Moutohora Island

Lovey hat einen Vogel

Kurz nach 8 Uhr kommt der erlösende Anruf: Der Ausflug nach Moutohora, auf die Walinsel, kann stattfinden! Sue, meine Landlady von der Asura Barringtons Motor Lodge überbringt mir nicht nur die erfreuliche Nachricht, sondern fährt mich auch gleich zum Treffpunkt: Vor der Abreise muss ich nämlich durch die Bio-Security.

Moutohora steht unter Naturschutz und wird vom Department of Conversation DOC zusammen mit Vertretern der Ngati Awa, dem ortsansässigen Maori-Stamm, betreut. Die Insel wurde vor rund 800 Jahren von den Maori besiedelt. Später wurde hier viel abgeholzt, um Steine zu schlagen und telweise Salz zu gewinnen. Die Arbeiter hatten Ziegen, Ratten, Katzen und Hasen mitgebracht, welche die einheimischen Vögel und Kleintiere dezimierten. 1965 wurde die Insel unter Naturschutz gestellt, die Ziegen, Ratten, Katzen und Hasen wurden eliminiert, einheimische Pflanzen und Tiere angesiedelt.

Mehr zur Geschichte der Insel und des Naturschutzgebietes (auf Englisch).

Die Insel ist inzwischen bekannt für ihre reichhaltige Vogelwelt. Gehört haben wir viele – gesehen nur wenige. Vermutlich wären es mehr gewesen, wenn die zwei Paare aus Australien sich nicht die ganze Zeit lautstark gegenseitig überboten hätten mit Geschichten von seltenen Vögeln, die sie auf anderen Reisen schon gesehen haben … Resistent gegen böse Blicke oder hässige „Pssst“ vertrieben sie auch die gutmütigsten Vögel! Der Soundtrack der Insel (also: ohne die Australier) könnte man allerdings ungeschnitten als Medidations-CD verkaufen: Vogelgezwitscher, Wind, Wellen … Herrlich!

Von den Tieren, die in der Broschüre erwähnt werden, sahen wir auch nur einige: Fur seals, Geckos und Delfine. Die zweite Gruppe sah offenbar auch einen Tuatara (eine Art Mini-Drachen), und der Guide sichtete einen der blauen Pinguine.

Kiwis sahen wir erwartungsgemäss keine, obschon die Tiere vom Kiwi Trust auf der Insel wieder angesiedelt und überwacht werden. Erstens sind die Tiere nachtaktiv, zweitens gelingt die Brut nicht wie gewünscht, weil die angesiedelten Paare offenbar von den Muttonbirds zu sehr belästigt werden. Zur Zeit werden junge, bereits geschlüpfte Kiwis vom Festland auf die Insel gebracht, wo sie, geschützt vor Jägern, aufwachsen können, bis sie gross und stark genug sind  – dann werden die wieder aufs Festland gebracht. Und Schutz braucht so ein Kiwi!

Das Ei des Kiwi-Weibchens ist, im Vergleich zum Körper des Vogels, riesig: Als ob eine Frau von 15 Kg Körpergewicht ein 10-Kilo-Baby gebären müsste! Und davon gibt’s im Abstand von 2 Wochen, gleich 2! Immerhin, nach der Strapaze übernimmt der Mann – er brütet die Eier in rund 75 Tagen aus. Nach der Geburt haben die Küken eine Art Dottersack dort, wo wir den Bauchnabel haben, den verdauen sie in den ersten rund 5 Tagen – danach sind sie auf sich alleine gestellt und müssen sich ihr Fressen selber zusammensuchen. Dabei sind sie naturgemäss leichte Beute für Ratten, Katzen etc. – deshalb ist dieses Naturschutzgebiet so wichtig für das Überleben der Spezies.

Die Landschaft und die Vegetation waren allerdings sehr eindrücklich – vor allem auch verglichen mit den Bildern von 1960, wo hier kaum mehr ein Baum gestanden ist. Ich genoss die Wanderung durch den Busch und freute mich, dass ich praktisch überall ohne Hilfe hin kam, nur zweimal hiel ich mich zur Vorsicht an hilfsbereiten Mitreisenden fest, als es recht steil abwärts bzw. über grosse Steine ging.

Da auch diese Insel vulkanischen Ursprungs ist, gibt es hier unter dem Sand heisse Quellen. Wenn man im Sand am gleichen Ort lange stehen bleibt, spürt man, wie es unter den Füssen immer wärmer wird … Noch schneller geht es, wenn man sich ein Schlammbad gräbt – wobei man beachten muss, einen Zugang zum Meer zu behalten, um notfalls kühlen zu können! Ich habe vergessen, die Badesachen mitzunehmen, und ging deswegen nur mit den Beinen ins Wasser. War herrlich!

Auf der Insel gibt es ein Häuschen, das ideal wäre für Naturfreunde. Es wird aber nur noch von DOC-Mitarbeitenden oder Leuten aus dem Kiwi-Trust gebraucht, weil die Leute Schindluder getrieben haben: Muscheln gesammelt, Feuer gemacht etc, Der Zugang zur Insel wird streng überwacht, damit keine fremden Samen oder fremde Tiere eingeschleust werden – wobei wilde Tauben, die vom Festland zur Insel fliegen, den Schutz teilweise unterlaufen bzw. unterfliegen. White Island Tours darf seit 4 Jahren geführte Touren anbieten, unter streng kontrollierten Bedingungen, inkl. Bio-Security Check (Gepäck und Schuhe werden nach Insekten und Samen abgesucht und desinfiziert), Routen sind vorgegeben, Demonstrations-Gegenstände dürfen nur an speziellen Punkten aufgestellt werden – z.B. kleine Tunnel, in denen Löschpapier und Tinte so ausgelegt werden, dass die Tiere, die durch Erdnussbutter oder ähnliche Köder angelockt werden, ihre Spuren hinterlassen. Ein Helikopterlandeplatz steht nur für Notfälle oder für die Transporte der Forscher zur Verfügung, nicht aber für Ausflüge. In der Nähe der Hütte steht eine Statue, welche die Ngati Awa hier zu Ehren ihrer Vorfahren aufgestellt haben, dekoriert mit einigen Wirbeln eines tot gestrandeten Wals und schönen Muscheln.

Eine Ausnahme gegenüber den normalen Naturschutzbestimmungen gibt es allerdings: Seit einiger Zeit dürfen die Ngati Awa wieder Muttonbird-Küken einsammeln und im eigenen Fett kochen. Dieser Bestandteil ihrer Kultur konnte wieder frei gegeben werden, nachdem sich der Bestand der Vögel erfreulich vermehrt hatte – allerdings unter streng kontrollierten Bedingungen.

Video von White Island Tours – Kajak habe ich allerdings nicht gemacht 🙂

Auf der Hin- und auf der Rückfahrt haben die Delfine mit uns gespielt:

Bei der Abfahrt vom Strand sahen wir zudem 2 Stachelrochen – allerdings sind die auf dem Foto nur schwer zu erkennen. Auch die Fur Seals musste ich stark heranzoomen. Die waren auf den Felsen teilweise kaum zu erkennen! Ein paar schöne Fotos gab’s aber doch 🙂

Nach der Rückkehr in den Hafen kaufte ich mir im Supermarkt eine Kleinigkeit zum Essen – und fotografierte für meinen Kollegen eine Auswahl an Fleisch- und Käseprodukten. Urs, du hast recht: Käse IST hier extrem teuer! Zurück im Hotel duschte ich und legte die Füsse hoch, während ich die Bilder bearbeitete, dann spazierte ich wieder zu Bianca und Freyja, um den Tag bei einem feinen Grüncurry zu beschliessen – und Pläne für den letzten ganzen Ferientag zu spinnen. Wenn das Wetter mitspielt, fährt Bianca mit mir ins Kiwi Enclosure. Wenn nicht, lassen wir uns was anderes einfallen …

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