Whakatane – Tag 17

Das erste Mal, seit ich hier bin, habe ich schlecht geschlafen: Erst waren einige Camper lange sehr laut, dann erwachte ich nachts um 2 und konnte stundenlang nicht wieder einschlafen. Also liess ich es am Morgen ruhig angehen, schrieb ein paar Postkarten und wollte gerade mit dem Blogpost über das Maorihaus beginnen, als Bianca mir einen Link von Comvita schickte: Der Hauptsitz des weltbekannten Herstellers von Manuka-Honig liege am Weg zum Auto, das Calum reparieren gehen müsse. Er könnte mich dort abliefern und dann wieder abholen. In Windeseile zog ich mich an und war gerade so parat, als Calum auch schon vor der Tür stand.

Honig gilt ja allgemein als sehr gesund, Manuka-Honig hat aber, je nach Qualität, besonders starke antibakterielle Wirkung, der mit dem  UFM-Index ausgewiesen wird. Normaler Speisehonig hat entweder kein Label oder 5, alles darüber hinaus gilt als besonders gesundheitsfördernd. Höchstwerte, die ich gesehen habe: 400 und 550+. Manuka ist eine Pflanze, die mit dem Teebaum verwandt ist – dessen Öl hat ja eine ähnliche Wirkung.

Das Zeug wirkt offenbar – das beweisen nicht nur Studien, sondern v.a. die Geschichte des Firmengründers: Claude Stratford war 63, als er zusammen mit dem 40 Jahre jüngeren Alan Bougen die Firma gründete. Er war Hobby-Imker, seit er ein Kind war, und interessierte sich generell für Naturheilmittel. In der Privatküche von Claude entstanden die ersten Produkte – reiner Honig, aber auch Hustenbonbons und -Sirup, Propolis-Produkte, Hautcreme und mehr. Das Unternehmen wuchs und gedieh – seit der Gründung haben die beiden über 40’000 bienenfreundliche Bäume gepflanzt, Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und viel Aufklärungs- und Ausbildungsarbeit geleistet. Und offenbar fleissig genascht: Claude hat bis ins Alter von 96 Jahren mitgearbeitet, war 5x verheiratet und hatte 3 Kinder. Er verstarb kurz vor seinem 103. Geburtstag …

Ich aber trudelte kurz nach 10 quietschlebendig im Besucherzentrum ein – und erfuhr, dass Führungen erst ab 13 Uhr stattfinden. Okee … Dann halt erst Mal Kaffee. Aber die Dame winkte ab: I will hook you up with some Americans. Die hatten nämlich für 10.30 eine Privattour gebucht und denen durfte ich mich dann anschliessen. Die Führung ist sehr gut gemacht und spricht alle Sinne an: Riech- und Taststationen, ein offener Bienenstock, Informationstafeln und VR werden in Räumen angeboten, die dem Inneren einen Bienenstockes ähneln. Besonders beeindruckt hat nicht der VR-Teil: Mit dem Helikopter ging es erst in abgelegene Täler und Berge, dann mitten hinein in einen Bienenstock. Grossartig!

Ein offener Bienenstock, in dem emsig gewuselt wurde, zog die Leute ebenfalls an. Die Königin wurde emsig bedient, Futter- und Baubienen konnte man ebenso beobachten wie die Hebammen und die Totengräber. Und natürlich durften wir danach auch die verschiedenen Produkte degustieren. Besonders fein fand ich einen Manuka-Honig mit Zitrone, aber der war leider ausverkauft, weil am Vortag ein Kreuzfahrtschiff da war.

Anschliessend gönnte ich mir einen grossen Cappuccino und liess Calum wissen, dass ich abholbereit wäre, wann immer er so weit sei – ich hätte hier Kaffee und Internet und sei absolut happy. Als ich meinen Kaffee fast ausgetrunken hatte, kam eine Verkäuferin, eine zweite, grosse Tasse in der Hand, und erklärte mir, sie habe irrtumlich einen Cappuccino mit Zimt statt Schoggi gemacht, die Kundin habe den abgelehnt. You had Cinnabon on your’s. Could you handle an other one? – Aber immer doch! Danach spazierte ich etwas herum und setzte mich schliesslich an die Sonne. Hier entdeckte mich Nikki, unsere Führerin. You are still here? Ich erklärte ihr, dass Calum mich einsammeln würde, sobald er so weit sei. Sie: That will give you time to sample some of our Manuka Money Ice Cream! Sprachs und stand kurz darauf mit einem Becher vor mir: It’s on the House! Glück muss Frau haben!

Auf der Rückfahrt wies Calum mich auf die ausgedehnten Kiwi-Anlagen hin. Einige bereits etabliert, andere im Aufbau. Der Anbau ist streng reglementiert und kostet hohe Lizenzgebühren, geerntet wird frühestens im dritten Jahr – dann aber sei das eine Goldgrube. Viele Arbeiten werden übrigens roboterisiert ausgeführt, weil es zunehmend schwierig sei, genügend Saisonarbeiten für die Ernte zu finden. Eine neue, rote Sorte, hat die Testphase mit Bravour bestanden und dürfte bald Marktreife erlangen.

Wir fuhren zu Calums Eltern, wo Freyja gerade ihre eigene Glace genoss (Grossvater war mit ihr im Laden um die Ecke) und sich dann – wer errät’s? – von mir schaukeln liess, bis es Zeit wurde, uns zu verabschieden. Bianca hatte bis in den frühen Nachmittag gearbeitet und dann für uns ein wunderbares Buffet aufgebaut, mit Käse, Salami, Lachsblinis und mehr. Freyja fand das Auswählen und Bestreichen von Crackern fast lustiger als das Essen selbst (da waren es bei ihr vor allem Mini-Salamis): Sie fütterte einfach Bianca damit, bis diese sich kaum mehr wehren konnte 🙂

Kurz nach sieben spazierte ich zurück zum Camp, die mangelnde Schlafruhe machte sich bemerkbar. Ich schrieb noch ein paar Neujahrsgrüsse und tauchte dann ab. Kurz vor 12 weckten mich einige Camper, sodass ich doch wach und live ins neue Jahr rutschte. Erfreulich: So heftig die Leute um Mitternacht tröteten – 15 Minuten später war wieder Ruhe und ich konnte weiterschlafen.

Happy New Year, wo immer ihr gerade seid!

Weiterführende Links

Comvita
https://www.comvita.co.nz/store/new_comvita/pages/experience/experience.jsp

Manuka-Honig
https://de.wikipedia.org/wiki/Manuka-Honig

Comvita-Geschichte
https://www.comvita.co.nz/blog-article/the-comvita-heritage-story/I6500182

VR-Tour
https://youtu.be/-PcMWaA2rTI

Kiwi-Anbau
https://www.gtai.de/gtai-de/trade/branchen/branchenbericht/neuseeland/neuseelands-landwirtschaft-setzt-auf-moderne-technologie-115406
https://de.wikipedia.org/wiki/Kiwifrucht

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