#Nordlandreise, Tag 3: Bergen

Auch heute war ich wieder früh wach – wahrscheinlich wegen des Mittagsschläfchens gestern. Ich schaltete kurz vor 6 den Fernseher ein, um via Bugkamera zu sehen, welches Wetter mich erwartete, aber aus einem flackernden Punkt in der Ferne war nichts zu sehen. Also zog ich vorsichtigerweise meine warme Jacke an: Gestern hatte die Cruise-Direktorin was von 80° Fahrenheit gesagt, und auch wenn ich das mit der Umrechnerei nie richtig hinkriege, klang das eher nach wenig … Zu Fruss kraxelte ich auf Deck 13 (mein Schrittzähler ist ja sehr glücklich mit mir), aber als ich an Deck wollte, wurde ich fast umgeweht, und mein asiatischer Mitjogger stupste mich gleich wieder zurück ans Trockene: No way to train out there! Er stapfte entschlossen zu den Laufbändern im Fitnesszenrum, aber dafür war ich dann doch zu warm angezogen. Also entschloss ich mich zu einem frühen Frühstück. Was allerdings erst einfach mal hiess, einen Kaffee, den für alles andere war es noch zu früh: Die Crew war erst am Aufbauen. Was mir aber Zeit gab. mit einigen zu plaudern: Die Crew ist hier noch bunter zusammengestellt, als auf den letzten Schiffen – ich habe bereits mit Leuten aus Goa, Bali, Botswana, Indien, Ecuador, den Philippinen, Südafrika, UK und US gesprochen. Für die meisten ist dies die letzte Reise vor den grossen Ferien: Viele fahren für 9 Monate nach Hause und kommen wieder auf die Norwegian Star, wenn sie wieder zurück nach Europa kommt (im Anschuss an unsere Reise fährt sie nach Miami und wird im Winter von da aus cruisen). Einige wechseln nach 3 Monaten Ferien auf ein anderes Schiff der NCL.  Ach ja: Violetta – ihr erinnert euch, die „Washy-Washy-Lady“ habe ich heute noch einmal fotografiert, diesmal scharf – oder wie sie sagt: nearly sexy!

 Diashow in kleiner Auflösung, ideal für mobile Nutzung

Grosse Auflösung hier 

Was mich etwas überrascht: Offenbar haben die Crewmitglieder doch auch recht viel Zeit, um hier an den Destinationen etwas zu sehen. Wobei einige finden, die Besichtigungen würden mehr Spass machen, wenn es etwas wärmer wäre. Ein Blick aus dem Fenster lässt mich ihnen zustimmen …

Aber erst geniesse ich mein Frühstück und bleibe optimistisch. Bergen kokettiert ja damit, dass es hier an 360 Tagen im Jahr regnet. Da bleiben ja zumindest 5 Tage, an denen es aufhört – wobei ich nach meiner Erfahrung vom letzten Besuch ja sagen würde, dass es an diesen Tagen schneit!  Ein Spiegelei und etwas Käse später entschliesse ich mich, meine warme Jacke gegen die Regenjacke einzutauschen und auch die Kameratasche hier zu lassen: So wie das hier schüttet, würde die Jacke beim Schulterriemen in kürzester Zeit undicht werden. Lieber werde ich die Kamera auf der Brust tragen – die Jacke ist ja weit genug. Da Samara nicht auftaucht – oder wir einander im Gewusel nicht sehen – gehe ich alleine von Bord, als es etwas aufhellt. Was sich aber als Trick herausstellt, denn kaum bin ich draussen, werden die Schleusen so richtig geöffnet! Dennoch spaziere ich ins Zentrum, zu den alten Warenhäusern Bryggen. Noch ist hier alles zu – viele Läden werden erst um 11 öffnen – und irgendwie noch trostloser als im Winter. Was mich überrascht: Es hat jede Menge Strassencafés. Nicht dass da jemand sitzen würde, aber man könnte offenbar … DAS nenne ich Optimismus!

Ich beende meinen Ausflug vorzeitig – es macht echt keinen Spass, mit nassen Jeans und ständig beschlagener Brille rumzurutschen. Wenn schon nass, dann wenigstens warm, entscheide ich, und gehe zurück aufs Schiff, wo ich einen SPA-Pass erwerbe. Nun kann ich, so oft ich will, Sauna, Dampfbad und Whirlpool benutzen und mich im erfreulich ruhigen Member-Bereich entspannen.

Kurz nach 13 Uhr ziehe ich mich wieder an und gönne mir ein Mittagessen: Schweinsbraten, gefüllt mit Apfel und Cranberries, dazu einen Salat aus schwarzen Bohnen, Orangen, Grapefruits und Kardamom. Sehr lecker! Nur das Dessert hätte ich weglassen sollen: Brotpudding mit Caramelsauce waren zuviel für meine Innereien, mein System spielt verrückt und ich musste mich hinlegen. (Fast so schlimm wie damals die Fischknusperli, nur ohne dass ich mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen liess – geheimer Gruss an Tante Monika!).

Kurz nach vier setzte ich mich zuvorderst in die Spinnaker-Lounge: Hier beginnt um 5 eine Fokloreshow, und hier kann ich auch in Ruhe meine bisherigen Fotos bearbeiten und am Blog weiter schreiben. Natürlich offline, denn was die hier pro Minute fürs WLAN verlangen, ist Halsabschneiderei, vor allem, weil das Netz extrem langsam ist. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nur sehr wenig auf Facebook oder auf Twitter bin. Wenn ich also etwas wirklich nicht verpassen sollte, schreibt ihr mir besser eine E-Mail!

———————

Lovey hat getanzt!

Zwar  nur ein Walzer, aber immerhin … Und das mit einem sehr eleganten Norweger in Tracht. Und nein, es gibt davon kein Foto. Aber ein paar von der Show – wenn auch nicht gerade in hervorragender Qualität: Das Licht war nicht sehr günstig, der Blitz zu langsam. Die 5 Leute haben eine gute Show geboten und neben alten Tänzen auch zwei alte Instrumente vorgestellt: Eine spezielle Fidel mit 8 oder 9 Seiten, von denen aber nur 4 aktiv bespielt werden – die anderen erklingen in Resonanz. Und eine einfache Weidenflöte, die ungefähr so lang ist wie unsere Querflöte, aber keine Fingerlöcher hat – die unterschiedlichen Töne entstehen durch auf- und zuhalten des Endloches und einer sorgfältigen Atemtechnik. Klingt ähnlich wie die Irische Tinwhistle, wird aber eben ganz anders gespielt. Was mir gut gefallen hat: Die Truppe hatte ganz offenbar Spass an dem, was sie taten – und sind sehr stolz auf ihre Folklore und deren Geschichte.

Nachtessen genoss ich heute mit Fiona aus Australien: Wir steuerten beide gleichzeitig den selben Tisch an, von verschiedenen Seiten, und entschieden spontan, einander Gesellschaft zu leisten. Die junge Mutter von 2 Jungs ist alleine unterwegs, weil sie immer schon mal nach Island wollte, ihr Mann aber Kreuzfahrten langweilig findet. Sie hat einen wunderbaren sinn für Humor und wir verstehen uns prächtig. Da sie aber heute auf einem 9-stündigen Ausflug war, ist sie sehr müde und will sich früh zurückziehen. Ich aber hole mir noch einen Kaffee und lerne dabei ein nettes Mädchen kennen, das mit die Vorteile des Jugendprogramms an Bord schildert: Tolle Spiele, eigene Shows, viel Material zum Basteln – und einen Schokoladebrunnen. Ich habe ihren Hollywood-Auftritt gestern verpasst, aber sie verzeiht mir, weil ich keine Kinder habe. Glück gehabt! Und das Foto, das sie von mir schiesst, ist ganz passabel …

_____________

Kurz nach 7 laufen wir aus, unter der Brücke hindurch, die heute Morgen im Regen kaum sichtbar war. Jetzt sehe ich, dass es die selbe Brücke ist, auf der ich letztes Mal meinen genialen Schnappschuss schoss, aus dem fahrenden Ausflugsbus, mit „meinem“ Schiff im Aussenspiegel, während es unten durchfährt.  Jetzt, kurz nach acht, ist es draussen bereits wieder finster, aber ich sitze hier bei einem sonnigen Cocktail und Pianomusik und lasse den Tag ausklingen … Um 9.15 wäre noch eine Show mit Musicalmelodien, aber irgendwie ist mir nicht danach.  Werde noch etwas lesen und mich dann zurückziehen. Bis morgen!