AidaVita 2019 – Tag 11

Fishguard & Pembroke

Heute Morgen fuhren wir etwas später als sonst am Zielort ein – resp. davor: der Hafen von Fishguard ist zu klein für Kreuzfahrtschiffe, was heißt, dass das Schiff draussen ankert und die Passagiere per Tenderboot an Land gebracht werden. So hatte ich viel Zeit für Frühstück – das ich, weil das Wetter so herrlich war, sogar auf Deck geniessen konnte – und etwas Lektüre, denn Vorrang hatten jene, die Ganztagesausflüge gebucht hatten. Kurz nach 11 wurde dann das Tendern auch für alle anderen freigegeben, und so nutzte ich die Gelegenheit für eine kurze Klettertour vor meinem eigentlichen Ausflug: Bei der Anreise habe ich oben auf den Klippen violette Blumen entdeckt, und hinter dem Hafen erhaschte ich eine Treppe und einen Weg.

Das Tendern verlief problemlos, die Wellen gingen, wie die ganze Reise über, nicht sehr hoch, und die Angestellten halfen bereitwillig. Am Ufer wurden wir von zahlreichen Freiwilligen mit hübschen Westen aus einem Landkartenstoff begrüsst.  Den ganzen Tag über wechselten sich offenbar Musikanten ab, fürs Foto hatte sich eine Frau  in Tracht gestützt, ein Mann im Rollstuhl hatte eine Art Bürgermeisterkette um. Alle erhielten eine Baumwolltasche mit Informationsmaterial und ein Cookie. Rund um den Anlegesteg gab es einige Verkaufsstände mit lokalen Spezialitäten, wobei die Leute aber geduldig warteten, bis jemand auf die zukam – also überhaupt nicht aufdringlich, wie ich das teilweise von anderen Destinationen kenne. Ich empfand die Leute als ausgesprochen herzlich und hilfsbereit – auch, weil sie offenbar kurzfristig umdisponieren und zwei Schiffe bedienen mussten, das die Seabourne Quest kurzfristig ebenfalls hierhin verschoben worden war – am Pembroke Dock, wo sie ursprünglich hätte anlegen sollen, lag offenbar ein defektes Materialschiff.

Aber natürlich gab es auch hier wieder motzen, die fanden, die Tasche und die Stände seien eine Art Nötigung. Die Ärmsten! Cookie nahmen sie aber natürlich gerne …

https://www.visitpembrokeshire.com/articles/48-hours-in-fishguard

http://www.deutschlandundeuropa.de/34_97/dueur34j.htm

https://www.welt.de/wams_print/article1151923/Kennen-Sie-Wales.html

Ich entfleuchte und kraulte die Treppe hoch, die teilweise von einem Bach überspült wurde.  Einmal mehr war ich sehr dankbar, dass mich solche Sachen seit der Knieoperation nicht mehr zum Rückzug zwingen, sondern mich allenfalls vorsichtiger werden lassen. Meine violetten Blumen entpuppten sich als Rhododendren, und die Aussicht von da oben was wunderschön.

Rechtzeitig zum Beginn meines Transfers nach Pembroke kraxelte ich wieder nach unten und wurde von den netten Freiwilligen zum korrekten Bus gelotst. Unser Reiseleiter war extra aus Cardiff angereist, weil lokal so kurzfristig nicht genügend Leute aufzutreiben waren. Er erzählte kurzweilig über Land und Leute, und Sarah, Scout auf der Aida, übersetzte wohlgemut, so dass die Fahrt schnell verflog.  Genauso schnell übrigens wie die Wolken, die kurz vor Mittag aufgezogen waren. Glück gehabt!

In Pembroke wurden wir direkt vor dem Schloss ausgeladen und hatten dann fast drei Stunden Zeit, uns dieses und den Ort anzusehen. Ich bezahlte den Eintritt und klettere dann auf Türme und Mauern, dass es eine Freude war. Die Ausstellung ist sehr gut gemacht, mit wenigen Figuren aus der Geschichte des Schlosses bzw. der Festung, die hier ursprünglich stand. Über Lautsprecher erzählten diese jeweils ihre Geschichte, während Kreidezeichnungen an die Wände und Euern projiziert wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pembroke_Castle

Anschliessend durchstreifte ich die Strassen und Gassen des kleinen Ortes; entdeckte einen versteckten Garten hinter einer Kirche, wunderbare Blumen auf der Allmend und schliesslich, als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, weil hier viele Geschäfte und die wenigen Cafés offenbar Montags zu haben oder früher schliessen, ein Hotel, in dem ich Tee trinken konnte. Da die Toiletten im ersten Stock lagen, hatte ich auch Gelegenheit, mich etwas umzusehen, und ich schwäre euch: Da könnte man, ohne umzudekorieren, jederzeit einen Miss-Marple-Film drehen. Oder eine Horrorstory … Aber der Tee war fein, und ich hatte ein sehr langes Gespräch mit der Mutter des Besitzers – über Brexit, das Leben hier im Ort, über Gemeinschaftssinn und Walisische Gastfreundschaft. Sehr sympathisch! Etwas überrascht war ich nur, dass sie mich mit Namen ansprach – bis mir bewusst wurde, dass das wohl, wie in Schottland auch, einfach eine liebevolle Anrede war 🙂

Die Rückreise zum Hafen, im Feierabendverkehr, was für den Fahrer kein Zuckerschlecken, für uns aber wiederum recht kurzweilig, weil der Reiseführer weitere Perlen aus dem Leben in Wales Preisgab. So war es zum Beispiel bis vor Kurzem hier Sitte, dass die Frauen am Morgen die Treppe gewischt und dann Teewasser aufgesetzt und Kekse auf den Tisch gestellt haben. Wenn sie weggingen, liessen sie die Türe offen, damit umangekündigter Besuch sich bedienen konnte und nicht ohne Teepause wieder gehen musste.

Zurück auf der AidaVita gönnte ich mir einen Longdrink auf Deck 10, bevor ich Abendessen holte – und dieses draussen genoss. Zugegeben, so kurz nach acht benötigte ich die Windjacke, aber schön war es doch.

Zum Bearbeiten der Fotos zum Schreiben ging ich dann aber wieder rein und suchte mir eine einigermassen ruhige Ecke – was heute nicht ganz einfach war, ist hier doch Hüttengaudi. Ich blende das aus, so gut es geht … 

Dafür gab’s dann noch eine spannende Diskussion mit einem mitreisenden Paar, die meine Schuhe witzig – und mich leicht verrückt – finden, mit meiner ganzen Bloggerei. Kann ich ihnen nicht verübeln … Ich kenne da einige, die das unterschreiben würden. Aber das Interesse war echt, und das Gespräch hat mir Spass gemacht.

Morgen ist Seetag, da wird’s vermutlich nicht so viel zu berichten geben. Falls jemandem langweilig ist, verlinke ich hier zu einem Artikel von 2017, damals hatte ich ja hier auf dem Schiff eine Führung hinter die Kulissen gemacht:

https://schreib-lounge-blog.ch/azoren_7

Gute Nacht für heute!

Ein Gedanke zu „AidaVita 2019 – Tag 11

  1. Ja, riesige Burgen und urchige alte Häuser, so habe ich Wales in $Erinnerung von meiner England/Schottland-Reise. Einzigartig ist aber auch die weite Fläche mit ihrem immer grünen Eindruck.

    Daddy

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