SWONET Business & Networking Day 2015

Frauenpower im Campus Brugg-Windisch

Der 7. SWONET Business & Networking Day fand dieses Jahr in Brugg statt. Thema war: Leuchttürme in der Wirtschaft – wo finden wir sie heute?

Ich hatte einen meiner Leuchttürme quasi mit dabei:
Danielle Cesarov lernte ich recht früh in meiner beruflichen Karriere kennen und schätzen – und wir arbeiten nicht nur seit fast 30 Jahren immer wieder zusammen, sondern sind auch befreundet. Und „schuld“ daran ist ein weiterer Leuchtturm in meinem Leben – weniger in der Wirtschaft, aber in meinem privaten Leben (das sich, unserer gemeinsamen Wein-Leidenschaft wegen, dann doch wieder in Wirtschaften abspielen kann):  Karin Grütter lernte ich bei Airtour Suisse SA kennen, sie brachte mich zu ITSA, ist dieser Firma treu geblieben – begleitete mich aber auch nach meinem Wechsel nach Zürich beruflich und privat. Sie war gestern das erste Mal am BND mit dabei, und ich habe mich darüber riesig gefreut.

Schon vor dem Eingang trafen wir die ersten bekannten Gesichter – wobei ich einige davon zum ersten Mal live sah, da beim mir ja viele Kontakte über Social Media laufen. Ich mag es aber sehr, wenn ich die Menschen hinter den Avataren in Natura erleben kann – irgendwie lesen sich dann auch die Tweets und Statusupdates danach anders, mit noch mehr Leben und Schattierungen.

Der Moderator, Stephan Klapproth, war spritzig und bissig wie immer. Trotzdem möchte ich hier gerne die Frage weitergeben, die Karin spontan gestellt hat: Wieso moderiert hier keine Frau? Vielleicht kann Petra Rohner die ja bearbeiten, wenn sie sich von den Strapazen der Organisation erholt hat …

Für die Workshops teilten wir uns auf in 5 offene und eine geschlossene Gruppe:

  • Power of your Voice
  • Female Shift
  • Female Leadership
  • Crowdfounding
  • Make-up and Shine
  • PräsidentInnen unter sich

Karin und ich landeten bei Milena Béndákova, einer schweizerisch-tschechischen Sängerin und Stimmtrainerin. Diese begrüsste und, äusserst mutig, mit keinem einzigen Wort, sondern einer Ton-Ansprache, die von säuselnd-werbend bis bestimmt-ordnend zu aufmunternd-fragend reichte. Entsprechend konsequent mussten /durften auch wir Teilnehmenden uns nur mit der Stimme vorstellen, ohne Worte zu benutzen. Für einige von uns bereits eine riesige Hürde, andere erschraken ob ihres eigenen Mutes oder lachten, wenn sich die Anspannung in einem selbst für sie überraschenden Laut entlud. Es folgten praktische Tipps und Übungen, die sich im Alltag leicht anwenden lassen – vielleicht mit Ausnahme der Sirene, die in einem „ringhörigen“ Haus wie meinem eventuell Panik auslösen könnte. Meine Erkenntnis des Workshops (und ja, manchmal habe ich eine nasse Zündschnur): Eigentlich weiss ich das alles und kenne alle Übungen aus dem Chor – nur bin ich noch nie auf die Idee gekommen, dieses Wissen vor rhetorischen Auftritten oder Präsentationen anzuwenden. Wird sich ändern – versprochen!

Milena geht übrigens bald auf Tour mit La Vie en Rose – 100 Jahre Edith Piaf. Reinhören, wenn sie in deiner Gegend ist!

Danielle besuchte Female Shift und überraschte uns während des Apéros mit einigen Zahlen. Da ich nicht mitschrieb, hier einige Links zum Thema:

Und wieso sieht  bzw. spürt man (frau) das nicht? Offenbar aus 3 Gründen:

  • Es gibt zwar mehr Frauen, aber die Entscheidungsträger über Geld, Forschung, Umsetzung etc. sind immer noch mehrheitlich Männer.
  • Die Frauen selbst stellen ihr Licht unter den Scheffel und werten ihre Leistung / ihren gesellschaftlichen oder politischen Beitrag ab.
  • Weil der Prozess so schleichend ist, sieht man die Verbesserungen nur rückwirkend.

Spannendes Thema, das ich weiter verfolgen werde.

Gemäss der Zusammenfassung von Stephan Klapproth und den Leiterinnen der Workshops ging es auch in den anderen Gruppen angeregt zu und her:

  • Bea Petri wehrt sich gegen die Doktrin des Jugendwahns und plädiert für ein Annehmen der Schönheit im Veränderungsprozess. Das Beste aus sich herausholen, die Stärken betonen – unbedingt. Aber nicht um jeden Preis. Lieber die Energie, die für Fragen wie „Bin ich schön? Wirke ich jugendlich genug? etc.“ drauf geht für eigene Projekte und Aufgaben einsetzen. In ihrem Fall fliesst die Energie immer mehr in eine Schule in Burkina Faso.
  • Rea Eggli von wemakeit.com informiert über die Möglichkeiten von Crowdfunding – und wie breit das Spektrum von Projekten ist, das sich damit finanzieren lässt. Rund 70% der aufgeschalteten Projekte kommen zustande bzw. übertreffen ihr Finanzierungsziel.
  • Barbara Leuner Corpina unterhielt sich mit ihrer Gruppe über weibliche Führungsmodelle, Reflexion des eigenen Führungsverhaltens etc.
  • Die PräsidentInnen besprachen unter sich das weitere Vorgehen, um in Sachen Lohngleichheit, Erhöhung des Frauenanteils auf Entscheidungsebene etc. mehr Druck zu machen.

Frisch gestärkt nach Apéro und Austausch ging es ins Abendprogramm:

Sehr erfrischend und einladend waren die Grussworte des Stadtamman von Brugg: Daniel Moser präsentierte seinen Werbespot so authentisch und erfrischend, dass ich Lust bekam, das Städtchen und dessen Umgebung mal näher zu erkunden – und nicht nur zum Umsteigen zu benützen.

Anschliessend erzählte uns Dr. Ursula Keller, Professor für Physik an der ETH, über ihren beruflichen Werdegang, über ihre Hoffnungen zu Beginn des Studiums, über ihre steigende Desillusionierung und über ihre Entscheidung, etwas zu verändern. Sie engagiert sich für Frauenförderung auf allen Ebenen – innerhalb ihres Departementes, in Wissenschaft und Forschung, auf politischer Ebene. Und sie ist heute überzeugt: Ohne Druck geht es nicht! Ob das Quoten sind oder Bestimmungen, die zum Beispiel Fördergelder für die Forschung an einen bestimmten Frauenanteil knüpfen, kann und soll diskutiert werden. Nichtstun, abwarten, organisch wachsen lassen hat nicht funktioniert und wird nie funktionieren.

Nachtrag 19.3.2015:
Die Folien des Referats findet ihr hier. Weitere Kommentare und Beiträge auf der Seite der ETH Women Professors, insbesondere auch dieser Artikel über Best Practice.

Die Podiumsdiskussion versammelte eine bunte Mischung von Frauen – und, neben Stephan Klapproth, einen weiteren Mann: Tobias Gerfin, CEO von Kuhn Rikon  – die Firma wurde 2014 mit dem Prix Balance ausgezeichnet. Frisch von der Leber weg erzählte Esther Herzog, Offizier der Kampftruppe, von ihren Erfahrungen beim Militär – und wie sich das auf ihr eigenes (Führungs-)Verhalten auswirkt. Dr. Ursula Keller vertiefte ihren Standpunkt und forderte die anwesenden Frauen auf, sich zu engagieren. Barbara Lukesch sprach über Frauen, die Leuchttürme sind oder waren – einige davon hat sie in ihren Büchern porträtiert, insbesondere im neuesten Buch, Wie geht Karriere? Sandra-Stella Triebl setzt auf weibliches Netzwerken – und bietet dazu einige Plattformen an.

Bei einem feinen Stehlunch liessen wir den Tag ausklingen. Danke an die Organisation und die vielen HelferInnen – war schön bei euch in Brugg!

Was ich vom SWONET Business & Networking Day mitnehme:

  • Braucht es Leuchttürme?
    Ja, unbedingt! Die fehlenden weiblichen Vorbilder während des Studiums oder zu Beginn der Karriere wurden mehrfach erwähnt.
  • Sind Leuchttürme immer weiblich?
    Nicht zwingend: Einige Frauen profitierten von männlichen Mentoren.
  • Wie kann ich zum Leuchtturm werden?
    In dem ich Frauen gezielt fördere und fordere; mich und meine Leistung sichtbar mache; mein Scheitern hinterfrage;  neue Lösungsansätze suche, Forderungen stelle, mich sozial und politisch engagiere …
  • Bist du ein Leuchtturm?
    Lass es mich/ uns wissen: Hier bei den Kommentaren, auf SWONET, auf XING – wo immer du gehört und gelesen wirst!

 

2 Gedanken zu „SWONET Business & Networking Day 2015

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