Inklusion? Fehlanzeige!

Wieso dürfen behinderte Kinder nicht mitspielen oder mitturnen?

Ich bin gerade megasauer! Meine Freundin hat einen wunderbaren Sohn, der mehrfach behindert ist – auch wenn man ihm das kaum ansieht. Sein Kopf wirkt etwas gross im Vergleich zum Körper, und auch wenn er fast 5 Jahre alt ist, kann er sich nicht alleine beschäftigen. Er ist non-verbal, drückt sich aber mit Portmann-Gesten aus, lacht gerne und viel, liebt es, im Sandkasten zu spielen, in Pfützen zu hüpfen, die Katzen zu knuddeln oder Puzzles zu machen. Er hat autistische Züge, hat 2 Zysten im Kopf – die genaue Diagnose ist noch unbekannt – und steht entwicklungsmässig ungefähr bei 2,5 Jahren.

Ab August wird er in den Kindergarten von Vivendra gehen, jetzt geht er je einmal die Woche in die Logopädie und Ergotherapie. Die übrige Zeit wird er von seiner Mutter betreut, die mit ihm Portmann-Gesten übt, malt, bastelt, viel spazieren geht, in den Zoo, Schwimmen … was Kinder halt gerne machen. Gerne würde sie ihm auch ermöglichen, mit anderen Kindern zu spielen – aber das scheitert an der Intoleranz der Eltern mit gesunden Kindern.

Aus 2 Muki-Gruppen wurde M. bereits rausgeekelt …

Die Begründung war beide Male die selbe: Die anderen Mütter hätten sich beschwert. Auslöser war, dass M. beim Auf- und Abbau nicht mithelfen konnte, weil der Kleine eben 1:1-Aufsicht benötigt. Die anderen Kinder sassen in diesen Zeiten im Kreis, sangen Lieder oder schnitten Dinge aus, beaufsichtigt von einer Mutter. Ausschneiden kann der Knirps zwar, aber man muss ihn eben beaufsichtigen, weil er sich nicht lange konzentrieren kann und wegen der Reitüberflutung schnell abgelenkt ist. Aber ist es wirklich so viel Mehrarbeit, die Dinge auf- und abzubauen, wenn eine Mama mit einem weiteren Kind mitturnt, das zwar ein paar besondere Bedürfnisse hat – vor allem aber auch viel Spass an der Bewegung und Freude an den Aktivitäten? In beiden Gruppen hatte M. nicht der Eindruck, dass die Kinder Probleme hatten:  Zwar fanden sie den Kleinen und seine Reaktionen manchmal seltsam, aber das war halt einfach seine Art. Mütter sehen das offenbar ganz anders, denn

…, jetzt ist sie auch aus einer Spielgruppe geflogen!

Die Gruppenleiterin hatte nichts dagegen, dass der Kleine samt seiner Mutter mitmachen würde, sie waren zwei Mal schnuppern, der Kleine hatte Spass, zeigte sich neugierig und interagierte mit den Kindern. Diese waren teilweise überrascht, weil er eben älter aussieht, als er sich benimmt – haben aber den „Dialog“ aufgenommen: Sind aufgestanden, damit er das Bild auf dem Stuhl ansehen konnte (jedes Kind hat ein Tier, das ihm zugeteilt ist – Garderbobehaken, Stuhl, Spielkiste – und der Kleine liebt Tiere über alles), haben gelacht, wenn seine Mama die passende Geste dazu machte … alles kein Problem. Am Mittwoch war der erste offizielle Tag, ab da wäre der Knirps Mitglied der Gruppe geworden. Doch bei der Ankunft teilte man M. mit, dass sie zwar heute noch bleiben dürfe, wenn sie wolle, dass der Junge aber nicht aufgenommen werden kann, WEIL SICH EINIGE DER MÜTTER BESCHWERT HÄTTEN. Das sei eine Gruppe für normale Kinder, es gehe nicht an, dass die eigenen Kinder durch einen Behinderten ausgebremst würden …

Ich könnte kotzen!

Was ist das für eine Gesellschaft, die ihre Kinder schon ab 4 Jahren auf Leistung trimmt; die Kinder mit speziellen Bedürfnissen nur als Last wahrnimmt – und nicht erkennt, was diese Menschen an Fähigkeiten mitbringen? Und nein, ich meine hier ausdrücklich NICHT die Kinder, die finden nämlich, wenn man sie lässt, schnell einen Weg, wie sie miteinander kommunizieren können – auch ohne gemeinsame Sprache.

Wo sind die Menschen, für die Inklusion und Diversität nicht nur leere Floskeln sind, sondern gelebter Alltag?

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