Neujahr in Hongkong

Entdeckungsreise mit Schlussspurt

Helmut und ich treffen uns um halb zehn, um eine Imbissbude zu suchen, die seine Freunde ihm empfohlen haben: Lan Fong Yuen.  Das Teerestaurant gibt’s seit 1952, wobei es den grössten Teil der Geschichte nur ein Food Stand war, in der Grösse eines kleinen Gartenhäuschens. In den meisten Berichten steht, dass man es leicht übersehen könne, und auch wir finden zwar das alte, ursprüngliche Häuschen – aber nicht das Restaurant. Kein Wunder: Es ist nicht viel grösser als der Stand, etwas zurückgesetzt und schlecht angeschrieben. Aber auch hier schafft es Helmut, sich mit Einheimischen so zu verständigen, dass sie uns hinführen. Nur, um zu merken, dass ich vorher, im Vorbeigehen, schon Fotos von den Enten im Schaufenster geschossen hatte, ohne zu merken, dass wir das Ziel schon erreicht hatten. Der Tee schmeckt so gut, wie in den Reviews beschrieben, die Ente ist saftig und fein gewürzt. 4 Tee, 2 Portionen Ente mit Reis und PokChoi kosten uns ca. 15 Franken …

Anschliessend streifen wir durch die benachbarten Gassen und folgen den Central Mid-Levels Escalator – einer Kette von 20 Rolltreppen, von denen aus wir wunderschöne Fotosujets entdecken. Per Taxi fahren wir anschliessend zum Lomography Store, einem Laden, der auf analoge Fotografie spezialisiert ist (ein Hobby von Helmut), aber der hat leider zu … Also arbeiten wir uns in Richtung Hafen vor, wo wir etwas essen wollen. Die Suche nach einem schönen Rooftop-Café geben wir auf, weil viele geschlossen sind bzw. nur mit Reservation erreichbar. Ein Concierge gibt us den Tipp, es bei Ivy zu versuchen: Das ist zwar nur im 3. Stock, hat aber Sicht auf den Hafen. Die Aussicht ist allerdings nicht sooo besonders, auch hier wird gebaut. Dafür schmeckt das Essen wunderbar, und unsere Füsse können sich etwas erholen.

Frisch gestärkt, machen wir uns auf, um zu Fuss und mit der Fähre zum Peak Tram zu gelangen. Allerdings sind wir nicht die einzigen mit dieser guten Idee … Halb Hongkong ist auf den Beinen, und Hundertschaften von Touristen aus der Umgebung: Chinesische Familien oder Gruppen von Freunden, die sich mit Kartonschachteln oder Schirmen kleine Forts bauen – auf Fussgängerbrücken oder Plätzen. Sie verpflegen sich hier, singen Karaoke, spielen und schlafen offenbar auch hier (gemäss Helmut ist das durchaus gebräuchlich, hat er auch schon gemacht). Wir haben die Absicht, vom Peak aus den Sonnenuntergang zu geniessen, und dann wieder runter zum Hafen zu gehen, um die versäumte Symphony of Light zu geniessen.

Während wir uns in die recht lange Schlange einreihen, beginnt Helmut eine Diskussion, die wir schon zwei Mal geführt haben: Wenn wir am 2.1. abfliegen – kommen wir dann am 2. oder am 3.1. an? Ich reagiere etwas genervt, schliesslich haben wir das ganze Zeitzonengedöns schon lang und breit durchgekaut … Als ich, mehr, um ihn zu beruhigen, mein Handy hervorkrame, um die Flugbestätigung in der App zu öffnen, sehe ich eine Mail von Cathay Pacific, die mich einlädt, via Web einzuchecken – für den Flug, der in 6 Stunden geht!

Wie sich herausstellt, war Helmuts Unbehagen durchaus berechtigt, auch wenn er am falschen Ort eingehakt hat:
Mein Reisebüro hat ganz offenbar einen Denkfehler gemacht und zwei Nächte im Hotel gebucht – worauf unsere ganze Planung beruhte –, aber übersehen, dass wir die 2. Nacht gar nicht im Hotel verbringen können, weil wir nämlich bereits um 0.30 abfliegen. Wir verlassen die Schlange, suchen einen Taxistandplatz und fahren ins Hotel zurück, um zu packen und auszuchecken. Geld kriegen wir natürlich keins zurück, da wir das Zimmer erst kurz vor 18 Uhr verlassen … Mit dem Taxi geht’s nach Kowloon, wo wir, dank Helmuts Aufmerksamkeit, unsere Koffer bereits einchecken können. So können wir unbeschwert den Airport Express besteigen, im Wissen, dass wir rechtzeitig am Flughafen sind, um the Bridge und the Pier zu benutzen – die eleganten Lounges, zu denen Helmut, dank seines Silberstatus im Marco-Polo-Club Zutritt hat. Und in die er, dank den eben erst erflogenen Punkten, neu auch eine Begleitung mitnehmen kann.

Aber jetzt ist offenbar der Wurm drin: Erst heisst es, er hätte das schon vor 14 Tagen (!) buchen müssen, dann stellt sich heraus, dass es eine neue Regelung gäbe, mit der das bis 2 Stunden vorher möglich sei, allerdings nur bei Buchungen via Web – nur wird diese Buchungsmöglichkeit online nirgends angezeigt. Es dauert eine Weile, bis die Damen eine Lösung finden, was gemäss Helmut eher untypisch ist für den Kundendienst von Cathay Pacific. Aber zum Schluss klappt es dennoch: Der Eingang zum Pier steht auch mir offen: Die Lounge ist riesig, umfasst ein Teehaus und eine Bar, ein westliches und ein asiatisches Restaurant, Internetarbeitsplätze, grosszügige Duschen mit wunderbar duftenden Aesop-Produkten – was ich weiss, weil wir beide, nach dem etwas überstürzten Abbruch des Sightseeings, uns hier eine Entspannungsdusche gegönnt haben. Und Tee. Und einen Whisky. Und was zum Knabbern … Kurz vor 23 Uhr gehen wir ans Gate, das sich ganz in der Nähe befindet, und nutzten Helmuts Status für ein Priority-Checkin: Kein Anstehen für uns zwei …

Aber das Geilste kommt erst:
Helmut hat beim Einchecken ein Upgrade erhalten, von Premium Economy (mit etwas mehr Beinfreiheit) auf Business Class. Er hat versucht, auch für mich eins zu erreichen, aber das hat leider nicht geklappt. ABER: Der Herzensgute hat mit mir das Ticket getauscht! Will heissen: Helmut flog auf 65 G in der Economy, während ich mich auf 25 G in der Business Class verwöhnen lassen durfte. In der Slideshow sehr ihr ein paar Bilder, wie es mir dabei erging, aber so richtig filmen konnte ich nicht. Deshalb darunter ein Video, das etwas besser zeigt, was mir zur Verfügung stand. Und ja, ich habe es genossen 🙂

Danke, Helmut, für dieses (bis jetzt) am weitesten entfernte, höchste und – zu mindest für mich – genussreichste Tweetup!

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