Fishing for compliments

Ich schmiede einen Fisch!

Wer mich kennt, weiss: Handwerk mag goldenen Boden haben – bei mir ist dieser eher schmierseifig. Ich habe zwei linke Hände, und meist beide im gleichen Handschuh. Trotzdem packt es mich von Zeit zu Zeit, und ich will was Handfestes machen. Als Rosmarie Hidber und weitere Anwesende an der GV der VHS Bad Zurzach behaupteten, JEDE/R könne schmieden – jedenfalls, wenn man einen Kurs bei Robert Wanner belege, nahm ich die Herausforderung an und meldete mich an:

«Sie verwenden die Vorlagen des Engel- bzw. Skalarfisches (siehe Abbildungen unten) oder entwerfen eine eigene Fisch-skulptur. Sie schneiden die Einzelteile mit einem Plasmaschneider aus, formen diese und schmieden das Zubehör wie Maul oder Flossen. Die Körperhälften werden so geformt, dass sie zusammengefügt und verschweisst werden können. Dazu verwenden sie eine Schutzgas-Schweissanlage die sich leicht bedienen lässt. Jeder Fisch erhält sein individuelles Muster.»

Ehm, ja klar …

Ausgerüstet mit festen Schuhen, nicht leicht entflammbarer Kleidung und einem etwas mulmigen Gefühl machte ich mich heute morgen also auf nach Koblenz, wo ich auf 4 weitere Damen traf – und den Chef vom Ganzen, Robert Wanner. Dass er seinen Tee aus einer Asterix-Tasse trank, hätte mich stutzig machen sollen. Mehrmals an diesem Tag wünschte ich mir, ein Druide käme mit seinem Zaubertrank. So ein filigraner Fisch benötigt sehr viel Kraft, im Fau!

Wobei: Der Anfang war noch relativ leicht. Mit dem Plasmaschneider sollten wir Körper (2x), Seitenflossen (2x), Schwanzflosse, Rückenflosse und Bauchflosse ausschneiden. Mein Problem war hier, dass ich eher zu viel Kraft aufwandte, statt das Ding einfach übers Blech gleiten zu lassen. Aber ich wurde immer besser, so dass mein Fisch jetzt eine gute und eine weniger gute Seite hat …

Dann galt es, mit Hammer und Meissel die Schlacke von den Rändern zu entfernen – ein erster Kraftakt. Die Barthaare mussten geschmiedet werden, was extrem in die Arme ging – mein rechter Arm zitterte nach kurzer Zeit so sehr, dass ich Mühe hatte zu fotografieren. Mit Hilfe einer über hundertjährigen Maschine – und der tatkräftigen Unterstützung durch Robert – wurden die beiden Körperhälften vorgebogen und dann mit dem Hammer vollendet. So ein Schmiedehammer hat ein ziemliches Gewicht, und trotzdem hat man teilweise das Gefühl, damit kaum etwas auszurichten. Aber viel Ausdauer – und ein paar herzhafte Schläge des Meisters – führten dann doch zum Ziel.

Mit dem Plasmaschneider schnitt – säbelte – ich Augen und Muster aus dem Körper, dann kamen wieder Hammer und Meissel zum Einsatz, um die Flossen zu gestalten.  Zum Glück gab es irgendwann dazwischen Mittagspause! So konnten die Arme etwas auszittern … Allerdings sah der gute Fisch zu dem Zeitpunkt noch mehr nach Filet aus.

Die eigentliche Zitterpartie ging danach erst richtig los ging: Ich hatte einen Heidenrespekt vor der Schleifmaschine, deren Funken in alle Richtungen stoben, und es kostete mich sehr viel Überwindung, damit zu arbeiten, trotz Schutzkleidung und guter Instruktion.

Ich merkte auch, dass ich das Ganze massiv unterschätzt hatte: Für mich als HSP (Highly Sensitive Person) war die Flut an Sinneseindrücken teilweise kaum zu bewältigen – trotz Hörschutz: Das Hämmern und Schleifen, die stiebenden Funken, die teilweise intensiven Gerüche, das Vibrieren des Metalls unter den Händen setzten mir enorm zu. Entsprechend angeschlagen war ich, als Robert uns das Schweissen erklärte. Und als ich durch den Helm überhaupt nichts sehen konnte, geriet ich in Panik. Da half es auch nichts, dass alle auf mich einredeten, ich müsse mich halt an die Dunkelheit gewöhnen, das komme dann schon, ich solle nicht so negativ sein … Ich sah nichts und konnte mir nicht vorstellen, so zu arbeiten.

Ich weigerte mich, das Schweissen auch nur zu probieren: Da musste der Chef ran. Und eigentlich wollte ich ihm dabei nicht einmal zusehen. Wieso auch, wenn ich ja doch nichts sah? Aber er fand, ich müsse ihm ja sagen, wo und wie ich die Flossen haben wolle, schliesslich sei ich ja die Künstlerin. Und siehe da: Mit dem Helm, den ich diesmal erwischte, sah ich sogar was! Offenbar war der erste nur nicht richtig eingestellt gewesen, was ich in meiner Überforderung nicht gemerkt hatte bzw. auch nicht klar artikulieren konnte. Immerhin weiss ich jetzt zumindest theoretisch, wie man schweissen würde …

Und nach dieser positiven Erfahrung klappte es auch mit der Schleifmaschine besser. Ich schnitt die Barthaare zu, polierte den Fischkörper, glättete die Schweissnähte und das Kussmäulchen. Das Befestigen  aka Schweissen übernahm dann allerdings wieder der Chef, wofür ich sehr dankbar bin.

Fazit: Mein Fisch hat eine wunderschöne Seite, nämlich, die, wo die Flossen rostig sind und der Körper etwas perfekter geschnitten, und eine durchaus annehmbare, auf der das Blech silbern ist und das Muster teilweise etwas fahrig ausgeschnitten. Es ist „mein“ Fisch, auch wenn ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich ihn ohne Roberts Hilfe nicht hätte fertig stellen können. Mein rechter Arm zittert immer noch, ich bin müde – aber extrem happy. Danke, Robert!