig, wie stark sich das verändert hat: Ich hatte zwar im Voraus grosse Bedenken, war aber unterwegs erstaunlich trittfest und locker, so dass sich die Schmerzen im Knie erst ab Kilometer 14 zeigten.

Von Anfang an hatte ich den Lauf als Fahrtspiel angelegt:

Ich lief weder nach Beats noch nach Puls (auch wenn ich die Mio dabei hatte), sondern orientierte mich an meiner Tagesform (immerhin hatte ich die ganze Woche täglich 4 Antihistamine benötigt) und dem Gelände. Das Feld zog relativ zügig von dannen, aber ich verlor nie alle aus den Augen, ein paar hatte ich immer vor mir. Einen ganz besonders nervigen fast bis zum Schluss: Ein Nordic Walker, der immer nur wenige Schritte vor mir ging und ständig auf die Uhr schaute, wobei er aber den Stock nicht losliess, sonder quer nach aussen drehte – sprich, mir vor den Latz haute. Aber jedes Mal, wenn ich ihn überholte, schien ihn das so zu ärgern, dass er wiederum mich überholte, und das Spiel begann von neuem. Zum Glück (für mich) war der Kerl dann am Ramsey-Hill so viel schneller als ich, dass ich ihn los war.  Vorher aber ging’s vorbei an aufmunternden Zuschauerinnen und Spaziergängern, an einer Steelband und – genau beim Halbzeitpunkt – an vier AlphornspielerInnen. Tolle Stimmung – danke euch dafür, dass ihr alle bei dem doch miesen Wetter ausgeharrt habt, bis auch wir „Langsamen“ endlich vorbei kamen.

Aber zurück zu besagtem  Ramsey-Hill 

Streckenplan und Profil des Kerzerslaufs

(c) kerzerslauf.ch

Schon auf dem Streckenprofil konnte ich erkennen, dass es da doch fröhlich auf und ab gehen soll (ich werde ja tatsächlich besser im Lesen solcher Pläne), und ein erfahrener Läufer, der den 20. Kerzerslauf absolvierte, hatte mich extra gewarnt, ich solle meine Energien einteilen – aber die 10-13% Steigung von km 9.3 bis 9.8 haben es echt in sich! Und nein, liebe Post, die aufmunternden Transparente machen es nicht wirklich einfacher:

Bewegung tut gut – oder?

Nicht aufgeben, wir stehen hinter dir! –> Ihr sollt nicht stehen, ihr sollt schieben!

Fast geschafft! –> Ja super, geht also noch weiter …

Na ja, offenbar gehen die Leute davon aus, dass Wut auch Energie ist :-). Eine echte Hilfe (auch wenn auch die weder gezogen noch geschoben haben) waren allerdings die Treichler, die mein Schritttempo sofort aufgenommen und verstärkt hatten. Danke auch euch, Jungs und Mädels!

Beim Kontrollschuss in Galaten hatte ich mehrere Minuten Reserve auf die Guillotine, war aber leicht langsamer, als ich es mir bei der ursprünglichen Laufplanung gedacht hatte. In Anbetracht der Verhältnisse war ich aber immer noch sehr zufrieden mit meiner Zeit, und Beschwerden hatte ich bei km 10.5 noch gar keine. Also weiter, vorbei wiederum an Musik und grillenden und anfeuernden ZuschauerInnen, vorbei an Helferstationen, bei denen man zwar schon mit dem Abbau begonnen hatte, aber dennoch auch für uns „Bernerinnen“ noch die komplette Auswahl bereit hielt: Tee, Wasser, Isostar … Auch hier ein herzliches Dankeschön an all die Heinzelmännchen und -Weibchen, die bei den Verpflegungsposten, als Streckensicherung, Samariter oder Fotografen Dienst taten und bei dem Wetter wohl mehr froren als wir, die wir uns ja immerhin bewegen konnten.

Kilometer 12 bin ich – ich schwör’s – 2x gelaufen. Ehrlich, ich war sicher, ich hatte den schon hinter mir, als ich die Tafel sah. Je nu, war offenbar nix … Also weiter, vorbei an einer Musik, die bereits am Einpacken war. Schade, aber verständlich. Kurz vor Kilometer 14 fand dann mein Knie doch, dass es jetzt dann allmählich reiche … Und offenbar hinkte ich stärker, als mir selbst bewusst war (denn es ist echt kein Vergleich mehr zu letztem Jahr), denn die Samariter sprachen mich an und wollten wissen, wie es mir gehe. Meine Antwort, viel besser als letztes Jahr, verwirrte sie sichtlich, aber mit ein paar Worten und dem Verweis auf die Orthese konnte ich sie beruhigen.

Kurz darauf erhielt ich, obschon ich nicht die Allerletzte war, ein eigenes Besenvelo: Armin Lauper coachte mich auf dem letzten Kilometer, wies auch darauf hin, dass mir eine Läuferin dicht auf den Fersen war – und spornte mich zum Schlussspurt an, so dass sie mich nicht überholen konnte. Kurz nach dem Ziel sind Barbara und ich uns aber in die Arme gefallen und haben einander gegenseitig gratuliert.

Auch mein Vater begleitete mich auf den letzten Metern, und so konnte ich stolz wie Bolle meine Medaille abholen – vergas aber im Trubel, mein Finishergeschenk. Je nu, ich trage ohnehin keine Mützen …

Meine Schlusszeit war besser, als befürchtet – ich hatte bei dem Wetter mit durchschnittlich  11 Min/ km gerechnet, es waren dann aber *nur* 10.51. Für den 2. Lauf im Jahr, bei dem spärlichen Wintertraining und den lausigen Wetterbedingungen für mich eine Zeit, die ich als Erfolg werte. Gemäss Mio war ich mit einem Durchschnittspuls von 136 unterwegs, 2 h. 20 innerhalb der definierten Zone, 14 Min darüber.

Und heute? Knie ist bereits wieder friedlich, ich habe keine Entzündung der Arthrose ausgelöst. Etwas Muskelkater habe ich allerdings …

Nachtrag vom 23.3.2015:
Hier die Bilder von Alphafotos.com

Und von Migros gibt’s diesmal zusätzlich im Finisher-Clip auch Aufnahmen von Unterwegs.
Notiz an mich: In Zukunft in der Nähe von Übergangsbögen KEINE Energieregel kauen!

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Kerzerslauf – 15 km

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