Down by the Sea – Tag 4 NZ 2024

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Gestern Abend schrieb mit Bianca, dass es im Mitchell Park einen Sonntagsmarkt gäbe, mit Frühstück ab 8 Uhr. Sei vielleicht was für mich, da ich ja immer so früh aufstehe. Aber klar doch! Mein Wochenendmarkt ist ja auch zuhause eine liebe Tradition.

Also habe ich morgens nur einen Tee getrunken, mich ausgiebig eingeschmiert (50+!) und bin losgestiefelt. Auf dem Weg, durch einen wunderschönen anderen Park, traf ich auf einer kleinen Brücke eine etwas ältere Frau, die gebannt einer Entenmutter zusah, wie sie ihre zwei Küken dazu ermutigte, sich ins Wasser fallen zu lassen. Sie erzählte mir, dass es ursprünglich acht gewesen seien, dass aber wohl die Aale und eine andere Fischart, deren Namen ich nicht kannte, diese gefressen hätten.

Ich erzählte ihr von unserer Entenmutter, die letztes Jahr nach dem Tod einer anderen Mutter neben ihren eigenen auch deren Küken aufzog, und jeweils mit 13 Küken in Formation daherkam.

Nach der fast üblichen Frage hier, wo ich herkomme (local or Tourist?) kamen wir auf Sprachen zu sprechen. Auf meinen nicht vorhandenen Akzent (was ich immer daran erkenne, dass bei mir auch local in Frage käme), auf die Faszination Mehrsprachigkeit, insbesondere bei Kindern (die es in ihrer und meiner Familie gibt), von Kindern dann natürlich auf mein Patenkind, Freyja – und da fragte sie mich, wie diese denn mit Familienname heisse, vielleicht kenne sie die Familie ja? Ich stutzte etwas, denn sooo klein ist die Bay of Plenty nicht.

Aber da sie vorher erwähnt hatte, dass sie bis zu ihrer Pensionierung in öffentlichen Ämtern gearbeitet und heute noch ehrenamtlich tätig sei, wollte ich es auch nicht ausschliessen. Und siehe da: Die Frau kennt meine Familie nicht nur – ihr Sohn ging mit Calum Bruder zur Schule! «Say hello from Frog’s Mum», gab sie mir auf den Weg, was ich natürlich prompt ausgerichtet hatte. Die Welt ist klein.

Allerdings immer noch gross genug, dass ich mich auf dem Weg zum Markt verlaufen konnte. Klassischer Lovey-Fehler: Fast am Ziel – und dann davon weg abgebogen. Je nu, freut sich der Schrittzähler dann wieder:

Und etwas zusätzliche Bewegung muss definitiv sein, denn auf dem Markt gab es einen Stand, an dem selbst gemachter Fudge verkauft wurde. Ich hatte diese Art von Nidletäfeli in gross in Schottland kennen und lieben gelernt und konnte natürlich nicht widerstehen. Da die Dinger aber wirklich riesig sind, musste ich mich auf 4 von etwas 20 Sorten entscheiden … Keine leichte Aufgabe!

Bei Kaffee und einem feinen Croissant genoss ich die Atmosphäre und die Musik, bevor ich wieder zurück spazierte. Unterwegs erhielt ich eine Nachricht von Bianca: Sie werden mich später abholen, und wir fahren an den Strand. Juppiii! Auch unterwegs, sah ich bei der Apotheke einen Anschlag, wie man hier mit Covid umgeht:

Gefällt mir!

In meinem Studio wurde gerade gearbeitet – neu gibt es hier alle 4 Tage vollständigen Zimmerservice (das letzte Mal war der auf Abruf, maximal einmal die Woche).  Ich bat die Dame, sich nicht stressen zu lassen, und setzte mich zufrieden auf meinen Sitzplatz. War dann aber doch froh, dass ich nur kurze Zeit später rein konnte. Der Sitzplatz ist an der prallen Sonne, und es ist wirklich warm hier. Will aber nicht jammern – für die nächsten Tage wird Regen angesagt, das schränkt dann den Bewegungsradius eventuell etwas ein.

Kurz vor 12 fuhren die anderen vor, aber es zeigte sich schnell, dass wir unsere Pläne ändern mussten: Freyja fühlte sich überhaupt nicht wohl.  Spielplatz und Strand würden wohl wegfallen. Dennoch fuhren wir nach Ohope, weil Calum da Holz für seine Mutter liefern und ein paar Handreichungen erledigen sollte. Freyja mochte auch da weder essen noch trinken, sondern legte sich hin – und schlief prompt ein. Bianca und ich unterhielten uns kurz mit Marion, während Calum und sein Bruder Marc riesige Samenkapseln von den Palmen schnitten – die Dinger machen offenbar, wenn man sie aufblühen lässt, eine unsägliche Sauerei. Da Freyja nicht aufwachte (was für das lebhafte Kind sehr aussergewöhnlich ist), liessen wir sie bei Oma schlafen, Calum holt sie dann später ab. 

Wir drei fuhren zum Head, um das mit viel Brimborium angekündigte Kreuzfahrtschiff zu bestaunen. Die Fahrt mit den Tenderbooten dürfte, sagen wir mal, interessant gewesen sein: Die See war recht rau, erst beim Eibiegen in den Flussteil wurde es etwas ruhiger.

Unterwegs erzählte mir Bianca, wie hier an der Schule mit ADHD und Autismus umgegangen wird. Unterstützung erhalten nicht nur die betroffenen Kinder, sondern auch die Mitschüler:innen. Betroffene werden in ihren Coping-Strategien gestärkt – Freyja hat dazu zum Beispiel eine «Sensor Box» im School Office. Bei Überflutung kann sie sich dahin zurückziehen und sich 10 Minuten auf ihre Sinne konzentrieren, dann geht sie wieder zurück in die Klasse. Im Fall von Konflikten wird den Kindern geschildert, was beobachtet wurde, zum Beispiel, als ein Mädchen immer weiter Druck gemacht habe, als das andere Kind, auf Grund seiner Neurodiversität, nicht mehr Handlungsfähig war. Die Lehrerin zeigte auf, dass die Mitschülerin ganz genau gewusst habe, dass sie Knöpfe drückte, und liess das Kind darüber nachdenken, was es ein anderes Mal anders machen könne, um die Situation nicht zu verschärfen, sondern zu entlasten. Finde ich eindrücklich – und aufgrund der so völlig anderen Erfahrungen einer Mutter in meinem Freundeskreis aus der Schweiz extrem viel hilfreicher, als was ihr und ihrer Tochter zugemutet wird.

Nach einem kurzen Strandspaziergang fuhren die beiden heim, um das Zimmer für den Austauschstudenten fertig zu machen, der demnächst ankommen sollte. Ich blieb auf eigenen Wunsch da draussen und spazierte dann gemütlich zurück, wobei ich mir unterwegs, im Hafen der Fischerboote, eine kleine Portion Fish & Chips gönnte. Fangfrisch und knusprig – und ohne Essig über den Pommes. Herrlich!

Beim Essen wurde ich von einer Möwe beobachtet, die durch eine Fischleine behindert wurde, die sich an ihrem Schnabel verfangen hatten. Zusammen mit zwei Kindern versuchte ich, ihr zu helfen. Sie liess uns zwar auf eine halbe Armlänge heran – aber dann flüchtete sie jeweils doch. Hoffe, sie kriegt das Ding los, ohne sich weiter zu verheddern. Weiss nicht, ob die so fressen kann …

Etwas gestutzt habe ich  etwas später, als ich mir die Hände waschen ging, über diesen Aushang in der öffentlichen Toilette:

Ich finde die Angaben sehr hilfreich, fragte mich aber, was wohl in der Männertoilette hängt?

Zurück auf der Hauptstrasse von Whakatane nutzte ich die Gelegenheit, mir einen Sonnenhut zu kaufen – und eine Grosspackung Paracetamol. Im Gegensatz zur Schweiz gibt es die hier ohne Rezept, und zu einem Bruchteil des Preises, den wir in der Schweiz bezahlen.

Den Rest des Tages verbrachte ich vor meinem Studio, lesend, schreibend und chattend. Von Bianca erhielt ich noch Fotos von unserem Abstecher in den Pool und vom Spaziergang heute. Lasse die in die Diashow von heute einfliessen.

Das mit dem Regen Morgen könnte aber stimmen – hier ziehen gerade graue Wolken auf.

 

Ein Gedanke zu „Down by the Sea – Tag 4 NZ 2024“

  1. Welch schöne und interessante bebilderte Beiträge! Bei der bei uns herrschenden Kälte würde man sich gerne bei Euch an der Sonne räkeln. Bitte mach weiter so!

    Daddy

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