Weihnachten auf Malta

Hotel Dolmen, Bugibba

Wie jedes Jahr habe ich mir auch dieses Jahr rechtzeitig meine Weihnachtsflucht gebucht. Obschon ich normalerweise keine Probleme mit dem Alleinsein habe, empfinde ich die Weihnachtszeit als sehr anstrengend: Meine FreundInnen sind alle mit Vorbereitungen für die Festtage beschäftigt, man liest und hört andauernd von Ideen für Geschenke für die Lieben, von originellen Dekorationen für die Familienfeier, von liebevollen Adventskalendern etc. – und weiss, dass es auch dieses Jahr nichts derartiges geben wird.

Früher hatte ich mich immer freiwillig für Reiseleitungen gemeldet, aber in den letzten Jahren nutzte ich diese Zeit zum Ausspannen und um etwas Sonne zu tanken. Am liebsten mache ich Kreuzfahrten, aber auch Ferien in Ägypten oder Tunesien standen schon auf dem Programm. Dieses Jahr war die Auswahl eher klein, weil einige Reiseziele aus politischen Gründen ausfielen, die Kreuzfahrten fielen wegen unpassender Abreisedaten weg.

Malta schien mir ein guter Ausweg zu sein: Frühlingshaft warm, kein allzu langer Flug, eher englisch geprägt, ein gutes Bussystem für individuelle Ausflüge – da sollte ich mich wohl fühlen. Das Hotel Dolmen, das ich ausgewählt hatte, gilt als 4-Stern-Hotel und hat zahlreiche gute Kritiken – Abzüge gibt es wegen der Zimmer in den unteren Stockwerken (Balkon praktisch nicht nutzbar, da dunkel, Blick oft auf die Strasse), dem eher eintönigen Buffet und einigen unfreundlichen Angestellten. Da ich eigentlich nicht vor hatte, zu viel Zeit im Zimmer zu verbringen, buchte ich dennoch ein Budgetzimmer, und das nur mit Frühstück, da ich von einer früheren Maltareise her wusste, dass man überall essen kann und sich keineswegs aufs Hotel beschränken muss. Ich kam relativ spät an, da der Flug Verspätung hatte. Die Leute an der Rezeption unterhielten sich dennoch lieber untereinander, als mich zu begrüssen, was mich schon etwas madig machte.

Mein Zimmer liegt, wie befürchtet, im 2. Stock, mit Blick auf ein Tarnnetz, hinter dem sich die Strasse befindet. Wenn ich mich rauslehne und nach links sehe, erhasche ich immerhin einen Blick aufs Meer. Das Zimmer ist eher klein und dunkel, ich habe einen Kühlschrank (leer) und einen Safe (ohne Schlüssel, der kostet extra). Kaffeekocher und Kaffee habe ich zum Glück von zu Hause mitgebracht, da ich in der Unterlagen keine Erwähnung fand. Aber ich habe eine Badewanne – das gefällt mir.

Was ich schade finde: Die Aussenanlage ist völlig geschlossen. Nicht nur die Pools, was ich verstehe – aber es hat auch keine Tische oder Stühle, obschon man an geschützten Stellen zu bestimmten Zeiten durchaus draussen sitzen und arbeiten könnte. Die Lounge ist für ein Hotel dieser Grösse eher klein, ziemlich dunkel und bietet kaum Sitzmöglichkeiten. Am freundlichsten ist das Café Delos, in dem ich auch jetzt gerade sitze, eine Art Wintergarten mit weissen Möbeln, mit Aussicht auf einen Pool und das Meer. Den Wellnessbereich habe ich bis jetzt noch nicht ausprobiert, über die Festtage war das Angebot reduziert und die Pakete sind recht teuer. Im Hallenbad war ich, das ist aber winzig und extrem laut, vor allem, wenn da die Kinder rumtoben, was man ihnen aber nicht verübeln kann, denn es gibt sonst für sie kaum Möglichkeiten zum Spielen – abgesehen von den 2 Stunden Animation am Morgen.

Frühstück wird im Hauptrestaurant eingenommen, in dessen Mitte ein kreisrundes Buffet steht. Kaffee und Saft kommen aus dem Automaten – Instant, natürlich. Es gibt eine Brotauswahl, etwas Aufschnitt und Scheibenkäse, Feta und Ricotta, Rühr- und Spiegeleier, Würstchen, Speck, weisse Bohnen, gebratene Kartoffelscheiben und Grilltomaten, diverse Zerealien und Joghurt mit zu Vierteln  geschnittenen Grapefruits, Melonen oder Kiwi– jeden Tag, unverändert. Für Weihnachten und Silvester hätte ich ein All-Inclusive-Paket kaufen können, da im Hauptrestaurant ein spezielles Buffet angeboten wurde. Aber das ist für mich a) viel zu viel und b) müsste ich es an einem Einzeltisch geniessen. Denn eine spezielle Animation oder auch nur den Versuch, Einzelreisende miteinander in Kontakt zu bringen, gibt es hier nicht. Weihnachten und Silvester sind hier Feste für Familien, viele speisen schon am Mittag gemeinsam. Dass jemand keine Familie hat, mit der man feiern kann, ist nicht vorgesehen. Deswegen gibt es auch keine spezielle Animation – nur ein pickliger Junge kümmert sich morgens 2 Stunden um die Kinder und organisiert am Nachmittag jeweils 1 Stunde Bingo, Dart oder Quiz.

So kam es, dass ich mich an Weihnachten in einem Café verpflegte und früh schlafen ging – und mich doch sehr einsam fühlte. Da wäre es wohl zu Hause, mit den Katzen, weniger schwierig gewesen … Je nu, da muss ich durch, im Wissen, dass es Silvester auch nicht anders sein wird.

Leider ist auch das Wetter nicht ganz so toll. Zwar kann ich jeden Tag etwas spazieren gehen, aber in der näheren Umgebung gibt es nur wenig Sehenswürdigkeiten, und die Busse fahren wegen der Festtage zu unregelmässig, als dass ich mich weiter weg traute. Immerhin, im Aquarium war ich schon – und mit Elvis habe ich auch gesprochen. Ansonsten habe ich viel Zeit zum Lesen – und schreibe endlich wieder an meinem zweiten Roman weiter. Auch gut!

Für heute hatte ich einen Tagesausflug rund um die Insel gebucht. Von Innen haben wir nur wenig gesehen, aber landschaftlich war da einiges dabei. Entgegen der Wetterprognosen war es ganz ordentlich, wenn auch extrem windig, so dass die Bootsfahrt zur blauen Grotte ausfiel. Ich hatte dennoch meinen Spass und liess mich so richtig durchpusten – das tat gut! Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist nach wie vor nicht berauschend. Mal sehen, ob ich dennoch mit dem Bus nach Sliema oder zu den drei Städten fahren kann. Falls nicht, werde ich mich halt wieder in eines der Cafés am Meer setzen, lesen und schreiben – und noch so viel Sonne geniessen, wie irgendwie möglich.

Bilder gibt’s hier in kleiner Auflösung – mehr gibt das Internet hier nicht her:

2 Gedanken zu „Weihnachten auf Malta

  1. Hallo Irène,

    Sind schöne Bilder, aber ich muss sagen, dass diese Gegend mich nicht reizen kann. Vielleicht kannst ja Du mich noch auf besonders Interessantes hinweisen. Meine Wunschliste „Malta“ ist vorerst sicher zurückgestellt.

    Noch schöne Tage und liebe Grüsse

    Papi

  2. Hallo Irène,

    Nimm die ganze Situation nicht zu ernst. Du hast zwar offensichtlich etwas Peck mit dem Wetter, aber Du kannst Dich trösten, bei uns ist es nicht nur kalt, sondern die „weisse Weihnacht“ ist erst jetzt bei uns eingekehrt, dafür umso deutlicher. Alles wendet sich sicher wieder zum Bessern. Ich wünsche Dir jedoch einen schönen Jahreswechsel und vielleicht findest Du sogar noch eine gemütliche Gesellschaft, mit der Du den Jahreswechsel verbringen kannst. Kopf hoch und noch eine schöne Zeit.

    Liebe Grüsse

    Papi

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