Whakatane – Tag 11

Ich verbringe den Morgen, des strömenden Regens wegen, Zuhause, und recherchiere ein wenig zu etwas, was Cecilia erzählt hatte. Sie und ihr Mann betreiben eine Hirschfarm mit über 1500 Tieren – einerseits wegen des Fleisches, v.a. aber für Velveting. Ich verstand zwar das Wort, das ein Verb zu Samt ist und stellte den Bezug zum samtigen Geweih der Hirsche her, aber ich konnte mir nicht vorstehen, dass man das nutzen kann. Man kann – und es klingt in meinen Augen ziemlich heftig:

Das Geweih der Hirsche wächst ja extrem schnell und kann sich von Grund auf erneuern. Deswegen wird Hirschgeweih insbesondere in der Chinesischen Medizin eine grosse regenerierende Kraft zugesprochen – in allen möglichen Bereichen: Stärkung von Knochen, Muskeln und Gewebe, Stärkung der Manneskraft, Jungbrunnen und mehr. Die Hirsche werden hier in Neu Seeland in riesigen Freigehegen gehalten, in wunderschönen Landschaften. Bei der grossen Anzahl haben die keine Namen, sondern Nummern, aber Cecilia erkennt viele von ihnen schon von weitem: Ah 4402 again … Weil die eben doch sehr eigene Charaktere sind, und einige davon werden schon seit 15 Jahren bewirtschaftet. Was – und jetzt kommt der für mich eher brutale Teil – heißt, dass den Tieren 1x jährlich das Geweih unter Narkose amputiert wird. Dieses wird anschliessend eingefroren und pasteurisiert, bevor es nach Asien verschickt und zu Medizin bzw. Medizinalprodukten weiter verarbeitet wird. Wieso man nicht wartet, bis der Hirsch das Geweih von selbst abstösst? Offenbar wird es zu hart und kann dann nicht mehr richtig verarbeitet werden. Und ja, ich weiss, ich esse selber Wild, aber als ich im Video gesehen habe, wie das gemacht wird (habe ich absichtlich nicht verlinkt) musste ich schon etwas schlucken … Irgendwie nicht so das weihnachtliche Thema, aber ein Teil des Lebens hier – und ein wichtiger Industriezweig.

Weihnachtlich wurde es dann aber auch bei uns: Die Kinder holten mich ab, wie gabelten noch Onkel Mark auf (Calum Bruder) und fuhren zu Freyjas Grosseltern. Marion und William hatten richtig Gas gegeben, ums Haus herum aufgeräumt, Scheiben geputzt und so. Von wegen besinnliche Tage … Barbecue war natürlich bereits an, aber da es regnete, konnten wir die schöne Terrasse leider nicht nutzen. Marion hatte dafür den Esstisch schön gedeckt, inkl. Christmas-Cracker (die englische Version der Tischbomben). Und natürlich gab’s auch hier jede Menge Geschenke, so dass Freyja kaum nachkam mit auspacken und verteilen. Ich glaube, die Kurze wird erst in den nächsten Tagen wirklich realisieren, was sie alles für Schätze besitzt: Ein Babybett und ein Puppenbaumhaus, Legopackungen, Playdoh, viel zum Malen und Schreiben, eine Uhr mit Kalender, viele Kleider – und viel zu viele Süssigkeiten. Letztere waren ziemlich schwierig zu verteidigen, hätte sie doch am liebsten alle aufs Mal verdrückt. Und dabei ist sie seit Tagen auf einem einzigen Zuckerschub … Nicht einfach zu verstehen, wenn man drei ist und alles haben will: But I WANT it! Ich hatte Glück: Mein Ballerinakleidchen für die Prinzessin passte in der Grösse – und sie hat es auch gleich angezogen. Pink halt!

Zucker gab’s dann auch für mich: Marion hatte einen Trifle gemacht – und eine Jamaikanische Version des X-Mas Pudding. Ich hatte gar nicht gewusst, dass William in Jamaica geboren wurde. Habe von beidem ein kleines Stück probiert. War sehr, sehr fein! Zwischendurch durfte ich mir eines von Marions zahlreichen Kochbüchern schnappen, eins von 1963, mit zahlreichen Tipps für die kluge und sparsame Hausfrau. Habe mir ein paar Sachen abfotografiert 🙂

Bei einer Regenpause wurde dann auch draussen im Garten das letzte Geschenk montiert: Eine eigene Schaukel und Ringe. Beim Aufbau des Gestelles in den letzten Wochen war Freyja mit dabei, hatte aber nicht realisiert, was das werden sollte. Damit alles perfekt passte, hatte Marion im Montessori-Kindergarten von Freyja ausgemessen und Schaukel und Ringe auf die exakt gleiche Höhe voreingestellt. Dass es dann doch wieder zu regnen begann, störte die Kurze nicht: Higher, Daddy, higher!

Zum Schluss durfte sie noch mit den Grosseltern in den Whirlpool, während wir uns unterhielten, auch mit Freunden, die zu Besuch kamen. Aber dann war definitiv Ende der Fahnenstange bei Freyja: Überreizt, überzuckert und übermüdet packten wir sie zusammen und brachten sie zurück nach Hause. Ich liess den Abend ruhig ausklingen und ging recht früh zu Bett, eingelullt vom Prasseln des Regens. Morgen soll das Wetter etwas besser sein, aber immer noch eher nass.

Velveting deer:
https://www.velvet.org.nz/
https://www.nzma.org.nz/journal/read-the-journal/all-issues/2010-2019/2012/vol-125-no-1367/article-gilbey

Trifle:
https://www.essen-und-trinken.de/trifle

Ein Gedanke zu „Whakatane – Tag 11

  1. Ja, das Wetter hat sich ja offensichtlich kaum gebessert, sich aber an unsere Verhältnisse angepasst.
    Nach em Räge schynit dSunne – nach em Briege wird glach . . .

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