#Nordlandreise, Tag 2

Ich habe wunderbar geschlafen! Meine Kabine liegt auf Deck 10, also relativ hoch, und praktisch in der Mitte. Die See war – und ist – sehr ruhig, so dass ich von den Bewegungen wenig mitbekomme. Das Motorengeräusch ist sehr leise und hat etwas brummig-beruhigendes. Ab und zu wabbert eine Vibration durch die Norwegian Star – im Halbschlaf wirkt es, als ob das Schiff tief durchatmet, bevor es die nächste Welle nimmt … Die anderen Gäste sind entweder alle auch sehr müde oder extrem rücksichtsvoll: Auch im Gang wird es rasch ruhig, und ich schlafe schnell ein. Wecker habe ich noch keinen gestellt: Wir sind heute den ganzen Tag auf See, da kann ich aufstehen, wann ich will. Ab morgen werde ich aber auf meinen Timer zurückgreifen: Da ich eine Innenkabine habe, weckt mich kein Tageslicht, und da ich extrem lichtgesteuert bin könnte das dazu führen, dass ich zu lange schlafe – und dehydriere, was bei mir jeweils zu üblen Kopfschmerzen führen kann (merkt man, dass ich das nicht zum ersten Mal erlebe?).

Diashow in kleiner Auflösung, für mobile Nutzung geeignet.

Grössere Auflösung hier

Heute morgen war ich aber früh wach – so früh, dass ich beim Walken den Sonnenaufgang fotografieren konnte. Zwar nur mit den Handy (die Kamera nehme ich zum Rundendrehen ja nicht mit), aber die Bilder sind trotzdem ganz passabel geworden … Kurz vor 7 war ich auf Deck – erst ganz alleine, später kamen noch 2 Jogger und ein paar fotografierende FrühaufsteherInnen dazu. Ich schaffte 10 Runden (nicht ganz 5 km) , bevor mein Knie mich zum Aufgeben zwang (das lange Sitzen von gestern plagt meine Arthrose noch etwas).  Immerhin …  Ein freundlicher Asiate fragte mich, ob man mich heute Abend wieder auf dem Track sehe, also sah’s wohl nicht gar so unsportlich aus!

Anschliessend gab’s ein Eiweissfrühstück im Market Café: Das Free-Choice-Café sieht ein wenig aus, als ob man die gesamte Inneneinrichtung des EPA-Restaurants in Biel übernommen hatte, als dieses geschlossen wurde. Aber es hat praktisch den ganzen Tag geöffnet und bietet eine breite Auswahl an Früchten, Snacks und Hauptgerichten, so dass ich keine Probleme habe, etwas Passendes in kleinen Mengen zu finden. Was nicht heisst, dass ich nicht irgendwann auch die gehoberen Restaurants beehren werde, aber so für den Normalfall bin ich hier wohl bestens aufgehoben. Die Angestellten sind super freundlich und sehr hilfsbereit. Vorhin habe ich längere Zeit mit Violeta geplaudert. Die Gute hat eigentlich einen todlangweiligen Job: Sie steht am Eingang zum Restaurant und muss die Gäste dazu anhalten („ermutigen“, die Hände zu desinfizieren. Ihr fröhliches „Washy Washy!“ klingt so unwiderstehlich fröhlich, dass ich nicht anders konnte, als sie anzusprechen. Sie stammt aus den Philippinen und schätzt an ihrer Arbeit besonders den Kontakt mit den Gästen.  Den schafft sie sich auf jeden Fall! (Ich allerdings habe wohl vor lauter Lachen das Bild verwackelt. Sorg, Violeta)

Inzwischen habe ich mich umgezogen und geduscht und geniesse einen zweiten Kaffee in einer gemütlichen Lounge auf einem Zwischendeck. Was Domi freuen wird: Die Kaffeemaschinen und weitere Automaten und Gerätschaften in den Restaurants stammen von WMF! Beweisfoto in der Diashow – Werbepause zu Ende!

Nun habe ich Zeit, die Handyfotos auf den Compi zu laden. Einige Bilder stammen noch von gestern – zum Beispiel der eher bemitleidenswerte Schutzengel der WCs, Scheint ein Sch…. job zu sein!

 

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Wurde soeben aus jener gemütlichen Lounge vertrieben, in die ich mich samt Buch zurückgezogen hatte. Wie kann man Patience spielen und die Tastaturgeräusche eingeschaltet lassen! Und dazu Äpfel kauen, als wäre man ein Pferd mit Karies???  Immerhin kam ich auf meiner Flucht beim Fotografen vorbei und habe mein erstes Bild erstanden – samt Sammelpass, damit ich jedes 5. Bild gratis kriege … Und einem Kompliment wegen meines Englischs. Charming Lad – und offenbar ein gewiefter Geschäftsmann 🙂 Ob er es allerdings schafft, mir einen Wackelkopf, gestaltet nach meinem Porträt zu verkaufen, bleibt mehr als fraglich …

Nun könnte ich im Halbstundentakt an mehreren Aktivitäten teilnehmen – von Quizzes über Pingpong und Kochvorführungen bis zu Seminaren, wie man Rückenschmerzen effektiv bekämpft. Mach ich aber nicht … Ich setze mich einfach in ein Kaffee und lade den lieben Gott einen guten Mann sein!

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ICH HABE GELOGEN! ich verbrachte heute doch mehr Zeit in meiner Kabine, als ich dachte. Erst lag ich auf dem Sonnendeck und las etwas, aber dann wurde es, trotz schönem Wetter, wegen des Windes etwas kühl. Also machte ich mich auf, um in der Kabine einen Pullover zu holen. Auf meinem Deck war es wunderbar ruhig, und so entschloss ich mich kurzerhand zu einem Mittagsschläfchen.

Kurz nach vier bretzelte ich mich auf und setzte mich dann ins Atrium, wo es den wunderbaren Kaffee gibt, und genoss erst eine runde Jazz, dann wieder meine 2 Flamencojungs. Heute waren sie ziemlich schräg drauf und haben einander mir immer schnelleren Rhythmen gegenseitig herausgefordert. Hat riesig Spass gemacht! Anschliessend gab’s die Fotosession – allerdings ohne Kapitän. Ob die den ins Bild montieren? Vielleicht war ich aber auch nur am falschen Ort … Je nu: Morgen werde ich mehr wissen!

 

Dresscode war übrigens ziemlich wirr heute – da merkt man schon, dass man auf einem Freestyle-Schiff ist. Von Sportkleidung über Casual zu Black Tie und langem Abendkleid war heute alles zusehen. Teilweise in schrägen Kombinationen am selben Menschen, aber ich habe mich wohlerzogen zurückgehalten mit Fotografieren. Wobei die Dame mit der Glitzerjacke und dem langen Rock aus Vorhangstoff mit Schmetterlingmuster mich doch etwas in Versuchung brachte …

Nachtessen gab’s wieder im Market Place. Von der Kleidung her hätte ich heute gern eines der eleganteren Restaurants gewählt, aber ich hatte nur wenig Hunger und wusste, dass ich kein Menü essen könnte. Lammfleisch und Röseliköhli schmeckten trotzdem lecker, und ich hatte danach genügend Zeit, ins Theater zu gehen: Die Tenors of Rock, 5 Sänger aus Grossbritannien, gaben heute ihre letzte Vorstellung äuf der Norwegian Star – sie fliegen morgen ab Bergen zurück. Hammerstimmen, sehr sympathisch – und Moderation in „meinem“ schottischen Akzent. Fühlte mich richtig heimisch. Hammerstimmen! Hat mir sehr gut gefallen …

Den Abend beschliesse ich, wie üblich, mit etwas Zeit auf Facebook und Twitter – und dem Hochladen von Blog und Fotos. Morgen habe ich um 8,30 ein Date mit einer Kanadierin zum Frühstück: Sie will mit mir danach Bergen auf eigene Faust erkunden. Wetter soll mittelprächtig sein … aber dafür gibt’s ja Regenjacken. Und wenn’s zu strub ist, können wir ja immer noch zurück aufs Schiff gehen und eine Fokloreshow ansehen.

 

Good Night, tata!