Skiing with heroes

Eine Non-Profit-Organisation, die mich beeindruckt

Letzten Samstag war ich, auf Einladung meiner Freundinnen der British Residents Association, an einem Mittagessen, das diese zusammen mit der RAFA organisierten. Für mich schien dies eine gute Gelegenheit, meine Britischen Freunde zu treffen und meine schottische Seite auszuleben, das Menü klang lecker, die Speaker kannte ich zwar nicht, aber die Reden dürften auszuhalten sein, dachte ich mir. Ersteres traf durchaus zu, ich sah bekannte und neue Gesichter, hatte wunderbare Gespräche und ein feines Mittagessen.

Die Reden trafen mich allerdings tiefer, als ich im Vorfeld gedacht hatte:

Julian Gilly, Hauptmann der Schweizer Armee, Experte für Bombenräumung

Julian Gilly, Hauptmann der Schweizer Armee, Experte für Bombenräumung

Julian Gilly, Bombenräumsexperte in der Schweizer Armee, erzählte von seinen Einsätzen in Lao und im Kosovo. Er sprach von den Millionen, die das Abwerfen der Bomben kostete – und dass dies nur ein Bruchteil der Kosten seien, die das Zeugs seither verursachte. Nicht nur wegen der damaligen Todesfälle und jenen, die jetzt noch, Jahre später, durch Blindgänger verursacht wurden, sondern auch für die Sicherung gewisser Landstriche, für die Räumung, für den Schaden im Bereich Umweltschutz, für Folgekonflikte, wenn gehortete Waffen zu neuem Einsatz kommen. Bei den Minen habe es wenigstens noch berechenbare Muster gegeben, so dass die Räumer, wenn sie eine Mine fanden, ziemlich genau wussten, wo sie nach weiteren suchen mussten. Bei modernen Clusterbomben ist dies nicht mehr der Fall – die verteilen sich völlig zufällig über riesige Landstriche, sind klein und schwierig zu erkennen. Da hilft auch kein Räumungsroboter – da müssen Menschen raus. Julian sprach aber auch darüber, wie der „Fortschritt“ bei den Bomben sich auf die Menschen auswirkt – und zwar nicht nur auf die jeweiligen Gegner: Am Beispiel Kosowo zeigte er, wie versucht wurde, die Serben aus dem Land zu drängen, wie die vorrückenden Truppen dabei aber logischerweise durch Gebiete ziehen mussten, die sie selber vorher verbombt hatten – wobei durchaus auch eigene Leute zu schaden kamen. Heftig!

In diesem Zusammenhang erhielt auch das kurze Referat von Sally Ramsay Patrick ein ganz anderes Gewicht:

Sally Ramsay Patrick, Skiing with Heroes

Sally Ramsay Patrick, Skiing with Heroes

Sally sprach über eine Wohltätigkeitsorganisation namens  Skiing with Heroes. Verwundete KriegsveteranInnen – Beinamputiert, gelähmt, mit Posttraumatischen Störungen oder anderen Verletzungen – werden von der Organisation nach Klosters eingeladen und lernen Skifahren! Die Abwechslung vom oft schmerzhaften Alltag tut gut und reisst die Menschen aus ihrer Isolation. Aber es passiert noch mehr: Denn nicht nur die Veteranen treten an zum Skifahrer, sondern auch zahlreiche Business-Teams, bestehend aus vier Personen, die jeweils mindestens 10’000 Pfund spenden – Geld, das einerseits für die Skiwoche gebraucht wird, andererseits aber eine Schmerzklinik finanziert, die sich mit den spezifischen Problemen der Verwundeten auseinander setzt. Was aber noch wichtiger ist:

Durch den Kontakt mit den Business Teams knüpfen die verwundeten Veteranen Verbindungen zur Geschäftswelt.

Mit dem verletzungsbedingten Ausscheiden aus der Armee haben die meisten eine düstere Zukunft vor sich. Die Behandlung ihrer Schmerzen und die Integration ins Arbeitsleben sind ihre Hauptsorgen. Hier versucht Skiing with Heroes Chancen zu schaffen – und, soweit ich dies den Dankesschreiben der letzten Skiwochen entnehmen kann – tut sie das auch recht erfolgreich.

Dieses Jahr hat sich die Business Challenge was besonderes einfallen lassen:

2-Ex-Rugbyspieler der englischen Mannschaft versteigern die restlichen 2 Teamplätze an die Meistbietenden. Habe ich finanzkräftige SkifahrerInnen in meiner Timeline? Das wäre eure Chance, Spass zu haben, Kontakte zu knüpfen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun! Die Business Challenge 2016 findet vom 28. bis 31. Januar statt, die Ski-Woche für Veteranen vom 27. Februar bis 5. März 2016.

Obschon die Skiwoche schon das vierte Mal in Klosters stattfindet, hatte ich bis jetzt nie über diesen Anlass gelesen oder etwas darüber gehört. Ich habe nach dem Kurzreferat mit Sally gesprochen und ihr angeboten, etwas PR auf Deutsch für sie und ihre Organisation zu machen. Sie wird mich auf dem Laufenden halten – und ich werde versuchen, die Leute in Klosters zu besuchen.

Wer Skiing with Heroes unterstützen will, kann das hier einfach und schnell tun: 
Jetzt spenden!