#Kerzerslauf 2016

Vor einem Jahr bin ich in Kerzers bei miesem Wetter 15 km gewalkt. Dieses Jahr waren es nur 5 – dafür bei schönstem Wetter. Und eins gleich vorne weg: Ja, ich darf mich auch an längere Distanzen  wagen. Vielleicht nicht gerade wieder 15 und sicher noch kein Halbmarathon, aber mehr als 5 wären drin gelegen. Und das, obschon ich bis gestern nicht sicher war, ob ich überhaupt starten dürfe. Denn seit Neujahr habe ich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: ständig einen salzigen Geschmack im Mund; Krämpfe in den Waden und den Füssen, manchmal auch im Nacken; grenzenlose Müdigkeit und extrem Probleme, morgens in die Gänge zu kommen. Eine Monatskur mit Vitasprint und Magnesium brachte etwas Entlastung, liess mich aber auch nicht zu Höchstleistungen auflaufen. Und kaum war die Kur vorbei, wurde alles wieder viel schlimmer – nun kamen noch Muskelzittern und eine komische Art Schwindel dazu, im Laufe des Nachmittags leichtes Fieber. Ich entschied daher, meine Blutuntersuchung, die eigentlich erst im April fällig gewesen wäre, vorzuziehen und mich zur Vorsicht nicht nur im Labor, sondern auch bei der Ärztin anzumelden. Und das war gut so, denn offenbar habe ich einen B12-Mangel – wie gravierend der ist, erfahre ich, wenn die Laborwerte kommen.

Die meisten Menschen  mit Magen-Bypass kriegen früher oder später Probleme, weil der so genannte Intrinsic Factor bei uns beeinträchtig oder gar nicht mehr vorhanden ist. Das B12-Depot in der Leber hält je nach Belastung ca. 3 Jahre an, bei mir war es sogar etwas länger – und das, obschon mein Bedarf an B12 eher erhöht ist, wegen der praktisch ständigen Einnahme von Anti-Histaminika und im letzten Halbjahr wegen der Entzündungen bzw. Abwehrreaktionen des Knies.  Meine Ärztin gab mir eine B12-Spritze, so muss das Vitamin nicht über den Magen, was die Aufnahme erleichtert. Je nach Blutwerten muss ich das ein paar Mal wiederholen … Ergänzend nehme ich jetzt B12 sublingual. Zusätzlich hat sie mich zum Chinesen geschickt – nein, nicht zum Essen: zum Nadeln!

Akupunktur statt Antihistamin?

TCM hatte man mir vor Jahren schon mal empfohlen gegen meine Allergien, ich merkte aber damals keine Verbesserung, litt aber Hunderttausend Tode während der Akupunktursitzung. Entsprechend skeptisch reagierte ich auf ihren Vorschlag … Aber auf der anderen Seite habe ich seit 2 Jahren massiv mehr Probleme mit den Allergien, also war es wohl einen Versuch wert. Wie um mir einen extra-Motivationsschub zu geben, erwähnte sie noch, dass es auch für mein Gewicht besser wäre, wenn ich die Antihistamin-Dosis senken oder sogar absetzen könnte: AH greifen in den Stoffwechsel ein und führen oft zu Gewichtszunahme – was erklären könnte, wieso ich seit Dezember zugenommen habe, obschon ich das Training, wenn auch moderat, wieder aufgenommen hatte. Tja, die bösen Haseln und Erlen legten ja sehr früh los, dieses Jahr, so dass ich keine Winterpause hatte.

Die erste Sitzung hatte ich nun gestern absolviert, und ich muss sagen, ich bin sehr erstaunt. Der junge Arzt setzte die Nadeln so, dass ich kaum was spürte, erst während der Wirkphase fühlte ich bei zwei Nadeln ein unangenehmes Gefühl – bei allen anderen aber ein immer stärker wehrendes Pulsieren, das sich noch steigerte, als er meine linke Körpermitte mit Infrarot bestrahlte. Er meinte, ich dürfe den Lauf wagen, wenn ich auf meinen Körper höre, ich hätte offenbar ein gutes Körpergefühl, so weit er das meinen Schilderungen entnehme. Und ich habe ja selber gesagt, die Müdigkeit nach dem Sport sei eine bessere Müdigkeit als die allgemeine … also: Go for it!

Wunder oder Einbildung?

Auf dem Heimweg hatte ich den Eindruck, dass ich besser atmen konnte: Nase und Nebenhöhlen wirkten freier, und ich konnte tiefer ein- und ausatmen, ohne Husten zu müssen. Einbildung oder echt? Ich traute der Sache nicht so ganz … Aber ich schlief gut und erwachte am Morgen nicht mit völlig verstopfter Nase. Die Fahrt nach Kerzers genoss ich entsprechend optimistisch, v.a. auch, weil das Traumwetter die Reise zu einem Vergnügen machte. Mir ging es so gut, dass ich vor dem Lauf nicht inhalierte, Symbicort aber zur Vorsicht mit nahm. Die Strecke führte rasch aus dem Dorf raus, in den Wald, aber obschon der Pollenrader für die Gegend auf stark stand, hatte ich absolut keine Probleme. Freu!

Knie ist nicht mehr Dreh- und Angelpunkt

Falls es euch nicht aufgefallen sein sollte: So ziemlich das erste Mal, seit ich mit Walken begonnen hatte, galten meine Sorgen nicht primär meinem Knie. Ich hatte schon längere Strecken absolviert, es war nicht rutschig – ich fühlte mich absolut sicher. Der Start war auf Beton, das ist sowieso kein Problem, dann gings auf Naturstrasse weiter. Etwas stutzig wurde ich, als eine längere Strecke mit Holzschnipseln kam – frisch aufgeschüttet, eine dicke Schicht, in der ich regelrecht einsackte. Früher wäre das ein riesiges Problem gewesen, heute fand ich es zwar anstrengend, aber überhaupt nicht schmerzhaft. So konnte mich auch die Passage durch den Sand nicht stressen, und als ich zu Kilometer 4 kam, war ich immer noch fit und munter. Umso mehr belustigte mich das Schild, das da stand:

Noch 1 km bis ins Ziel –  Amen!

Zum Glück war direkt hinter mir eines der zahlreichen orangen Paare, also eine sehbehinderte Läuferin mit ihrem Guide. Dieser las das Schild vor, wie vorher schon alle anderen, und so erfuhr ich, dass da nicht AMEN stand, sondern Arnen – eine Flurbezeichnung. Tja, das kommt davon, wenn ich meine Brille ausziehe, weil die vor lauter Schwitzen ständig anläuft … Der letzte Kilometer ging nur noch runter, und ich genoss es sehr, dass ich das erste Mal seit Jahrzehnten dabei schneller wurde – nicht langsamer. Und schon gar nicht aufs Zickzacken ausweichen musste. Solche Dinge mögen für die meisten von euch normal sein, für mich sind es kleine Wunder. Und ja, die Zeit pro Kilometer ist immer noch nicht berauschend, aber sie ist, trotz weniger Training, auch nicht schlechter geworden. Und so war ich mit meinem Resultat rundum zufrieden: 52.49,2 – darauf lässt sich aufbauen. Aber das Schönste:

Kein Sanitäter weit und breit!

Das erste Mal, seit ich walke, bin ich von den Kreuzrittern nicht kontrolliert worden, keiner hat versucht, mich aus dem Lauf zu nehmen. Hiphip Hurra! Nun kann ich die weiteren Läufe planen – und am Montag gehe ich wieder zu meinem stacheligen Arzt. Mal sehen, was er zu all dem meint …

Fazit:

Ein toller Lauf bei besten Bedingungen, im Ziel verwöhnt worden mit Bio-Rüebli, Äpfel und Bananen, danach fein und an der Sonne gegessen, in Bern mit Karin Tee getrunken, zu Hause die Goodie-Bag geplündert: eine Sporttasche, Datteln, Teigwaren, Duschgel, Waschmittel, Perskindol, Schoggi. Bin zufrieden – und weiss jetzt, dass ich wieder aufbauen kann.

(C) Fotos: www.schreib-lounge.ch; meine Laufbilder: www.alphafoto.com

 

 

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