Akklimatisieren – Tag 2 NZ 2024

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Ok, das mit dem Supermarkt ist etwas eskaliert. Frau sollte nicht hungrig einkaufen gehen … Schon gar nicht in einen Laden, der ein derart riesiges Sortiment hat. Der arme Junge an der Kasse, der beim Einpacken helfen wollte, meinte entschuldigend: «I did my best, but I really couldn’t fit in everything». Machte aber nichts, ich klemmte mir das Toastbrot einfach unter den Arm.

Immerhin verhalf mir das Ganze zu einem netten Gespräch mit einer älteren Dame, auf dem River Edge Walk. Dieser Fuss- und Fahrradweg führ direkt hinter meinem Studio vorbei und führt ins Ortszentrum von Whakatane. Morgens sind das bereits viele Jogger, Spaziergänger:innen und Fahrradfahrer:inen unterwegs, auch Elektro-Rollstühle habe ich schon gesehen. Alle Menschen grüssen einander, die Velofahren:innen klingeln, wenn sie von hinten kommen, und überholen mit viel Abstand – und bedanken sich! Sehr ungewohnt …

Aber zurück zur Dame. Auch sie grüsste zuerst nur, meinte denn aber, mit Blick auf Rucksack, Jutesack und Brot unter dem Arm: «You should have brought a trolley». Ich grinste und gestand, dass ich etwas eskaliert sei; eigentlich hätte ich nur Brot, Milch, Kaffee und so kaufen wollen, fürs Frühstück. Da musste sie auch lachen und erzählte mir, dass sie vor kurzem in die Stadt gefahren sei, um Brot zu kaufen. Zurück gekommen sei sie mit zwei Taschen voller Sachen. Nur das Brot habe sie vergessen … Fühlte mich erkannt und gesehen! Genoss dafür danach aber auch ein extra feines Zmorge, mit vier unterschiedlich belegten Schnittchen, Kaffee aus meiner Final Press und etwas frischen Erdbeeren.

Nach einem Erkundigungsspazierganz durch den Holiday Park, inklusive Gemeinschaftsküche (den Schlüssel hatte ich noch nie) las ich noch etwas, musste mir aber einen kühleren Ort suchen: Am Tisch vor meinem Studio wurde es definitiv zu heiss. Fürs Mittagsschläfchen (Jetlag lässt grüssen) schaltete ich sogar die Klimaanlage ein.

Gegen 14 Uhr spazierte ich, wie vereinbart, zum Spielplatz und Skaterpark, um Freyja, Bianca und Clea zu treffen. Ich war zu früh da und schaute den Jungs, die da waren,  bei ihren Tricks zu. Einer fragte mich ganz freundlich, ob ich ihnen meine Tricks zeigen wolle? Der schaute so unschuldig, dass ich eine Weile brauchte um zu kapieren, dass er mich nur aufzog.

Als die anderen kamen, war Freyja allerdings überhaupt nicht in der Laune, mit Clea oder alleine zu spielen. Ein paar Minuten verweilte sie sich mit dem Wimmelbuch Schweiz, das ich für sie mitgebracht hatte, aber dann brachen wir die Übung ab. Bianca fuhr Clea nach Hause, wir drei anderen fuhren ins neue Haus, in Edgecumbe, etwas 20 Kilometer von Whakatane entfernt. Zuhause hatte ich, als ich von dem Umzug erfuhr, gegoogelt und gesehen, dass es da einen Bus gibt, also dachte ich mir, es würde kein Problem sein, wenn ich mein gebuchtes Studio bezöge, das knapp 10 Gehminuten von der alten Adresse liegt. Was ich da noch nicht wusste: Der Bus fährt nur eine Handvoll Male am Tag – und der letzte verlässt Edgecumbe 16.20. Was heisst, dass mich Bianca oder Calum jeweils nach Hause fahren müssen, denn als Alternative nennt die App nur das Fahrrad – oder zu Fuss. Public Transport ist nicht die Stärke der Neuseeländer … Werde mich noch schlau machen, was ich alles für Möglichkeiten habe, und ausprobieren, wie weit ich komme. Ein Tagesausflug an die Ohope Beach müsste gehen.

Das neue Haus der Familie ist einiges grösser und hat einen grossen Garten, in dem ein riesiges Trampolin und ein Pool stehen. Ich hatte, wie von Freyja gewünscht, mein Badekleid mitgebracht, und wir landeten recht schnell im Wasser. Es war wärmer, als ich befürchtet hatte – als Zurzacherin (ja, nur Zugezogene) bin ich ja vom Thermalwasser verwöhnt.

Ich blieb bis zum Abendessen, Bianca hatte eine feine Salatbowle mit Quinoa, Tahini-Dressing und gerösteten Kichererbsen vorbereitet. Freyja war ständig in Bewegung, und ich fühlte mich etwas überfordert – wohl auch, weil die Müdigkeit sich nun doch etwas bemerkbar machte. Dankbar liess ich mich «nach Hause» chauffieren, und genoss den Sonnenuntergang auf meinem Sitzplatz.

Morgen fahren wir zur Book fair. Mal sehen, welche Bücher uns anlachen.

 

 

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