Frauenlauf Bern – Run for Frustration

Nein, so heisst die Kategorie offiziell natürlich nicht, sondern Run for fun. Nur hat das letztes Jahr schon nicht geklappt – siehe Frauenlauf 2016. Als Wiedergutmachung hat mir das OK den Startplatz dieses Jahr geschenkt, und ich hatte mich riesig gefreut. Ich wollte beweisen, dass ich die 10 km sehr wohl unter 100 Minuten schaffe.

Tue ich auch, normalerweise. Nur wird mir das nichts nützen. Denn nach dem Desaster von letztem Jahr (mein Zielein“lauf“ traf mit jenem der Elite-Läuferinnen zusammen), hat man nicht etwa den Start meiner Kategorie vorgezogen oder die Elite etwas später zu starten geplant. Nein, man hat einfach die Zeit von Run for Fun auf 85 min gekürzt – genau so kurz wie für die normale 10-km-Kategorie. Der Unterschied? Run-for-Fun-Läuferinnen tauchen in der Rangliste nicht auf …

Und ich frage mich, ob ich überhaupt am Start auftauchen soll. Denn 85 min schaffe ich mit meinem künstlichen Kniegelenk garantiert nicht. Die ersten beiden Kilometer fährt der Besenwagen mit 7 km pro Stunde, den Rest mit 9 km pro Stunde. Was heisst, dass man mich noch vor km 2 aus dem Rennen nehmen wird (wollte man ja eben letztes Jahr schon machen, tat es dann aber definitiv erst kurz vor dem Ziel. Weil man es dem Publikum nicht zumuten könne, dass statt der erwarteten Elite die Letzte der Runner käme …).

Woher ich das weiss? Weil ich heute abend, im Hotel in Bern, aus lauter Langeweile das Programmheft gelesen habe. Und ja, ich weiss, das hätte ich auch früher tun können – und ich bin ja die, die immer spottet, dass auf meinem Grabstein mal stehen wird: „Auch dies liest wieder kein Schwein.“ Aber echt: Ich habe den Startplatz geschenkt gekriegt, als Wiedergutmachung. Und es ist mein x.ter Frauenlauf – da liest frau halt nur noch Startzeit und Datum.

Und wenn so was Wichtiges geändert wird, hätte ich wenigstens erwartet, dass ich bei Eingabe des Gutscheins zur Erfassung des Startplatzes auf diese wichtige Änderung hingewiesen worden wäre. 15 Minuten weniger auf 10 km ist nun mal kein Pappenspiel …

Aber ne – nix – nada. Und jetzt bleibt mir eigentlich nur noch die Möglichkeit, morgen zu versuchen, mich auf Walking umzuteilen, wobei ich nur 5 odr 15 km wählen kann, 10 gibt es in dieser Kategorie nicht. Und ein Wechsel des Startblockes ist natürlich kostenpflichtig.

Werde es aber wohl versuchen, schliesslich bin ich extra für den Frauenlauf angereist, habe mein Hotel gebucht und sogar ein neues Lauf-Outfit gekauft. Sauer bin ich trotzdem … und extrem enttäuscht. Denn nach dem Debakel vom letzten Jahr hätte ich vom OK echt mehr Fingerspitzengefühl in Sachen Kommuikation erwartet.

Update:

Habe mich soeben umgeteilt – auf 15 km Walking. Dame am Helpdesk warr sehr hilfsbereit – aber auch sehr irritiert: Dass bei 10 km nur noch 85 min erlaubt sind, wusste sie, nicht aber, dass es letztes Jahr 100 waren. Und dass bei 15 km im Programm 2h45 erlaubt sind, gemäss AGB und ihrer Vorgabenliste aber nur 2h30, war ihr auch neu … Hat mich aber kostenlos umgebucht und mir alles Gute gewünscht. Wird allerdings sportlich: 10 km habe ich dieses Jahr schon mit einem 10er Schnitt geschafft, 15 km habe ich das nie trainiert (11er Schnitt wäre kein Problem). Habe jetzt Runtastic entsprechend programmiert, der soll mich einpeitschen 🙂

Update 2:

Die gute Nachricht vorneweg: Ja, ich habe die 15 km geschafft – weitgehend schmerzfrei und ohne Asthma, totz der Hitze. Und nein, die 2 h 30 habe ich nicht geschafft – da lag ich 37.2 Sekunden drüber. Was natürlich doch neue Bestzeit ist, und mich ein klein wenig ärgert, denn die halbe Minute hätte ich wohl schon noch rausholen können – wenn meine Einpeitscherin nicht so kläglich versagt hätte.

Bis Km 4 war Runtastic ganz zufrieden mit mir und hat auch artig alle Kilometer raportiert. Aber je weiter wir von der Bundesterrasse entfernt waren, desto unsicherer wurde die Gute, was Distanzen angeht. Kilometer 5 meldete sie lange, nachdem ich am entsprechenden Schild vorbei kam, Kilometer 10 meldete sie mir sogar 2x – mir war schnell klar, dass ich mich auf die Tante nicht verlassen konnte. Also verliess ich mich auf die Musik, und die war tatsächlich schneller als sonst – wohl eben, weil ich als Pace 9  Min 40 eingegeben hatte (Ich bin übrigens definitiv überzeugt, dass meine Fitnessapp und meine Wiedergabeliste zusammenarbeiten, vermutlich sogar mit GPS konspirieren: Ich kriege bei Steigungen  andere Beats als wenn es flach ist oder runtergeht). OK, dass die Wiedergabeliste bei km 7 ein prosit der Gemütlichkeit einschob, war wohl ein Anflug von Zynismus, aber sonst passte die Musik perfekt.

Bei Kilometer 12 (wieder nahe der Stadt) war die Einpeitscherin wieder erstaunlich akkurat, die Musik den verflixten Hoger rauf kriegte sie auch ordentlich hin, aber da verlor ich natürlich Zeit. Oben war ich dann eigentlich wieder ganz flottunterwegs, die Tante schwieg – und posaunte mir dann kurz vor dem Ziel ins Ohr: Leider hast du dein anvisiertes Ziel nicht erreicht – aber nächstes Mal klappt es bestimmt. Hallo? Du Mistvieh hättest mich antreiben sollen, nicht auslachen!

Je nu – bin natürlich trotzdem stolz:

Die Wut hat mir Auftrieb gegeben, mich aus meiner Komfortzon vertrieben und zu einer neuen Bestzeit getragen (über 15 km lag die bis jetzt bei 2 h 42). Mein Stolz hätte echt nicht zugelassen, dass man mich ein zweites Mal aus dem Rennen genommen hätte – und Betteln beim Besenvelo um die im Programm angegebenen 11 Minuten hätte ich auch nicht gewollt. Gemäss Rangliste bin ich in der Kategorie Nordic Walking 451 von 511 Klassierten. Das Besenvelo habe ich nicht gesehen, wohl auch, weil ich nie zurückgesehen hatte. Offenbar war es aber ein liebes Besenvelo, denn es gibt etliche Klassierte mit über 10 min pro Kilometer, 2 sogar über 11.

Ist aber wohl trotzdem mein letzter Frauenlauf gewesen:

Zu viel hat einfach nicht geklappt … Nicht nur bei den beiden falschen bzw. widersprüchlichen Zeitangaben. Bei der Umteilung wurde ich in einen Nordic Walking Block eingeteilt – als unbewaffnete Walkerin. Bereits wenige Meter nach dem Start konnte ich einen Sturz nur knapp verhindern, als eine überambitionierte Läuferin mir ihren Stock zwischen die Beine schob. Wie bereits beim 15-er vor ein paar Jahren war es schwierig, auf der Strecke zu überholen. Die Nordic Waliserinnen sind meist paarweise oder in Gruppen unterwegs und machen kaum Platz. Umgekehrt überholen sie einen aber oft so knapp, dass man ständig diese Stöcken zwischen die Beine oder sogar auf die Füsse kriegt. (Und ja, ich weiss, dass kann ich nicht der Organisation ankreiden, dass ist eine Kombination aus gegebener Strecke und mangelnder Rücksichtnahme von zahlreichen Läuferinnen, zu denen es zum Glück auch Ausnahmen gibt.)

Die Krönung kam dann wieder nach dem Ziel:

Das dritte Jahr hintereinander gingen die XL-T-Shirts aus, dieses Jahr gab’s auch keine L mehr – nur noch M und S. Einer der Helfer meinte entschuldigend: Die Shirts seien halt sehr eng geschnitten, da hätten viele Läuferinnen eben lieber ein grösseres genommen. Kann ich ja verstehen, hätte ich wohl auch gemacht. ABER: Wenn man weiss, dass die Dinger klein geschnitten sind (und wie gesagt, ist ja nicht das erste Mal), dann hält man entweder bei der Ausschreibung des Auftrags fest, dass die vernünftig geschnitten werden – oder bestellt eben entsprechend grösser. Andere Läufe können das ja auch: Da gebe ich bereits bei der Bestellung an, was ich brauche – und erhalte das auch. (Bin gar nicht mehr sicher, ob die hier nicht auch nach der Grösse gefragt hatten …. Wenn ja, hat es offenbar nichts genützt).

Und nein, ich habe den Helfer nicht angeblafft, der konnte ja auch nichts dafür.

Aber ich habe meinen Frust auf den Social Media gepostet, Und wurde prompt von 2 Männern angemacht, wieso ich überhaupt an diesen Lauf gehe, wenn ich nur zu meckern habe? Ganz einfach:

Ich hatte den Frauenlauf geliebt!

Ich war da mit einem sehr guten Freund (ja, einem Mann) der mich das erste Mal auf der 5-km-Runde begleitet hatte, trotz heftiger Anfeindungen, weil ich mich mit meinem kaputten Knie nicht ohne Unterstützung auf die Strecke traute. Ich war mit Freundinnen da, mit meinem Patenkind, mit jungen und alten Frauen, habe Freundschaften geschlossen und mich gemeinsam mit anderen Frauen an den individuellen Fortschritten erfreut. Ich war enttäuscht, als mein Knie sich so verschlechterte, dass ich auch mit Orhtese nicht mehr starten konnte, und war stolz wie Bolle, als ich mit meinem künstlichen Kniegelenk wieder dabei war.

Nur: 2016 ging völlig in die Hosen – nicht meinetwegen, ich hätte, wie im obigen Blogpost aufgezeigt, nicht nur mein persönliches Ziel erreicht, sondern selbst die mir unbekannte Zeitlimite erfüllt. Der heutige Tag hätte eine Wiedergutmachung für die damals erlittene Demütigung werden sollen.

Mit Verlaub: Das habt ihr tüchtig vergeigt!

Und deshalb werde ich nächstes Jahr den Frauenlauf nicht mehr in meine Planung einbeziehen. Es gibt ja zum Glück andere, schöne Walks. Denn die Freude am Walken, die lasse ich mir, trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen, nicht nehmen.

PS: Danke, ertappt.ch, für die Fotos von unterwegs!

 

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2 Gedanken zu „Frauenlauf Bern – Run for Frustration

  1. Liebe Lovy, mehr als gut gemacht! Bravo! Dein persönlicher Sieg darfst du mit Stolz tragen!
    Rosmarie

  2. Liebe Lovey, ich gratuliere dir ganz herzlich zur Bestzeit! So hat das ganze Gestürm doch sein Gutes: es hat dich dazu gebracht, förmlich über dich hinauszuwachsen 🙂
    Monika

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