Valletta

Ausflug zu Maltas Hauptstadt

Am 28. 12. habe ich 2 nette Kinder kennengelernt, Eva, 4 aber sieht aus wie 6 (sagt sie) und James, 1. Später traf ich Casey, den ich erst für ihren Vater hielt, er war aber „nur“ der Babysitter, ein Freund des Vaters und „the bestest Uncle ever“. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, Wales, wo er zur Zeit lebt; Irland, wo er ab März eine kleine Farm übernimmt, Kinder und deren Marotten, Musik und Bilder. Tat richtig gut!

Am 29. war das Wetter zwar nicht berauschend, eher so aprilmässig, aber ich beschloss dennoch auszufliegen und habe mir eine Bus-Wochenkarte gekauft – in Anbetracht der Wettervorhersagen vielleicht etwas optimistisch, aber bei 6 Euro 50 kann ich auch mal einen Tag oder 2 auslassen. Bus Nr. 12 brachte mich via Sliema nach Valetta. Die Hauptstadt hat sich für Weihnachten extrem herausgeputzt – die Leute haben von den Spaniern die farbigen Lichtern im Exzess übernommen, wie ich ja schon auf Bildern aus Bugibba festgehalten hatte.

Da ich schon vor ein paar Jahren hier war, verliess ich die Hauptstrasse sehr schnell: Zwar finden sich hier die meisten Sehenswürdigkeiten, aber die Reiseleitung sagte am Sonntag, alle anderen Gassen wären schöner. Der schachbrettartige Aufbau der Stadt schien mir auch bei meinem fehlenden Orientierungssinn dafür zu garantieren, dass ich früher oder später den Haupteingang –und damit die Busstation – wiederfände. In den engen Gassen spürte man den Wind kaum, das Flanieren war angenehm und wurde nur gelegentlich durch eine allzu penetrante Beschallung mit den immer gleichen Weihnachtsliedern gestört.

Hinter den Hastings-Gärten sah ich auf der gegenüberliegenden Strassenseite etwas, das wie eine Sänfte aussah, sich von Nahem aber als Karre erwies. Gleich daneben befand sich eine steile Treppe, die mich hinunter in eines der fantastischsten Restaurants führte, die ich bis jetzt gesehen hatte. Rampila besteht aus einer unterirdischen Weinbar in einem Gewölbe innerhalb der Festungsmauern, mit einem Weinkeller, der tief ins Fundament der Mauer hinunter reicht; einem schräg abfallenden Tunnelrestaurant, an dessen unteren Ende sich ein kleines Museum befindet (mehr dazu weiter unten) und eine hobbit-ähnliche Türe, die zu einem grossen Terrassenrestaurant führt. Natürlich dürfen Sie etwas essen, sagte ein beflissener Kellner, obschon seine Kollegen daran waren, alles für den Abendservice vorzubereiten (viele Tische waren bereits reserviert, kurz nachdem ich mit der Vorspeise fertig war, waren auch alle anderen weg). Ich durfte im Tunnel Platz nehmen, meine Bestellung aufgeben – dann wurde extra für mich das Museum aufgemacht, damit ich mich da umsehen und Fotos schiessen konnte. Auch das Museums befindet sich in Gewölben innerhalb der Festungsmauer und ist eine Nachbildung einer typischen Gasse mit ihren menschlichen und tierischen BewohnerInnen, wobei ab Band die dazu gehörenden Geräusche, Gesänge etc. eingespielt werden. Sehr liebevoll gemacht und eindrücklich, finanziert vollumfänglich durch Spenden der BesucherInnen.

Zurück in der Gegenwart erwartete mich eine klare Fischsuppe mit Wurzelgemüse und hausgemachten Ravioli, gefüllt mit Fisch. Köstlich! Als Hauptgang gab’s für mich eine weitere Vorspeise: Grillierte Crevetten mit Avocadoschaum und Blattsalaten an einer wunderbaren Sauce aus Olivenöl, grobem Salz und Kräutern. Und auch zu einem Dessert liess ich mich verführen: Zitronensorbet und Kaffee krönten dieses lukullische Mahl. Inklusive Trinkgeld und Spende fürs Museum kam mich das auf 35 Euro zu stehen – etwas mehr, als ich hier sonst fürs Essen ausgebe. Aber es hat sich gelohnt: Dieses Restaurant sollte auf jede Bucket-List!

Zurück im Hotel traf ich Eva und James wieder – und in deren Kielwasser die Eltern. Margery ist ursprünglich Inderin und kommt aus der Nähe von Goa, ihr Mann sieht aus wie ein Jünger aus der Apostelgeschichte, kommt aus Wales, war Berufssoldat und ist jetzt Berufspilger – ja, das gibt’s! Offenbar machte er nach seinem Ausscheiden aus dem Aktivdienst mehrere Pilgerreisen und war dabei so schnell unterwegs und half so vielen anderen Menschen, dass das irgendwelchen Leuten der Kurie auffiel, und sie engagierten ihn, um Pilgerreisen zu begleiten. Zur Zeit ist er gerade daran, eine Route, die offenbar im Mittelalter beliebt war, aber aus der Mode kam, im Auftrag des Papstes wieder zu beleben. Ein schräger Vogel – aber ein herrlicher Erzähler und witziger Gesprächspartner.

Die Nacht war sehr unruhig, mehrere Gewitter weckten mich immer wieder auf. Auch jetzt regnet und windet es so stark, dass ich nicht ausfahre. Vielleicht morgen wieder …

2 Gedanken zu „Valletta

  1. Pingback: Zusammenfassung der Woche ab 29.12.2014 | Ironblogger Schweiz
  2. Hallo Schnüff,

    Ja so kann auch ich Malta etwas mehr Reiz zugestehen. Offensichtlich hat sich Dein Ausflug gelohnt und Du hast trotz ungünstigem Wetter noch etwas erlebt. Hoffentlich zeigt sich das Wetter in den nächsten Tagen etwas freundlicher, damit Du noch weitere „Abenteuer“ erleben kannst.

    Liebe Grüsse

    Papi

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