Whakatane – Tag 5

In der Nacht wurde es wieder recht kühl, so dass ich am frühen Morgen, nach der gewohnten Pipipause, die Heizung anstellte, um das spätere Aufstehen etwas angenehmer zu gestalten. Jetzt, kurz nach 9, sitze ich aber schon wieder draussen, bei gemeldeten 17 Grad, wobei der Wind den Pulli doch nahelegt. Die nächsten Tage sollen aber wieder wärmer werden – wenn auch noch nicht wieder Temperaturen über 30 Grad zu erwarten sind, wie in der Woche vor meiner Ankunft. Die waren aber auch für die Leute hier überraschend, offiziell haben wir hier ja noch Frühsommer.

Calum leidet bereits wieder sehr stark unter Heuschnupfen, trotz Spritzen und Medis. Mir geht es überraschend gut: Zwar nehme ich morgens ein Anti-Histamin und muss tagsüber Augentropfen einsetzen, aber die Atmung ist nicht betroffen, musste noch kein einziges Mal inhalieren. Offenbar reagiert mein System auf fremde Pollen nicht. Wäre ein weiterer guter Grund, um hierhin auszuwandern, aber da ist die Regierung ja leider dagegen …

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Ich mache heute nur einen kurzen Spaziergang, da ich gestern etwas übertrieben hatte und ich um 14 Uhr ja bei Freyjas Kindergarten sein soll. Zum Mittagessen sündige ich: Ich gönne mir einen Colonel Snack bei KFC, spaziere dann weiter zum „Strand“, der Hauptstrasse des Ortes, und gönne mir eine Badewanne voll Kaffee.

Aus lauter Spass bzw. aus professioneller Neugierde besuchte ich einer der grossen Outdoor Shops, wo es alles zu kaufen gibt, was man zum Fischen, Jagen und Campen braucht. Ihr glaubt nicht, wie viele unterschiedliche Fischruten es gibt! Die versammelten Köder sehen aus wie eine etwas spezielle Schmuckkollektion (und einige der Preise sind durchaus vergleichbar), Gewehre gibt’s in modischen Farben (auch pink), und für den gepflegten Campingabend gibt’s unzerbrechliche Champagnerkelche und fixfertige Gourmet-Menüs, bevor man sich ins Zelt mit Kajütenbett oder Kuschelige zurückzieht. Von den erteilten Beratungen habe ich kein Wort verstanden, die ausgestopften Tiere haben mich von oben herab gemustert und ich war irgendwie froh, hatte ich einen Bungalow gemietet und kein Zelt 🙂

Nach diesem fotografisch ergiebigen Abstecher machte ich mich auf zum Kindergarten:

Little Sprouts ist ein Montessori-Kindergarten mit einer Bewilligung für max. 40 Kinder, die in zwei Gruppen betreut werden: 1 – 3 und 3 – 6, wobei im Garten alle Kinder zusammen spielen. Ich erhalte von Bianca jeweils die Berichte und bin immer wieder erstaunt, wie vielfältig das Programm ist und wie achtsam die Entwicklung der Kinder beobachtet und gefördert wird. Auf Facebook folge ich den „Sprösslingen“ auch schon einige Zeit und freue mich deshalb, dass ich Freyja da besuchen darf. Sie will zuerst gleich nach Hause, als sie mich sieht, wobei die Begrüssungsfreude schnell kippt zu „I want my Mummy!“ Ich erkläre ihr, dass Marion (Claims Mutter) uns in 45 Minuten abholen wird, weil wir bei ihnen zum Nachtessen eingeladen sind. Erst schmollt sie ein wenig, dann führt sie mich aber doch herum und zeigt mir ihren Kindergarten. Sie ist seit einiger Zeit bei den Grossen und stolz darauf. In Room 2 hat es verschiedene Ecken, die den unterschiedlichen Bereichen gemäss Montessori entsprechen; es gibt ein Aquarium mit einem Fisch, den man aber nicht berühren darf, weil er sonst krank wird; und einem Terrarium, in dem mal Frösche waren – wo die jetzt sind bzw. was jetzt da drin lebt, habe ich nicht herausgefunden. Draussen im Garten geht Freyja zielstrebig zur Schaukel, ich muss anstupsen  – Higher! Higher! – und ihr kleiner Freund ergreift die Chance: One Hand for me! Das artet ja in Sport aus …

Zur Erholung ziehen wir uns zu den Legosteinen zurück, wo KameradInnen mehr oder weniger neugierig und zutraulich rausfinden wollen, wer ich bin und was ich hier tue. Letzteres lässt sich schnell beantworten, werde ich doch von Freyja recht energisch zurück zur Schaukel beordert: Anstossen!

Marion holt uns pünktlich ab und fährt uns, nachdem ich mich bei den Betreuerinnen verabschiedet habe, nach Ohope, in das Haus, in dem seinerzeit auch die Hochzeitsfeier von Bianca und Calum stattgefunden hat. Wir bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand – einige Sachen haben wir beide via Facebook mitgekriegt, aber natürlich längst nicht alles.  Marion leidet sehr unter den Folgen des Vulkanausbruches, hat sie doch einen der Guides gekannt und geschätzt. Zudem hatte sie die letzten 3 Wochen sehr viel Stress, weil ihr Kühlschrank mitten in der grossen Hitze ausgestiegen ist, der Lieferant sich aber nicht an die gesetzlichen Bestimmungen betreffend Austausch oder Reperatur halten wollte. Ärgerlich, so was – und wenn der Stresslevel ohnehin hoch ist, eine Belastung für ihr leider angeschlagenes Immunsystem. Ich hatte fast ein wenig ein schlechtes Gewissen, dass ich ihr jetzt auch noch zur Last falle, aber sie versicherte mir, sie freue sich, mich zu sehen. Und sie gab sich echt eine riesige Mühe, mich zu verwöhnen:

Sie bereitet das Meiste für das Nachtessen vor, William, ihr Mann, muss zum Schluss nur noch wenige Handgriffe am Grill erledigen. Was es geben wird, erfuhr ich bereits am Vorabend: Marion schickte mit Fotos und eine Anfrage, ob ich das überhaupt essen kann, wegen meines Magenbypasses? Total lieb! Und ja, konnte ich: Es gab einen feinen Salat, mit lauter Knackigem aus dem eigenen Garten; einen Gratin mit Süsskartoffeln und Poulet vom Grill. Dazu ein Glas Wein bzw. Bier für die Männer, und ein paar Trotzanfällen vom Freyja, die am Nachmittag nicht geschlafen hatte und es nicht ertragen konnte, nicht im Mittelpunkt zu sein. Alle gaben sich sehr Mühe, sie konsequent in ihre Schranken zu weisen, was für kurze Zeit Wirkung zeigte, aber eben nicht für lange.

Um fair zu sein: Wir blieben ziemlich lange über ihre normale Bettzeit hinaus, und das Erwachsenengeschwätz hat sie wohl zu Recht nicht wirklich interessiert. Was sie beruhigte: Bagpipes ab Band im Auto! Ich grinse jetzt noch:
Wir sind nicht Blutsverwandt, aber die Kurze tickt in vielem so ähnlich!

Weiterführende Links:
http://www.littlesproutspreschool.co.nz/

Outdoor Adventures:
https://www.adventureinyou.com/new-zealand/top-7-outdoor-activities-in-new-zealand/

Ohope Beach:
https://www.ohopebeach.info/?gclid=EAIaIQobChMI-JD2gJ7B5gIVkhaPCh3vXQC0EAAYASAAEgJ0pfD_BwE

Ein Gedanke zu „Whakatane – Tag 5

  1. Es spielt keine Rolle wo Du lebst – wichtig ist; dass Du lebst und geniesst, was auch anderen Freude bereitet.

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