Whakatane – Tag 7

Nachts sank die Temperatut wieder unter 11 Grad, was meinen Wohncontainer wiederum empfindlich abkühlte. Zum Glück sind diese Heiz-Klimageräte sehr schnell, wenn auch vermutlich ziemliche Stromfresser. Zum Frühstück gab’s eine halbe Nashi-Birne mit Joghurt und meinen obligaten Kaffee, dann holte mich Bianca auch schon ab für unseren Marktbesuch:

In Ohope gibt es jeden Samstag einen Handwerkermarkt und jetzt, so kurz vor Weihnachten, war der sogar grösser als sonst. Die Leute sind hier generell handwerklich sehr geschickt, scheint mir. An der Häusern gibt es immer was zu werkeln, aber auch die Bearbeitung von Holz, Leder, Metall, Fellen (insbesondere Postum, was noch weicher sei als Kaninchen) und Wolle sind hier weit verbreitet. Es gibt auch viele selbstgemachte Esswaren: eingelegte Früchte und Gemüse, Konfitüren, Sirup, Kräuterpasten und mehr. Und natürliche frische Produkte, oft Bio. Die Preise bei letzteren sind selbst für mich recht hoch – für das Einkommen der Einheimischen sind das „Special Treats“, die man sich wohl wirklich nur an Tagen wie Weihnachten gönnt. Überraschend billig sind Macadamia-Nüsse – aber da ich auf die allergisch reagiere, mache ich einen Bogen darum. Wir erstehen aber eine wunderschöne Handtasche für Bianca – aus Holz und Leder, hergestellt vom Vater einer Arbeitskollegin von ihr. Für mich gibt’s „Russian Fudge“ – wobei selbst die Dame, die ihn hergestellt hat, nicht weiss, was daran russisch ist, das Rezept heisse einfach so, und er sei lecker … (Beweise muss ich erst erbringen). Aus lauter Neugierde kaufe ich auch ein Pfund „Plumcots“ – eine Kreuzung aus Pflaumen und Aprikosen: Form und haarige Aussenhülle sind definitiv von der Aprikose, Farbe 100 % Pflaume – und der Geschmack eher mehr Aprikose als Pflaume. Bianca kannte die auch nicht, also werde ich einen Teil davon später zu ihnen mitnehmen, um zu sehen, wie Freyja darauf reagiert: Generell liebt die Kurze Obst und Gemüse und knabbert sehr zufrieden auf Peperoni oder Gurken, Tomaten oder Pflaumen rum – oder futtert Beeren weg, wenn sie welche in die Finger kriegt. Ich erstand auch ein kleines Souvenir für meine Katzentante und kaufte einem Mädchen ein selbst gemachtes Weihnachtsschmuckstück ab, das mit diesen Produkten für die Mutter und Schwester einer Freundin sammelte, die vor einiger Zeit verstorben war.

Nach dem Marktbesuch lässt mich Bianca bei einem der Historischen Pfade aussteigen, sodass ich einen schönen Spaziergang machen kann. Der Pfad scheint auch bei Sportlern sehr beliebt zu sein, mich überholen und kreuzen Jogger und Walker. Im Gegensatz zur Schweiz werde ich aber im Vorbeigehen nicht nur gegrüsst, sondern oft direkt angesprochen: Love your hair! Nice Shoes! Merry X-Mas … Vogelgezwitscher und Wasserfall schaffen wiederum eine sehr meditative Stimmung und zwischendurch hoppelt ein Häschen über dem Weg, wartet freundlicherweise, bis ich die Kamera gezückt habe, posiert kurz und hüpft dann weiter. Gefällt mir sehr.

Via Himmelsleiter gelange ich zurück ins Zentrum, wo jugendliche BlasmusikerInnen weihnachtliche Melodien spielen und sich über meinen Applaus und Zustupf freuen. Ich spaziere zum Holiday Park zurück und geniesse mein Mittagessen an der Sonne (selbstverständlich gut eingecremt. Am späten Nachmittag fahren wir dann zu Freunden von Bianca für eine deutsche Weihnachten. Deren Eltern aus Dresden seien zu Besuch, die würden kein Englisch sprechen und seien froh, dass ich Deutsch könne. Mal sehen, wie die Verständigung klappen wird 🙂

Ich recherchierte etwas, um rauszufinden, was es mit den vielen blauen Blumen und Pflanzen auf sich hat. Offenbar hängt das tatsächlich mit dem UV-Licht zusammen: http://www.canna.co.nz/influence_of_colours

Und inzwischen habe ich auch die Fudge getestet: Fazit: Die kennen Gotte Marthis Rezept! Und sowas finde ich ausgerechnet an Mamis Geburtstag. Danke für die himmlischen Grüsse …

Kurz nach drei spaziere ich zu Bianca rüber, die mit Freyja zusammen noch etwas Kuschelzeit geniesst, bevor wir zu ihren Freunden fahren: Sina ist Deutsche, ursprünglich Fotografin von Beruf, und der Liebe wegen hier gelandet. Mit Michael zusammen hat sie 3 Kinder, die mich mit ihren wunderschönen roten Haaren an Weaslys aus Harry Potter erinnern. Ihre Eltern aus Dresden sind für ein paar Monate zu Besuch, sodass wir bald ein lustiges Sprachengemisch haben. Wir werden mit feinem vom Grill verwöhnt, mit Pastasalaten und Biancas Kartoffelsalat nach Michaels Geheimrezept; Bianca hat zudem einen feinen Kuchen mitgebracht und Sina hat Legosteine aus ungezuckertem Gummibärchenmaterial kreiert, plus weine Meringues mit Schoggistückchen. Die Kinder kriegen Geburtstags- bzw. Weihnachtsgeschenke, und wir haben viel zu lachen. Als es dunkel wird, schaltet Sina die Weihnachtsbeleuchtung ein, und es wird sehr stimmungsvoll. Passend dazu färbt sich der Himmel feurig, als wir mit einer völlig übermüdeten und überzuckerten Freyja heimfahren. Schön war’s – danke euch allen!

Weiterführende Links

Pflanzen in Neuseeland
http://www.wildflowers-and-weeds.com/Plant_Identification/New_Zealand/Native_Flowers_Shrubs_Trees.htm

Nashi-Birne
https://de.wikipedia.org/wiki/Nashi-Birne

Ankunft der Maori in Whakatane:
https://www.whakatane.info/business/living-history

Eine Maori-Liebesgeschichte
http://nzetc.victoria.ac.nz/tm/scholarly/tei-Pom01Lege-t1-body2-d1-d22.html

 

4 Gedanken zu „Whakatane – Tag 7

  1. Liebe Lovey
    von Herzen wünsche ich Dir frohe Weihnachten und alle Liebe und Gute im neuen Jahr.
    Danke für die interessanten Beiträge.
    Es liebs Grüessli
    Dorli

  2. Bei den Bildern könnte man neidisch werden. So schönes Wetter, und offensichtlich wieder wärmer als während der Nacht. Bei uns hudelt es wie verrückt, z.T. haben sie Sturmwarnungen ausgegeben die Windgeschwindigkeiten über 100 km möglich sind. Im Bündnerland haben bereits abgefallene Äste zu Bahnunterbrüchen geführt.

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