#Nordlandreise, Tag 12: Helsingborg

Ich glaub es nicht! ich wache auf, werfe einen Blick auf den TV-Sender mit der Bugkamera – und sehe Sonnenschein! Das ist ja ganz was Neues! Ich ziehe mich an und gehe frühstücken: auf dem Sonnendeck! Zugegeben, so wirklich warm ist es nicht, knapp 13 Grad, aber immerhin … Ich suche mir eine windgeschützte Stelle und lese etwas. Wir erreichen Helsingborg mit etwas Verspätung, und es dauert eine Weile, bis wir die Freigabe für die Tenderboote kriegen. Da ich keinen Ausflug gebucht habe, muss ich auf das sechste Boot warten – das gab mir Zeit, mich noch kurz auf Deck 6 umzusehen, wo ich bis jetzt kaum war. Spontan entschied ich mich, für heute Abend einen Tisch im La Cucina zu reservieren: Zum Abschluss meiner Ferien lasse ich mich verwöhnen!

Ih nutze die Gelegenheit, gleichzeitig 2 Empfehlungskarten abzugeben: Man kann auf der NCL seinen Vacation Hero benennen – ein Crewmitglied, das einen durch speziellen Service oder durch seine Art besonders beeindruckt hat. Ich wähle Carl, den Fotografen, der mich auf sensationelle Weise porträtiert und mit seinen Gesprächen bereichre hat, und Antoine, den Barkeeper, der mich mit seinem Hot spiced Whisky wieder auf die Beine gebracht hat. Ich habe auf meiner Führung hinter die Kulissen gesehen, dass die Originalkarten im Crewbereich aufgehängt werden, diese haben offenbar einen recht hohen Stellenwert. Natürlich unterstreiche ich meine Dankbarkeit aber auch mit einem Trinkgeld – von Worten allein leben die Jungs ja nicht! Wobei die hier bei NCL sehr pragmatisch sind und ein pauschales Trinkgeld kurzerhand auf die Schlussabrechnung schlagen, pro Erwachsene/r 12 Euro pro Tag. Dieses wird unter allen Angestellten verteilt, was bei knapp 2500 Reisenden und gut 1400 Angestellten rund 20 Euro pro Tag ausmacht – ein willkommener Zuschuss zum Salär, das erfahrungsgemäss nicht wahnsinnig hoch ist. Ich finde es beeindruckend, was die Leute während ihrer 9 Monate an Bord leisten – weit weg von Familie und Freunden, ohne Freitage, auf engstem Raum, immer mit einem Lächeln. Heute habe ich beobachtet, wie die Angestellten eine Frau begrüsst haben, die offenbar schon früher an Bord der Norwegian Star gearbeitet hat und jetzt, nach ihren Ferien zu Hause, wieder an Bord kam. Da war so viel Freude, eine so riesige Begeisterung – einige hatten offenbar nicht gewusst, dass sie hier zusteigt und liessen fallen, womit sie gerade beschäftigt waren, um sie in die Arme zu schliessen. Spricht für das Betriebsklima, finde ich …

Diashow in kleiner Auflösung, ideal für mobile Nutzung

 Grössere Auflösung hier

Kurz nach eins konnte ich Tender Nummer 6 besteigen und übersetzen. Helsingborg ist ein wunderschönes Städtchen mit einer ausgedehnten Fussgängerzone und zahlreichen wunderschönen Häusern. Ich geniesse einen ausgiebigen Spaziergang, kaufe etwas Tee in einem wunderschönen Laden und versuche für Monika einen Pullover zu finden – leider vergeblich, die sind alle viel zu schmal in den Schultern.Vielleicht finde ich ja in Kopenhagen noch einen, der passt.

Die Stadtgärtner haben überall Dekorationen mit Zierkabis aufgestellt, was sehr hübsch aussieht. In einem der Parks sind sie gerade daran, hunderte von Blumenzwiebeln einzusetzen. Sie freuen sich sehr, als ich sie für ihren Einsatz bewundere und lassen sich gerne fotografieren. Auf zahlreichen Plätzen in der Stadt gibt es Gratis-Wifi, was ich ausnütze, um Mails, Facebook und Twitter zu checken – auf dem Schiff habe ich nur noch wenige Minuten zu gut, weil die Verbindung gestern so furchtbar schlecht war, dass das Hochladen ewig dauerte …

 

Kurz vor vier lasse ich mich zum Schiff zurückbringen. Einer der Jungs erhält Fahrstunden und darf offenbar zum ersten Mal alleine andocken. Er braucht einige Anläufe, aber sein Kamerad und Lehrer ermutigt ihn, und die Gäste sind äusserst aufmunternd. Er kriegt sogar Applaus, was ihn sichtlich verlegen, aber irgendwie auch süss macht.  Ich gönne mit eine Hühnersuppe, bevor ich in die Kabine gehe, um das meiste einzupacken: Heute nach Mitternacht wollen die meinen Koffer vor der Tür haben, so dass ich mich morgen nur um das Handgepäck kümmern muss. Mein  Kabinensteward, Eduardo, hat mir zum Abschied einen kleinen Eskimo gebastelt, mit einem Post-it-Zettel in der Hand, in der er sich handschriftlich bei mir bedankt für die angenehme Zeit – und mir einen guten Rückflug wünscht. Gutes Self-Marketing 🙂

 

Ich überbrücke die Zeit bis zum Nachtessen damit, meine Fotos und den Blog vorzubereiten und mich mit einem Martini auf den Abend einzustimmen. Mit dem Hochladen warte ich noch etwas: Vielleicht kommen ja noch ein paar Fotos von heute Abend dazu, vom Restaurant oder der Show, die spektakulär werden soll. Falls ich so lange durchhalte … Erst aber beginne ich mit Packen, die wollen schliesslich spätestens um Mitternacht meinen Koffer vor der Tür stehen haben.

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Essen und Service im La Cucina waren hervorragend, die Portionen aber erwartungsgemäss zu gross … Von daher waren die Buffets im Market Place auf jeden Fall für mich die günstigere Wahl. Dennoch: Heute Abend habe ich es genossen, mich bedienen zu lassen; habe wunderbar frisch gebackenes Brot in aromatisches Olivenöl getunkt; als Vorspeise ein Carpaccio und als Hauptgang Scampi mit Safranrisotto und einer Gemüseroulade bestellt, dazu ein vollmundiges Glas Rotwein – und zum Dessert ein Panna Cotta mit Fruchtkompott. Während der Vorspeise wurde das letzte Tenderboot neben mir hoch gezogen – mit etwas Verspätung, weil man eine halbe Stunde auf 2 Passagiere gewartet hat, die nun wohl mit dem Zug nach Kopenhagen fahren werden …

 

Ich aber spazierte nach dem Essen pappsatt und leicht beschwipst durch die Einkaufsarkade und erstand zwei Souvenirs für meine Mädels, die mich schon  die ganze Zeit angeblinzelt hatten (die Souvenirs, nicht die Mädchen). Und ich holte mein letztes Foto ab, das Carl während des Nachtessens von mir geschossen hatte. Recht frech, mit dem Weinglas in der Hand … Passt!

 

Und da die Show in wenigen Minuten beginnt, suche ich mir einen guten Platz – und das hat sich gelohnt: Unter dem Titel ELEMENTE gaben die zahlreichen Mitwirkenden eine hinreissende Show mit Tanz, Gesang, Magie, Akrobatik und Feuershow – perfekt choreografiert und mit tollen Lichteffekten. Leider durfte man das nicht fotografieren … Hat aber Spass gemacht! Zum Schluss gab es den obligaten Dank an uns, die Gäste, an VertreterInnen der Crew aus allen Abteilungen – und, mit einem verschmitzten Lächeln – an Happy Happy und Washy Washy. Violetta kann richtig gut tanzen! Hut ab!

Wir kommen morgen recht früh in Kopenhagen an, wenn alles klappt, wollen die alle abreisenden Gäste um 9.45 von Bord haben. Meine Gruppe sollte um 9.15 dran sein, so habe ich genügend Zeit, um einzuchecken. Auch wenn ich es fies fand, als einige Gäste erzählten, dass sie an Bord bleiben und bis  nach Miami weiterfahren dürfen: Ich freue mich auch wieder auf meine Engelburg – und auf meine beiden Tiger.

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