Whakatane – Tag 4

Nachdem Bianca mich Zuhause abgeliefert hatte, ging der Sturm erst richtig los: Nicht nur Regen, sondern richtig heftige Windböen. Der Bungalow steht aber sehr stabil – im Gegensatz zu Biancas Tomatenhaus, das die Nacht nicht überlebt hat. Sogar einige der grossen, schweren Töpfe gingen dabei zu Bruch.

Bei mir war es einfach sehr, sehr laut, weil der Regen durchdringend aufs Dach polterte. Und es wurde ziemlich kalt, sodass ich für kurze Zeit tatsächlich die Heizung einstellen musste. (Ist allerdings im Preis inbegriffen, lieber Bruder, sodass dein Weihnachtsferienbatzen nicht hier verpufft, wie du gescherzt hattest, sondern wahrscheinlich heute Abend beim Fotografen investiert wird …) Gegen Morgen wurde es etwas ruhiger, sodass ich schliesslich bis halb zehn schlief. Auch gut, habe ja schliesslich Ferien 🙂

Wetteraussichten für heute sind etwas besser, aber nicht prickelnd, sodass ich es ruhig angehen … Ausser am Freitag soll es dann in den nächsten Tagen nicht mehr regnen. We’ll see!

Ich machte mir mein Frühstück zu Recht – und dank der Leihgabe von Bianca, einem richtigen Küchenmesser, in pink (!), sieht mein Käse jetzt auch nicht mehr aus, als hätte ich ihn aus der Verpackung geprügelt. Der schmeckt übrigens sehr gut – danke Bianca!

Auf Facebook und in den Medien ist die Tragödie des Vulkanausbruchs extrem präsent und mich berührt, wie einige versuchen, die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien der Kulturen zu vermitteln und um Respekt zu bitten – wie z.B. in diesem Text von einem der Stämme, der unter anderem von lokalen Medien geteilt wurde.

Und während ich hier über die Trauer vor Ort schreibe, erreicht mich die Nachricht, dass ein lieber und geschätzter Twitterkollege freiwillig (?) aus dem Leben geschieden ist. Marcel, der immer so feinfühlig und wertschätzend war … Ich fasse es nicht … Finde keine Worte für seine Frau und Tochter, die er so sehr geliebt hat … Schicke Kraft und Liebe aus der Ferne und fühle mich so ohnmächtig, wie viele meiner Twitter-KollegInnen … Ruhe in Frieden, du Guter!

Kurz vor Mittag starte ich zu meinem Spaziergang: Die Himmelsleiter sollte es heute werden. Ich hatte die bei meinem letzten Besuch entdeckt. Die senkrechten Teile der Stufen sind so bemalt, dass die Bilder von unten nach oben ein Abbild der Welt ergeben, von den Tiefen des Meeres bis hoch in den Himmel. Eingebettet ist die Treppe in ein kleines Tal mit einem Wasserfall – sehr hübsch. Beim letzten Besuch bin ich da nur rauf und runter, heute trieb mich die Neugierde oben weiter, und ich entdeckte erst links, dann rechts einen Aussichtspunkt, was wunderbare Panoramafotos erlaubte. Vorher aber kaufte ich mir erst einen Gürtel, weil meine Jeans ständig runterrutschte (mir war bewusst, dass ich in den letzten Wochen Gewicht verloren hatte, aber nicht, dass sich das in so vielen Zentimetern niedergeschlagen hatte). Kurz darauf erstand ich auch noch 2 T-Shirts, weil ich in meinem Pulli viel zu warm hatte. Mein Outfit vervollständigte zuletzt ein Haarband aus dem Dollarstore, da die heftigen Winde mir ständig die Haare ins Gesicht wehten. Ich fand, ich sah ziemlich bescheuert aus, aber Bianca erkannte mich dennoch sofort, als sie zufällig an mir vorbeifuhr, unterwegs zu Kunden.

Mein Spaziergang wurde schliesslich etwas länger als geplant, weil ich keine Lust hatte, denselben Weg zurückzugehen, aber unterschätzte, welch grossen Bogen der Weg machen würde, weil da noch ein Tal dazwischen war. Wurden gut 10 Kilometer, ergab aber auch wunderschöne Bilder – und einen Sonnenbrand. Einmal mehr rechte Hand stärker als die linke, wegen der Kamerahaltung …

Das mit dem Sonnenbrand hätte ich eigentlich merken müssen, hatte ich doch die ganze Zeit darüber sinniert, ob es wohl einen Zusammenhang gäbe mit etwas, was ich im Flugzeug gelernt hatte: In „Unchartered“ mit Gordon Ramsey hiess es, die blaue und purpurrote Färbung der Kartoffeln habe eventuell mit der UV-Strahlung zu tun. Das würde dann wohl ja auch die gleichfarbigen Maissorten erklären. Und vielleicht auch die vielen blauen und violetten Blumen und Bäume, die es hier gibt? Sind auffällig viel mehr als bei uns … Aber eben: Ich bin weder blau noch violett pigmentiert. Dafür jetzt an einigen Stellen etwas röter …

Am frühen Nachmittag gönnte ich mir Tee und was Süsses, bevor ich mich mit Bianca traf: Sie war heute beim X-mas Late Shopping für ihren Arbeitgeber im Einsatz. Dieser freute sich sehr, als er erfuhr, dass ich über den Anlass auf Facebook und Twitter berichtet hatte  – und dann, auf Biancas Wunsch, auch auf Instagram. Letzteres erhielt dann tatsächlich auch einige lokale Likes, aber an der Verdoppelung der Downloads der neuen App war ich wohl dann doch nicht schuld. Immerhin, eine Version geht auf meine Kappe: Die App verbindet News, Infos, Busfahrplan, Shopping- und Eventguide der Region und ist wirklich gut gemacht, für Einheimische wie auch für Touristen.

Calum und Freyja stiessen etwas später zu uns, wir gingen Türkisch essen, besuchten ein paar Elfen und scheiterten kläglich beim X-mas photo shooting: Die Kleine war nicht zu bändigen. Zurück im Haus wurde sie dann aber für einen Moment ganz kuschelig, sodass Calum ein paar richtig schöne Bilder gelangen, bevor die Prinzessin schlafen ging.

Wir Grossen unterhielten uns noch eine Weile und ich erfuhr, dass die Regierung gerade das zweite Jahr hintereinander den Mindestlohn erhöht hatte, auf knapp 19 NZ$ – das sind nicht ganz 14 Franken. Ich fand das gut, Calum eher nicht so: Bei der letzten Erhöhung stiegen die Preise und es gab Entlassungen, was wohl auch dieses Jahr nicht auszuschliessen sei. Gibt einem schon zu denken … Die Löhne sind hier generell nicht sehr hoch, die Preise für Häuser oder Miete aber exorbitant hoch. Textilien gibt’s extrem günstig – aber Obst und Gemüse ist teilweise wiederum sehr teuer. Da muss man schon sehr rechnen, als Familie, was man einkauft …

Von Bianca erfuhr ich, dass der Familiennachzug neu wieder möglich wäre (der war eine Zeitlang völlig verboten), allerdings nur, wenn man pro Elternteil, den man nachholen will, mindestens 100’000 Einkommen pro Jahr erzielt (also ungefähr 70’000 CHF).  Eher illusorisch …

Morgen darf ich Freyjas Kindergarten besuchen. Und abends sind wir bei Calums Eltern eingeladen. Freu!

Weiterführende Links:

Unchartered Peru
https://www.dailymotion.com/video/x7dx3vs

Da gibt’s auch eine Ausgabe aus Neuseeland:
https://www.dailymotion.com/video/x7en0is

Eastern Bay App:
https://easternbayapp.co.nz/

Ein Gedanke zu „Whakatane – Tag 4

  1. Es kann ja nicht jeden Tag die Sonne scheinen. Auch mit Schatten muss man leben können.

    Liebe Grüsse

    Daddy

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