#sbbservicescout – oder wenn BloggerInnen in Fahrt kommen

Die Kluge schreibt im Zuge

Auch wenn ich seit Jahren nicht mehr aus beruflichen gründen pendle – ich fahre immer noch oft und gerne Zug. Seit ich hier im Flecken (für Nicht-Einheimische: in Bad Zurzach) wohne, habe ich kein Auto mehr, und Mobility habe ich in den letzten 3 Jahren genau 3x genutzt. Ich liebe Zugfahren, weil ich das sehr gut Leute beobachten kann und immer wieder Lustiges, aber auch Berührendes und nachdenklich Stimmendes mitbekomme. Diese Geschichten fliessen in meine Kolumnen (November 2015)  ein, in Postings auf Facebook und Twitter und teilweise in Blogposts. Was ich seit kurzem weiss:

Die SBB liest mit!

Im Februar wurde ich angefragt, ob ich die SBB ein Jahr lang offiziell begleiten möchte, mit einem zusätzlichen Augenmerk auf Themen, welche die Zufriedenheit der Reisenden beträfen. Gefragt seien ausdrücklich nicht nur Lob, sondern auch Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ich durfte Themen eingeben, zu denen ich mich im Laufe des Jahres speziell äussern möchte – und über die ich von Seiten der SBB mehr erfahren will. Noch weiss ich nicht, was davon alles umgesetzt werden kann, aber ich hoffe, dass ich an dieser Stelle bald mehr berichten kann. Zum Beispiel über barrierefreies Reisen: Was es dazu hinter den Kulissen alles benötigt; wieso das so kompliziert ist, wie es mir manchmal vorkommt, und was geschehen müsste, damit ich auch mit meinen mobilitätseingeschränkten FreundInnen spontaner verreisen könnte. Oder wieso es im Post-Auto funktionierendes WLAN gibt, aber im Zug, der in die gleiche Richtung fährt, nicht einmal 3G …

Der Knotenbleistift als Mystery-Tester

Unter Sbb-Zufriedenheit,ch werden meine Aussagen sowie die von weiteren Servicescouts gebündelt und publiziert, wobei die Posts automatisch abgesaugt werden, wenn ich sie mit dem Hashtag #sbbservicescout kennzeichne. Ich bin also, wie früher zu Studienzeiten, wieder Mystery-Tester. Ein Unterschied gibt es allerdings: Damals wurde mir genau vorgeschrieben, was ich einzukaufen und ggf. später umzutauschen hatte, um den Service des Verkaufspersonals zu testen. Ich erhielt das Geld für die Ware im Voraus, musste aber die ganzen Einkäufe jeweils zusammen mit dem ausgefüllten Fragebogen wieder abgeben – entschädigt wurden wir Mystery-Shopper im Stundenansatz. Da das Produkt der SBB die Reise ist, geht das mit dem Zurückgeben naturgemäss nicht:

Die Billets für diese Reisen werden von der SBB bezahlt.

Geplant sind ca. 6 Aufgaben pro Monat, mit Augenmerk auf jeweils einen der 8 Zufriedenheitspunkte, welche die SBB in den Fokus der Kampagne stellt  – und zu denen auch du dich äussern kannst, jeden Tag, wenn du willst: In der täglichen Zufriedenheitsumfrage.  Die günstigste und einfachste Art, uns #sbbservicescouts für diese Reisen zu entschädigen, ist natürlich das GA: Damit sind wir völlig flexibel, können die Reisen spontan planen und umsetzen. Und ja, natürlich profitiere ich auch privat davon – schliesslich kann ich dieses GA auch dann nutzen, wenn ich nicht im Auftrag unterwegs bin.

Bin ich denn noch objektiv?

Natürlich freue ich mich, dass die SBB meine Texte offenbar schon ohne Hashtag gelesen hat und mich für diese Aufgabe ausgesucht hat. Blauäugig bin ich aber nicht: Es gibt eine klare Vereinbarung, die mir journalistische Freiheit zusichert, wie ich sie für meine Blogposts auch sonst immer in Anspruch nehme. Wie bei anderen Blogposts auch, wird es jeweils einen Disclaimer geben (ein Beispiel dazu findet ihr hier).

Der Blick findet: Nein …

Unter dem Titel «SBB sponsern Service Scouts – Sei kritisch–fahr gratis!» wird das Konzept hinterfragt (was das gute Recht jedes Journalisten ist) – allerdings ohne dass jemand mit mir gesprochen hätte. Sonst hätte ich denen das, was ich jetzt hier ausgeführt habe, erklärt. Oder, wenn die Leute etwas mehr Geduld gehabt und meine Texte gelesen hätten, wären sie von selbst auf den Disclaimer gestossen. Aber eben: Mich hat keine/r gefragt. Und es kann nicht daran gelegen haben, dass sie mich nicht gefunden hätten…  🙂

Aber bitte, lieber Blick: Falls ihr das Gefühl habt, ich schriebe nur noch weichgespült über die SBB, dürft ihr  – oder auch alle anderen, die das lesen – mich jederzeit herausfordern:

Diskutiert mit!

Ihr dürft mir jederzeit widersprechen oder ergänzen – in den Kommentaren oder in den Social Media. Ihr könnt mich auf Themen aufmerksam machen, über die ihr mehr wissen möchtet – oder auf Aspekte, die ich beim Reisen nicht mitbekomme, weil ich zum Beispiel eben gerade NICHT pendle (und die überfüllten Pendlerzüge sind ja für viele von euch ein Thema) oder nie mit Kinderwagen unterwegs bin (was auch nicht immer reibungslos zu funktionieren scheint). Ich habe (noch) keine Ahnung, ob Vegetarier oder Veganer sich in den SBB-Zugrestaurants angemessen verpflegen können (bin mir aber ziemlich sicher, dass Martin darüber schreiben wird,, wie es ihm mit seiner Zöliakie dabei geht). Sicher gibt es weitere Aspekte, die ihr kritisch hinterfragt haben möchtet – und die ich oder die anderen #sbbservicescouts gerne aufnehmen.

 

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3 Gedanken zu „#sbbservicescout – oder wenn BloggerInnen in Fahrt kommen

  1. Mir ergeht es wie Nicky, ich wate mit Spannung! Lustig, wie Blick im Voraus weiss, wie weichgespült du schreiben wirst! Aber eben, das ist ja nichts Neues!

  2. Liebe Lovey,

    Ich bin gespannt auf deine Berichte. Da auch ich seit Jahren ausschliesslich mit ÖV unterwegs bin, kenne ich durchaus einige dieser Schwierigkeiten und sehe sicherlich auch das eine oder andere Verbesserungspotential von Seiten SBB. Du sprichst hier ja auch schon einiges an und so kann ich kaum erwarten, was du in der nächsten Zeit so alles erfahren wirst.

    En liebe Gruess
    Nicky

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