Seerose Meisterschwanden – 2021

Mein Vater hat sich Ende Jahr von mir gewünscht, dass ich für uns wieder ein paar schöne Tage buche – irgendwo, zum Spazieren oder Wellnessen. Da er dieses Jahr an einem Samstag Geburtstag hatte und es sich früh abzeichnete, dass wir auch dieses Jahr die Party vergessen konnten, habe ich unsere Aus-Zeit einerseits auf „sein“ Wochenende gelegt – und an einen Ort, von dem ich wusste, dass er eine grosse Terrasse hatte, damit je nach Coronasituation auch meine Geschwister dazustossen konnten. Und da die Seerose auch eines jener Hotels ist, bei denen der Gutschein gültig war, den ich zu Weihnachten vom Geschäft bekommen hatte, stand einem luxuriösen Abstecher nichts mehr im Weg. Ausser allenfalls das Wetterglück – dachte ich wenigstens, in den 10 Tagen oder so vor unserer Abreise. Nichts von Wonnemonat Mai war zu spüren, stattdessen herrschte übles Aprilwetter. Aber siehe da: Als ich Daddy in Lenzburg traf, schone die Sonne – und sie verliess uns die ganze Zeit nicht mehr. Im Gegenteil: Wir beide schafften es, einen Sonnenbrand zu kriegen! (Ja, ich weiss, eincremen und so … Aber daran hatte ich bei der üblen Wetterprognose nicht gedacht.)

Wir reisten die letzte Etappe per Schiff an und checkten um 12 Uhr ein, wohl wissend, dass die Zimmer erst ab 15 Uhr bezugsbereit wären, aber wild entschlossen, die Tage voll auszukosten. Wir gaben das Gepäck ab und spazierten los – bis zum Schloss Hallwyl und zurück (für alle, die meinen Vater nicht kennen: Er ist und bleibt eine Wanderniere!). Die Landschaft ist sehr vielfältig, die Wege sind sehr gut unterhalten, und überall hat es lauschige Ecken und sogar Badehäuschen. Und ja, einige Mutige waren im See …

Zurück im Hotel bezogen wir unsere Zimmer, im alten Teil, erreichbar über eine Wendeltreppe. Klein, aber sehr gemütlich – und ausgesprochen liebevoll eingerichtet und dekoriert. Inklusive Nespresso-Maschine! Kaffee, Tee und Wasser sind im Preis inbegriffen, die Minibar ist gut gefüllt mit Feinem aus der Region. Den Welcome-Apéro genossen wir auf der Terrasse, das Nachtessen im Restaurant Cocon – eine Mischung aus europäischer und asiatischer Küche. Sehr fein, aber mit riesigen Portionen! Dazu gabs einen  feien lokalen Rotwein, und zur Käseplatte eine Entdeckung von Baumgartner, Tägerfelden, die ich bis jetzt nicht kannte, aber sicher noch öfters geniessen werde: Saõ Miguel, eine Portweinkelterung. Nach so viel Genuss brauchten wir einen Verdauungsspaziergang, bevor wir uns schlafen konnten. Und kamen so in den Genuss einer wunderbaren Abendstimmung.

Der nächste Morgen startete sonnig, aber mit mehr Wolken als am Vortag, wobei diese sich im Laufe des Tages verzogen. Wir waren recht früh beim «Muntermacher-Zmorge», zügelten aber, trotz des riesigen Angebotes, unseren Appetit – wusste Daddy doch inzwischen, dass meine beiden Brüder und die eine Schwägerin zum Mittagessen kommen würden (meine Schwester und die zweite Schwägerin mussten arbeiten). Allerdings geriet Daddys Planung durcheinander, erhielt er doch zum Abschluss des Frühstücks unverhofft die erste Geburtstagsüberraschung: Ein Schoggiküchlein mit flüssigem Kern, mit Früchten dekoriert, und einem Schoggi-Schriftzug mit herzlichen Glückwünschen.

Zum Glück hatten wir für danach ohnehin wieder einen Spaziergang geplant– diesmal auf die andere Seite, Richtung Äesch. Hier war weniger Naturschutzgebiet, mehr Landwirtschaftszone. Auch nett, aber nicht so reizvoll wie am Vortag. Dennoch brachten wir es auch am zweiten Tag auf 12 Kilometer (am 1. waren es insgesamt 18), und verbrannten so einige Kalorien.

Corona-konform hatte ich fürs Mittagessen einen 2-er und einen 3-er-Tisch reserviert, die wir dann als Herren- und Damentische interpretierten. So kamen die Jungs wieder einmal zu einem ihrer Herrenabende, die wegen Corona schon so lange Zeit ausgefallen waren, und Fanny und ich genossen unseren Schwatz auch. Nach einem weiteren kurzen Spaziergang wechselten wir aufs Schiff, zu einer kleinen Rundfahrt. Trotz Maskenpflicht fühlte sich der Ausflug herrlich normal an!

Daddys Geburtstagsessen hatte ich im Samui-Thai reserviert: «Gruusig ässe» pflegte Mami das zu nennen, wenn wir früher alles mögliche Ausländische probierten – sie selber bevorzugte Bekanntes. Wir erhielten eine wunderschöne Loge, mit Orchideen dekoriert, und wurden von A bis Z verwöhnt. Nur unser Wunsch nach kleineren Portionen kam irgendwie nicht so richtig an – wir beide waren schon nach der Vorspeise praktisch satt! So fein alles war, wir mussten einen Teil zurückgehen lassen. Aber auch hier hatten wir die Rechnung ohne die Gastgeber gemacht: Daddy erhielt eine wunderschön geschnitzte Honigmelone mit einer Wunderkerze, als Dessert – und die Gäste sangen spontan Happy Birthday für ihn. Daddys etwas verzweifelter Blick auf das Riesending wurde sofort erkannt: Die charmante Bedienung bot an, uns das Ganze einzupacken 🙂 So fielen wir, nach einem weiteren kurzen Spaziergang, pappsatt und zufrieden ins Bett.

Den letzten Tag begannen wir, auf Anraten von Fanny, mit einem Besuch im Spa (den wir eigentlich als Schlechtwetteralternative in petto hatten): Das Bad sei wunderschön, und früh am Morgen habe es da kaum Leute. Sie hatte recht! Als wir kamen, schwamm eine Dame noch etwas rum, danach hatten wir die Anlage für uns. Sauber geputzt und dargetan ging es danach wieder zum Frühstück, wo die Empfangsdame uns mit Namen begrüsste  – was für eine Leistung, bei so vielen Gästen! Die Bedienung war übrigens auch sonst extrem freundlich, sehr kompetent und zuvorkommend – etwas, was ich extrem schätze.  Kurz danach checkten wir aus und erhielten – auch das eine wunderbare Geste – je eine Flasche Apfelschorle mit auf den Heimweg.

Bei etwas mehr Wind als die letzten Tage, aber immer noch herrlichem Wetter, reisten wir mit dem Schiff bis Mosen, wobei wir – wen wundert’s – nicht direkt vor dem Haus einstiegen, sondern samt Gepäck zur Station Delphin spazierten. Weil: Wir hatten ja Zeit, und das war halt ein schöner Spaziergang 🙂 Und so kamen selbst heute 10’000 Schritte zusammen, obschon wir die meiste Zeit per Schiff und Bahn unterwegs waren. Mein Schrittzähler freut’s. Und die Waage wohl auch …

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