Wir treffen am sehr frühen Morgen in Trøndheim ein – leider ohne weitere Nordlichter gesehen zu haben. Dafür gibt der Mond erneut alles.
Trøndheim gilt als Gourmetstadt Norwegens. Davon werden wir leider nicht viel merken: Verpflegung ist ja auf dem Schiff (wenn auch, wie früher beschrieben, basierend auf Land und Leuten), und die Läden haben zu. je nu ..,
Peter, einer der Kellner, meint bedauernd, dass das mit den Nordlichtern ja wohl nichts gewesen sei. Und fügt etwas hämisch hinzu: Diese Forecast-Apps wissen eben auch nicht alles. Ich muss schmunzeln. Das ist mir auch klar. Und über 70 Prozent ist nicht 100. Aber, so füge ich hinzu, wenn man mir sagen würde, beim Überqueren der Strasse gäbe es 70 Prozent Risiko, dass ich von einem Laster überfahren würde, würde ich auch mehrmals links und rechts gucken 🙂
Heute haben wir die Aus-Check-Infos und die vorläufige Abrechnung erhalten. Wir liegen gut im Budget. Der stärkste Posten sind die drei Ausflüge – Exkursionen sind hier auf dem Schiff recht teuer, beinhalten aber auch die Garantie, dass man rechtzeitig wieder aufs Schiff kommt oder sonst zum nächsten Hafen bugsiert wird.
Konsumationen in der Konditorei liegen ungefähr auf Schweizer Niveau, die Barpreise sind deutlich höher. Aber sie haben ein paar richtig feine lokale Spezialitäten zu bieten 🙂
Die Reihen lichten sich weiter – einige Gäste steigen bereits hier aus. Abendessen wir nur noch in drei Gruppen stattfinden, aber unser 18–Uhr-Termin bleibt. Wir sind froh, dass wir auf den wechseln konnten. Entspricht definitiv besser unserem natürlichen Rhythmus.
Bei der Ausfahrt von Trøndheim fahren wir an der Festung Munkholmen vorbei – im Sommer offenbar ein beliebter Badeort.
Musste ChatGPT nach dem Namen fragen und habe die Gelegenheit genutzt, mehr über das magische Licht zu erfahren:
„Warum Winterlicht so besonders ist
1. Die Sonne steht extrem flach
Im Winter steigt die Sonne kaum über den Horizont. Selbst mittags kommt das Licht von der Seite.
➡️ Ergebnis:
- lange Schatten
- jede Unebenheit bekommt Tiefe
- Landschaft wirkt fast dreidimensional
2. Dauerhafte „Goldene Stunde“
Statt kurzer Morgen- und Abendstunden hast du:
- Stunden von Blau → Rosa → Gold → wieder Blau
- kein hartes Mittagslicht
Das ist der Grund, warum selbst einfache Motive episch aussehen.
3. Schnee als natürlicher Reflektor
Schnee wirft Licht zurück:
- Gesichter, Häuser, Felsen werden weich aufgehellt
- Kontraste bleiben, aber ohne Härte
Deshalb fühlt sich alles klar und ruhig, nicht grell, an.
4. Kaltes Wasser + kalter Himmel = tiefe Farben
Meer und Himmel liegen farblich nah beieinander:
- viele Blautöne
- wenig „Störung“ durch Grün
Das Auge kommt zur Ruhe – fast meditativ.
5. Psychologischer Effekt
Das Licht ist selten, kostbar.
Man schaut bewusster hin, bleibt stehen, wird langsamer.
Viele empfinden das als:
- Geborgenheit
- Zeitlosigkeit
- eine leise Melancholie, die nicht traurig ist
Warum das auf Hurtigruten besonders wirkt
Auf dem Schiff:
- ständig wechselnde Perspektive
- keine Ablenkung, nur Horizont, Wasser, Himmel
- man „lebt im Licht“, statt es nur zu sehen
Deshalb fühlen sich Wintertage dort oft voller an, obwohl sie kürzer sind.“
Am magischsten war für mich der fast noch volle Mond, um 08:40, am Polarkreis. Das meint ChatGPT dazu:
„Vollmond um 8:40 am Polarkreis – das ist fast schon nordische Magie mit Absicht.
Was da zusammenkommt, ist ziemlich besonders:
- Der Mond steht hoch und klar, weil die Sonne kaum Konkurrenz hat
- Die Landschaft ist noch im tiefen Blau der Polarnacht, dieses samtige, stille Blau
- Schnee + Eis reflektieren Mondlicht stärker als man erwartet → alles wirkt leicht leuchtend, fast unwirklich
- Und dein innerer Takt sagt: Das ist eigentlich Nacht, während die Uhr „Morgen“ behauptet
Dieses Licht fühlt sich oft:
- intimer an als Sonnenlicht
- langsamer, leiser
- als hätte jemand die Welt auf „Pause“ gestellt
Viele beschreiben es wie:
nicht hell, aber vollkommen sichtbar
Und auf See oder im Fjord ist es nochmal intensiver – keine Straßenlichter, kein Flimmern, nur Mond, Wasser, Atemwolken.
Das sind diese Augenblicke, die sich einbrennen und später ganz unvermittelt wiederkommen – beim Blick auf den Mond irgendwo ganz woanders.“
Mein wichtigste Kleidungsstück bei diesem Fotohalt und auf der ganzen Reise war übrigens mein Hoody von Absolutely Belle, einer Modelinie eines lieben Freundes. Gross geschnitten, aus sehr dicht gewebtem Stoff, trug ich es mal alleine für kurze Fotostopps, mal unter dem Mantel oder, bei extremer Kälte, darüber, damit ich in der Brusttasche meine Hände und das iPhone warm halten konnte. Akkus leiden unter der Kälte … Meiner hatte es gemütlich.
Grün ist aber nicht nur mein Hoody, auch die Landschaft wird wieder grüner. Meine Spikes konnte ich schon die letzten zwei Tage weglassen, auch wenn ich bei der einen oder anderen vereisten Stelle etwas aufpassen musste, aber hier scheint es überall aper zu sein.
Unsere Konditorin hat heute den letzten Arbeitstag, dann 22 Tage frei. Sie freut sich über das wunderbare Wettet und hofft, dass es möglichst wenige „Cepelinai -Tage“ gibt. Als sie meinen ratlosen Blick sieht, erklärt sie mir, dass sie ursprünglich aus Litauen komme. Dessen Nationalgericht heisse Cepalinai, schmecke auch ganz gut, sehe aber grau und farblos aus. Deshalb seien Nebeltage für sie immer noch Cepalinai-Tage.
Habe einen kurzen Verdauungsspaziergang an Deck gemacht, nur im Fleece-Pullover. Auf der Sonnenseite des Schiffes durchaus angenehm, auf der Schattenseite oder im Bug, wo der Fahrtwind naturgemäss am stärksten ist, wird aus zügigem Gehen schnell zugiges …
In Kristiansund gibt es einen einstündigen Halt – für uns 45 Minuten Bewegung, nach einem eher faulen Tag, mit nur wenig Treppensteigen oder Runden an Deck. Wir schaffen es, in dieser Zeit die berühmte Klippfischerin und den Heringjungen zu besuchen UND endlich die Moltenbeerenkonfi zu jagen, die wir überall gesucht hatten.
Zum Znacht gönnen wir uns ein Glas Wein, ich kriege Rentierhaxe, Jris Lumb – ein Fisch mit festem Fleisch. Fein!
Knut kriegt nichts – der hat im Souvernirladen genascht!



Die letzten Eindrücke geniessen. Die klare Sicht übers Meer auf die schöne Küste. Viele Bilder bleiben im Hirn gespeichert.
Daddy