Schutz der Familie

Welche Familie soll geschützt werden?

Im Laufe der Twitterdiskussion der letzten Woche zur Heiratsstrafe und dem PartG wurde immer wieder die Familie thematisiert, wie wichtig deren Schutz sei etc. Dass ich mit diesen Pauschalaussagen Probleme habe, zeigte ich bereits in den verlinkten Artikeln. Kurz überlegte ich mir, ob ich das in einem separaten Text verwursteln sollte, liess es dann aber bleiben.

Bis ich gestern einen Werbespot sah, der sich mit dem Thema Schutz der Familie beschäftigte – auf doch eher irritierende Weise. Der aktuelle Spot ist leider (?) noch nicht online, aber zu meinem Erstaunen gab’s da bereits einen Vorläufer, etwas dezenter (!):

Sie tun  alles für den Schutz Ihrer Familie

Offenbar kann man mit diesem Schlagwort alles, aber wirklich alles verkaufen!

Aber welche Familie soll den nun geschützt werden?

Im Werbespot ist die Sache klar: Mutter, drei Kinder – aber hallo? Wo ist der Vater? Wahrscheinlich gerade bei der Arbeit …

Dass eine Familie nicht zwingend so aussehen muss, ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben worden – je nach Standpunkt natürlich unterschiedlich:  Wikipedia, Beobachter, TeenGeneration, ZdK Psychologie heute, Tatsachen über Deutschland, BfS, Familienleben,  ProFamilia, BR-Online, PlanetSchule, Regenbogenfamilien etc.

Ich finde Haltungen von „Es kann nur eine Familie geben – Vater, Mutter und Kind(er)“ bis hin zu 9 Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen (vielleicht gibt’s noch mehr …) sowie Lebensgemeinschaften, die sich als Familie verstehen, aber keine leiblichen Kinder haben – gewollt, oder weil sie das von Gesetzes wegen nicht dürfen (Stichwort Adoption für Schwule / Lesben).  Menschenrechtskonvention, nationale Rechtssprechung sowie die meisten Parteien setzen auf das so genannte klassische Familienmodell (also Vater, Mutter und Kinder).

Nur: So klassisch ist das gar nicht! Dieses Familienmodell entstand nämlich erst im 19. Jhd., wie unter anderem dieser Artikel aus dem Tagesanzeiger vom 6.11.2013 oder dieser Beobachterartikel über die Familie des Mittelalters zeigen.

Mein persönliches Fazit:

  • Familie ist – wie jedes gesellschaftliche bzw. rechtliche Konstrukt – nicht statisch, sondern wandelt sich.
  • Es existieren nicht nur hintereinander (historisch) verschiedene Familienmodelle, sondern auch nebeneinander (kulturell, soziologisch etc).
  • Geschützt werden muss nicht ein Abstraktum (DIE Familie), sondern einzelne Menschen innerhalb ihrer gewählten Lebensgemeinschaft.
  • Da Kinder die schwächsten Glieder in jeder Gesellschaft sind, sollte ihr Schutz besondere Aufmerksamkeit geniessen – und zwar möglichst frei von Ideologien, bezogen auf deren aktuelle Situation.  Oder anders gesagt: Wenn ein Kind zwei liebevolle Väter bzw. 2 Mütter hat, die es umsorgen, ist es in einer heteresoxuellen Pflegefamilie oder einem Heim NICHT per se besser aufgehoben.
  • Ob ein Paar Kinder adoptieren darf (Fremdadoption oder Stiefkindadoption) sollte einzig davon abhängen, ob die beteiligten Erwachsenen in der Lage sind, dem Kind ein Daheim zu bieten – mit der entsprechenden Liebe, Geborgenheit, finanziellen Absicherung etc., wie sie bei der erlaubten hetereosexuellen Adoption bestehen. Das Geschlecht darf meiner Meinung nach keine Rolle spielen.
  • Um Kinder zu erziehen braucht es nicht nur 2 Erwachsene und allenfalls Geschwister, sondern eine Strasse, ein Dorf, eine Gemeinschaft. Dieses bunte Nebeneinander sorgt dafür, dass das Kind in Kontakt kommt mit unterschiedlichen Rollenverständnissen – auch, was Geschlechterrollen angeht.

 

Ein Gedanke zu „Schutz der Familie

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