Marina Lodge, Tag 13

Verwöhntag

Da es morgen auf die doch eher lange und anstrengende Heimreise geht, habe ich für heute einen Genusstag eingeplant. Nach dem Frühstück spazierte ich ein letztes Mal nach Port Ghalib, an „meinem“ Bicafé vorbei, das noch geschlossen hatte, zum Sandstrand. Den Laptop hatte ich im Hotel gelassen, schliesslich kann ich ja dank dem WLAN-Verstärker jetzt den Blog tatsächlich auch vom Zimmer aus aktualisieren – auch wenn ich jeweils erst vier- oder fünfmal das Netzwerk neu installieren muss, bis es endlich klappt.

Dafür hatte ich die neue Schnorchelmaske Easybreath mitgenommen, mit der ich aussehe wie eine Kreuzung zwischen Riesenameise und ET – oder, wie auf Facebook festgestellt wurde, wie eines der Teletubbies! Die Maske machte viel Furore, einige Mitgäste wollten sie auch ausprobieren, weil ich so begeistert war. Durften sie natürlich auch!

Schnorcheln mit dem Ding ist der Hammer: Die Maske liegt straff auf dem Gesicht, wobei Nase und Mund frei bleiben – der korrekte Sitz kann durch die verschiebbaren Träger angepasst werden. Der Schnorchel ist oben, quasi auf der Stirne, befestigt. Eine Wassersammelrinne verläuft rund ums Gesicht, unterhalb der Kinndichtung befindet sich ein Ventil – so kann allenfalls eindringendes Wasser fortlaufend abfliessen. Das Sichtfeld ist viel grösser als bei einer normalem Schnorchelmaske.

Das Resultat: Ich kann den Kopf die ganze Zeit bequem unter Wasser halten, durch den Mund oder die Nase atmen, und brauche zwischendurch nicht aufzutauchen, um das Mundstück samt Meerwasser auszuspucken oder Wasser aus der Maske zu entleeren. Das Ding läuft auch nicht an, so dass die Sicht während der gesamten Tour rund ums Riff perfekt ist. Der Wasserstopp des Schnorchels funktioniert gut – und das muss er hier auch, denn obschon der Strand unmittelbar am Ufer sehr flach ist und man am Anfang so dicht über die Korallen schwimmt, dass ich am Anfang Angst hatte, ich würde mir den Bauch aufschlitzen, fällt das Riff keine 10 m vom Ufer steil ab. Wenn du da, wie es mir teilweise passiert, einem Fisch nach unten folgst, bist du schneller unter Wasser, als du Blubb sagen kannst! Ich bin so begeistert, dass ich meine alte Schnorchelbrille einem Gast schenke, der ohne angereist ist – ich werde nur noch mit der Easybreath abtauchen!

Zwischen den Schnorchelgängen lese ich meinen Krimi fertig und staune einmal mehr darüber, wie sich gewisse Menschen ihre Ferien selber vermiesen: In den Cafés entlang der Corniche kostete der Espresso offenbar die letzten Tage immer 2 Euro, heute aber 2 Euro 50. Einem Gast aus Deutschland leuchtete das nicht ein, er stauchte den Kellner zusammen, ob er ihn bescheissen wolle; kein Wunder, gehe dieses Land vor die Hunde, so würden die Touristen ja garantiert kein weiteres Mal kommen etc. Ich versuchte zu vermitteln und fragte, wieso die Preise sich geändert hätten. Der Kellner erklärte, es seien immer noch 20 Ägyptische Pfund pro Tasse, aber der Wechselkurs habe geändert, von 8,75 auf 8. Wieso, das konnte er mir auch nicht erklären, aber da Ägypten ja nicht gerade über eine stabile Wirtschaftslage verfügt, konnte ich mir eine derartige Schwankung schon vorstellen. Nicht so der Kollege aus Deutschland: Er stritt sich mehr als eine Viertelstunde, erst mit dem Kellner, dann mit dessen Vorgesetzten. Ich ging zurück an den Strand und liess ihn wettern, dachte aber bei mir: Wegen der paar Cents lohnt es sich doch nicht, solch einen Aufstand zu machen! Denn selbst wenn diese Preisanpassung willkürlich erfolgt sein sollte, kann er ja morgen seinen Kaffee wo anders trinken – oder in Ägyptischen Pfund bezahlen, dann stellt sich das Problem nicht, denn die offiziellen Preise sind deutlich angeschrieben.

Als er endlich zurück an den Strand kommt, beschwert er sich bei anderen Gästen aus dem Hotel und wiederholt seine ganze Litanei … Ich schalte auf Durchzug, aber etwas später spricht er mich direkt an: «Gib zu, dich ärgert so was auch! Du getraust dich nur nicht, etwas zu sagen und machst lieber einen dicken Hals …» Ehm, nein! Ich bin vielleicht etwas verwundert, frage dann, wie getan, nach der Ursache, und dann bezahle ich den geforderten Betrag, weil mir die Begründung a) plausibel erscheint und b) der Kaffee immer noch billiger ist als in der Schweiz und c) sogar wenn die die Preise willkürlich erhöht hätten, weil sie denken, ich sei eine naive Touristin und könnte es mir leisten, wäre ich nicht bereit, mir den Tag vermiesen zu lassen.

Witzig finde ich ja, dass der selbe Mensch sich auch beschwert, dass alle (!) Angestellte im Hotel unfreundlich und arrogant seien. Ich empfinde die wenigsten so: Mir lächeln sie zu, winken mir, wenn sie mich auf meinem Spaziergang oder in der Hotelanlage sehen. Im Speisesaal ist der Chef de Service oft genervt, das gebe ich zu, und ich habe mich auch schon gewundert, wie der teilweise reagiert, wenn ein Gast zum Beispiel nach einem Dessertlöffel fragt. Die gibt es hier nämlich nicht, nur Suppenlöffel. Er bringt dann, wenn überhaupt, einen der Plastiklöffel, die bei der Kaffeemaschine liegen, und reagiert unwirsch, wenn jemand einen richtigen Löffel wünscht. Und einer der Abräumkellner wirkt auf den ersten Blick recht arrogant – bei ihm habe ich aber den Eindruck, das sei eine Art Schutz, weil er weder Deutsch noch Englisch versteht. Der tut dann so, als habe er nichts gehört oder als sei er nicht zuständig … Ich nehme einmal mehr zur Kenntnis, dass wir beide zwar im gleichen Hotel logieren, aber offenbar in verschiedenen Welten leben.

Gegen 3 Uhr mache ich mich auf den Rückweg ins Hotel. Ich  finde immer noch überall meine Abdrücke und werde mir bewusst, dass die wohl noch tage- oder vielleicht wochenlang hier sein werden, auch wenn ich längst schon wieder zurück in der Schweiz sein werde … Ich dusche und wasche mir das Salz aus den Haaren, surfe anschliessend etwas im Internet und gehe dann zu meiner letzten Massage. «Soft and relaxing» wünsche ich mir, und schon bald schnurre ich wie ein zufriedenes Kätzchen vor mich hin. Nach vierzig Minuten erhebe ich mich nur ungern von der Liege, und bedanke mich herzlich bei dem jungen Mann, der mich die ganze Zeit hervorragend betreut hat. Und er, der sonst kaum ein Wort gesprochen hat, sagt zu mir: «I will miss your sunny smiley face. Please do come back again another time!» Und dann beugt er sich vor und drückt mir ein Küsschen auf die Wange und wünscht mir einen guten Heimflug, und dass ich gesund bleibe. Ich bin gerührt!

Auf dem Zimmer lege ich die restlichen nassen Sachen auf den Balkon zum Trocknen und packe in den Koffer, was nicht mehr benötigt wird. Dann geh ich essen, ausnahmsweise nicht alleine an einem Tisch, weil die Leute, bei denen ich am Strand war, mir einen Platz reserviert haben. Auch der streitbare Deutsche ist da, und regt sich schon wieder auf, diesmal über einen Kellner. Immerhin: Das Essen findet er Klasse! Ich nehme schmunzelnd zur Kenntnis, dass die beiden anderen Damen ihm zwischendurch recht deutlich Paroli bieten: Offenbar haben sie sich die letzten Tage immer am Strand getroffen, und sie scheinen zu wissen, dass er leicht entflammbar ist – nehmen das aber nicht so ernst. Er scheint es ihnen nicht über zu nehmen, denn er bedauert, dass sie morgen auch abreisen. Vielleicht ist er ja gar nicht so hart und arrogant, wie er bei mir ankommt, wenn man mehr Zeit mit ihm verbringt … Wobei ich nicht wirklich traurig bin, dass ich keine Zeit habe, das herauszufinden. Ich verabschiede mich, wie immer, recht früh, denn auch heute habe ich keine Lust, in die verrauchte Bar oder in die Disco zu gehen. Da verbringe ich lieber noch etwas Zeit mit dem Blog und auf Facebook …

Morgen habe ich knapp 3 Stunden Autofahrt vor mir, aber diesmal wenigstens bei Tageslicht, so dass ich noch das eine oder andere Foto werde machen können. Und ich habe ein Wasserfläschchen eingepackt, dann werde ich diesmal auch nicht verdursten …

Ich freue mich auf mein Zuhause, meine Katzen und „meinen“ Flecken. Ich habe für den Samstag einen Auftrag der Botschaft, für einen Bericht über die Kriminacht, und genügend Arbeit für die nächsten zwei Wochen.

Das Jahr fängt gut an!

 

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