AidaVita 2019 – Tag 10

Greenock

Heute Morgen habe ich das erste Mal den Wecker gestellt, weil ich natürlich unbedingt die Einfahrt nach Glasgow, den Clyde hoch, miterleben wollte. 5 Uhr 45 stand ich an Deck. Es war trocken, aber stark bewölkt, und die Wolken trieben recht schnell. Zwar sahen wir dazwischen blaue Flecken, aber um eine Matrosenhose daraus zu nähen, hätte es nicht gereicht. Ausser für einen sehr kleinen Matrosen, vielleicht. Damit standen, wenn die Regel meiner ehemaligen Landlady auch heute noch gilt, die Chancen schlecht, dass es ein trockener Tag werden würde. Dafür gab es recht mystische Stimmungen, und bei der Einfahrt in Greenock hörten wir, lange bevor wir ihn sahen, einen Lone Piper. Wunderschön!

Beim Anlegen entdeckten wir, neben dem Piper, auch einen recht aufgeblasenen Schotten. Dieser empfing uns auch, als wir von Bord gingen – wie das aussieht, wenn Lovey knuddelt, seht ihr erst am letzten Tag, da hat die Bordfotografin ein schönes Bild geschossen.

Ich hatte für heute ursprünglich eine Wanderung gebucht, die dann aber annulliert, weil die offenbar recht rutschig und steil sei, was für mein Knie eher unangenehm gewesen wäre. Stattdessen hatte ich einen Tagesausflug „Schottland spezial“ gebucht. Wir fuhren mit dem Bus am Hafen von Glasgow vorbei, in die Trossachs, wo wir eine Vorführung eines Schäfers mit seinem Hund sahen – und sechs der 78 Schafstrassen des Landes kennenlernten, daruner eine ganz alte, mit dunklem Fell und vier Hörnern.

Nach einem Mittagessen in einer alten Ritterhalle fuhren wir weiter zum Loch Kathrin, wo wir den Dampfer Sir Walter Scott leider verpassten – der wäre ein nettes Fotosujet gewesen. Aber die Landschaft war auch sehr schön …

Weiter ging es danach zum Loch Lomond, wo wir eine Seerundfahrt unternahmen. Auf dem Schiff war es recht kühl, sodass wir schnell unter Deck gingen und uns mit Kaffee und Kuchen wärmten.

Gegen 17 Uhr waren wir zurück am Hafen und wurden von einer Band und meinem Freund vom Morgen verabschiedet.

Falls ihr jetzt denkt, da ist ja kaum was passiert, habt ihr recht und unrecht zugleich. Denn mein Begleiter von heute war ein behinderter junger Mann, der mir vor ein paar Tagen schon aufgefallen ist, weil er so herzlich lachen konnte, wenn er seine Eltern bei Uno abzockte. Da sie zu Dritt unterwegs sind, teilten wir uns im Bus eine Reihe. Erst sass die Mama bei mir, aber beim ersten Stopp wollte sich Benny zu mir setzen – und von da an hat er mich adoptiert: „Frau, komm!“ rief er mich, wenn ich zu langsam war. „Angst“, sagte er oft, und dann musste ich ihm erklären, dass er keine Angst zu haben braucht. „Beisst?“ war auch so eine Angst, bei den Schafen, bei Hunden. Schwäne fauchen, auch das war ihm offenbar aus Erfahrung bekannt. Mich mochte er, jedenfalls meistens – er mag es nicht, wenn man ihn direkt anschaut. Aber er nahm immer wieder meine Hand, zog mich hierhin und da hin, wir sangen auch zusammen, lachten viel – und auf der Rückfahrt nahm er meine Hand, lehnte seinen Kopf auf meine Schulter und schlief selig …

Ich fand’s schön!

Ein Gedanke zu „AidaVita 2019 – Tag 10

  1. Bei uns war das Wetter ein bisschen besser, aber immer noch nicht frühlingshaft. Weiterhin gute Fahrt und noch einige schöne Abenteuer.

    Daddy

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